Raus aus dem Silicon Valley: Der Suchmaschinenriese Google hat mittlerweile einen festen Platz auf unseren Smartphones gefunden: Gmail, Drive, YouTube – und natürlich Google Maps. Ich muss zugeben: Die Dienste sind verdammt praktisch. Aber sie haben einen hohen Preis, denn wir zahlen mit unseren intimsten Daten.
Google verdient sein Geld mit Werbung. Für den Konzern ist es hochgradig wertvoll, zu wissen, ob ihr euch gerade in ein Brillengeschäft habt lotsen lassen oder ob ihr jeden Morgen am selben Bäcker vorbeikommt. Aus diesen Puzzleteilen entstehen messerscharfe Nutzerprofile.
Mein persönliches De-Googling
ausgerechnet mit dem Kartendienst zu starten, ist für mich eine besondere Herausforderung. Bisher war Maps meine einzige Navi-App – und ich nutze sie ständig, vor allem zu Fuß in der Stadt. Da macht die Zuverlässigkeit einen sehr realen Unterschied: Finde ich die Bushaltestelle sofort oder fährt mir der Bus vor der Nase weg?
Dennoch: Google Maps ist nicht allein auf weiter Flur. Gerade für Fußgänger gibt es spannende Alternativen, die Privatsphäre ernst nehmen. Ich habe mir drei davon für euch angeschaut.
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Nach knapp 30 Smartphone-Tests: Hier sind unsere 5 Highlights 2025
1. Organic Maps: Puristen-App mit Fokus auf Datenschutz
Organic Maps ist ein Open-Source-Projekt, das auf den Daten von OpenStreetMap basiert. Das ist ein gemeinschaftlich betriebenes Projekt, bei dem tausende Freiwillige weltweit Daten zu Wegen und Gebäuden erfassen und pflegen. Organic Maps ist kostenfrei und verzichtet vollständig auf Tracker und Werbung.
Das spricht mich an bei Organic Maps:
- Konsequenter Datenschutz: Die App wurde primär für den Offline-Betrieb entwickelt, entsprechend findet keine Übermittlung von Bewegungsprofilen statt.
- Hohe Performance: Die Karten rendern merklich schnell, was die Bedienung flüssig macht.
- Fußgänger-Fokus: Organic Maps wirbt gezielt mit der Abdeckung von
Rad-, Wander- und Spazierwegen
. Das ist für vornehmlich Fußgänger wie mich ein massiver Vorteil. - Akkuschonend: Ohne Hintergrund-Datenverbindungen bleibt der Energieverbrauch gering.
Um all die genannten Vorteile zu genießen, muss ich mich aber vorher an eine Sache gewöhnen: Offline-Karten herunterladen. Allerdings: Ganz Oberbayern etwa kostet mich gerade einmal 69 MB.
Die Betreiber von Organic Maps bringen es doch recht sympathisch auf den Punkt:
Installiere Organic Maps, lade Karten herunter, wirf deine SIM-Karte weg (dein Betreiber verfolgt dich übrigens ständig) und mache einen Wochenausflug mit einer einzigen Akkuladung, ohne dass ein Byte an das Netz gesendet wird.
Was mir bei Organic Maps fehlt:
- Fehlende Live-Daten: Was bei einer Offline-Karte logischerweise fehlt, sind Echtzeitinformationen wie etwa Staus. Ich fahre selten Auto, aber dann könnte Organic Maps einen gewissen Nachteil bieten.
- Geringe Informationstiefe: Restaurants und Cafés werden dargestellt, aber etwa Öffnungszeiten nur sporadisch angezeigt. Und auch Nutzerinformationen wie Speisekarten von Lokalen finde ich bei Google Maps schon immer sehr praktisch.
- Rein grafische Darstellung: Keine Satellitenansicht und kein Street View zur visuellen Orientierung vor Ort.
- Unflexible Suche: Die Suchfunktion ist exakter, aber weniger fehlertolerant als bei Google. Tippfehler führen oft zu keinen Ergebnissen.
Organic Maps findet ihr im App Store und im Google Play Store.
2. Magic Earth: Offline-Karten und Streaming
Magic Earth ist das Projekt der niederländischen Firma Magic Lane. Auch Magic Earth wirbt damit, euren Standort nicht zu tracken. Allerdings verstecken sich hier einige Feature hinter einer Paywall für 14,99 Euro/Jahr.
Was mich an Magic Earth anspricht:
- Hoher Datenschutz: Auch Magic Earth erstellt keine Bewegungprofile.
- Kein Zwang zu Offline-Karten: Wo Organic Maps unmittelbar auf Offline-Karten basiert, fährt Magic Earth zweigleisig: Offline-Karten und Streaming.
- ÖPNV-Integration: Ich benutze zwar in der Regel meine separate Öffi-App, aber bei Magic Earth scheint mir die ÖPNV-Integration einen zweiten Blick wert.
- Echtzeit-Verkehr: Magic Earth nutzt
crowd-sourced
Daten von Autofahrern, um etwa Stau-Warnungen zur Verfügung zu stellen.
Was mir bei Magic Earth fehlt:
- Proprietäre Software: Im Gegensatz zu Organic Maps ist der Quellcode von Magic Earth nicht offen einsehbar. Insofern müssen Nutzer den Datenschutzversprechen von Magic Lane einfach vertrauen.
- Kostenpflichtige Premium-Funktionen: Zu den Funktionen, die mittlerweile hinter der Paywall stecken, gehören nicht nur nette Spielereien, sondern ausgerechnet auch die obigen Echtzeitinformationen aus dem Straßenverkehr.
- Geringe Informationstiefe: Auch bei Magic Earth finde ich keine Öffnungszeiten für Geschäfte. Das heißt: Immer wieder von einer App in die andere wechseln.
Magic Earth findet ