Am Strand oder im Freibad ist knallende Sommersonne ja noch angenehm und wünschenswert, in der eigenen Wohnung hat man sie aber dann vielleicht doch nicht so gerne als Gast.
Wer direkt unter dem Dach wohnt, dürfte das Problem kennen - die Hitze wird mit jedem Tag unerträglicher und bleibt auch in der Nacht hartnäckig vor Ort. Wie so ein unsensibler Partygast, der selbst den im schon Pyjama gekleideten und sich die Zähne putzenden Gastgeber nicht als Aufforderung sieht, sich zurückzuziehen.
Hitze im Dachgeschoss: Wer hat Schuld?
Die Luft ist warm, das Lebensgefühl lässt sich nur noch mit einem gebrummelten tropisch beschreiben? Verurteilt die arme Luft nicht zu schnell, das Problem liegt an anderer Stelle. Selbst wenn ihr die Luft in eurer Wohnung komplett austauscht, wird sie nach kurzer Zeit wieder unangenehm heiß.
Problematisch sind die Wände und eben auch das Dach, die während des Tages die Sonnenenergie speichern und wie eine Heizung wieder abgeben. Daran könnt ihr als Mieter eher nicht viel ändern, gehört euch die Wohnung allerdings, wären Dämmmaßnahmen sinnvoll. Die helfen auch im Winter, die Wärme in der Wohnung zu halten, statt die Umwelt teuer zu heizen.
Trotzdem gibt es ein paar Möglichkeiten, wie ihr die Hitze auch ohne Dämmungsaustausch senkt. Aber schon einmal zur Vorwarnung: Wirklich einfach Zaubertricks gibt es hier nicht und Vorsicht ist bei dem Thema klar besser als Nachsicht.
Tipp Nummer 1: Den Raum tagsüber bereits kühl halten
Da Wände und Dach viel Wärme speichern, die sie in der Nacht wie eine Heizung abgeben, lohnt es sich, den Raum schon tagsüber möglichst kühl zu halten, beziehungsweise nicht mehr Wärme hineinzulassen als nötig.
Aus meinen Solarstrom-Experimenten weiß ich: Die Sonne scheint in unseren Breitengraden mit der Leistung von gut 1.000 Watt pro Quadratmeter auf uns herab, das ist viel Energie um für Wärme zu sorgen - ein Gaming-PC nimmt meist weniger Energie auf und dessen ausgestrahlte Hitze unter voller Last habt ihr sicher schonmal gefühlt.
Verdunkelt also alle relevanten Fenster, am besten von außen. Etwas Dunkles von Innen davorhängen lässt die Wärme trotzdem erst einmal ins Haus, wo sie sich dann zwischen Fenster und Vorhang staut und die Wohnung aufheizt. Besser als nichts ist aber auch eine Innenverdunklung. So wärmt sich nicht nur die Luft im Raum weniger stark auf, auch die angestrahlten Wände und Böden bleiben dauerhaft kühler.
Lasst die Tür des Raumes tagsüber am besten geschlossen. Es kann auch helfen, Zugluftstopper vor der Tür zu nutzen. Sobald es nachts (hoffentlich) etwas kühler wird, folgt dann Maßnahme #2.
Tipp Nummer 2: Sorgt für Durchzug
Immer wieder ist zu hören, Durchzug solle unbedingt vermieden werden, weil sonst sofort Krankheit droht. Ihr könnt aber beruhigt sein: Von etwas kühlender Luft werdet ihr nicht sofort krankenhausreif geschlagen.
Besteht die Möglichkeit, an gegenüberliegenden Seiten der Wohnung Fenster für Durchzug zu öffnen: Nutzt die Chance. Solange wenigstens ein bisschen Wind vorhanden ist, fühlt sich die Wohnung schnell deutlich wohnlicher an. Und zwar mehr, als wenn ihr nur einen Ventilator nutzt. Der kühlt zwar auch etwas, kann dafür aber nur die abgestandene und warme Umgebungsluft nutzen.
Im Idealfall nutzt ihr für den Durchzug die kühleren Stunden am Morgen, Abend oder eben direkt in der Nacht. Allerdings lohnt sich ein Versuch auch tagsüber: Immer dann, wenn ihr etwas Windbewegung feststellt.
Tipp Nummer 3: Nicht noch mehr Wärme erzeugen, wenn möglich
Ihr zockt bevorzugt oder jobbedingt am Abend und haltet auch trotz herunter rinnenden Schweißes daran fest? Dann ist eure Beharrlichkeit nicht ganz unschuldig an zusätzlicher Hitze im Raum: Der PC wandelt beim Zocken nicht wenig elektrischer Energie in Wärme um. Die 200 bis 800 Watt gängiger Gaming-PCs spürt ihr tatsächlich. Auch Konsolen wie die PS5 sind mit gut 300 Watt (inklusive TV) nicht gänzlich irrelevant.
Wir raten dazu, in den wärmsten Stunden vielleicht wenigstens auf Grafikkracher zu verzichten. Im Energiesparprofil und mit einem leistungstechnisch anspruchsloseren Titel verzichtet ihr problemlos auf ein paar zusätzliche Grad in der Wohnung.
Unterschätzt auch nicht den Monitor: Er erzeugt weniger Wärme (und spart dabei Strom), wenn die Helligkeit heruntergedreht ist. Die braucht ihr Nachts eh nicht auf voller Stärke, eure Augen werden es euch zusätzlich danken.
Ohne technische Hilfe bleibt es oft trotzdem heiß
Nasse Handtücher vor den Ventilator hängen bringt kurz Abkühlung und dann eine hohe Luftfeuchtigkeit, mit der sich die Hitze noch klebriger anfühlt, Durchzug hilft nur, wenn sich die Luft überhaupt ein wenig bewegt – es ist kompliziert mit dieser Hitze.
Tatsächlich profitieren Bewohner von Dachgeschosswohnungen primär von einer Wärmeschutzdämmung oder technischen Stromfressern wie einer Klimaanlage. Zwar sind deren bezahlbarere und mobile Vertreter trotzdem noch teuer in Anschaffung und vor allem Betrieb, ihre Arbeit macht sich aber sehr schnell in Form niedrigerer Temperaturen bemerkbar.
Müsst ihr eure Heizung nach einem Defekt sowieso austauschen, kann sich auch der Umstieg auf eine Wärmepumpe mit Kühlfunktion lohnen, die im Idealfall von Photovoltaik mit Strom versorgt wird.
Split-Klimageräte mit einem Außen- und einem Innenteil wären die Ideallösung, benötigen aber einen oft nicht realisierbaren baulichen Aufwand. Ein mobiles Kombigerät kann aber ebenfalls Linderung verschaffen. Achtet nur darauf, dass ihr kein zu kleines Gerät für die Raumgröße anschafft. Zu geringe Kühlleistungen sorgen da schnell für Frust. Und dann ist da noch die Lautstärke, die einem wortwörtlich den Schlaf rauben kann.
Nutzt auch die Funktion vieler Klimageräte, die Luftfeuchtigkeit ebenfalls zu senken. Trockene Hitze ist für viele besser erträglich als tropisch-feuchte Hitze. Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Diese Funktion ist oft ebenfalls recht laut, entfeuchtet die Luft deshalb am besten vor der Gamingsession oder dem Schlafengehen und nicht währenddessen.
Bedenkt zudem, dass ein Abluftschlauch immer durch eine Öffnung nach außen gelegt werden muss. Öffnet ihr dafür ein Fenster, dringt aber gleich wieder warme Luft ein, der Klimaanlageneffekt verringert sich stark. Eine passende Fensterabdichtung solltet ihr also besser gleich mit erwerben. Und rechnet die erhöhten Stromkosten der oft mindestens 700 bis 1.000 Watt fressenden Geräte ebenfalls mit ein.
Fazit: Es ist kompliziert
Eine Dachgeschosswohnung oder auch nur ein Büro in Hochsommernächten auf annehmbare Temperaturen zu bringen, ist nicht immer ganz einfach und mitunter ohne technische Hilfe sogar unmöglich. Der von vielen Menschen noch immer verteufelte Durchzug ist, zumindest wenn möglich und bei Luftbewegung, eine gute Lösung für Abkühlung.
Mitunter bleibt aber nur die Flucht in tiefer gelegene Stockwerke oder klimatisierte Räume - Hitze steigt nach oben und sammelt sich unterm Dach dann auch gerne an. Es hilft aber ungemein, nicht ausgerechnet dann noch weitere Hitze zu erzeugen. Notebook statt Desktop, Rimworld statt AAA-Grafikkracher, alleine das kann für 1 bis 2 Grad Unterschied sorgen.
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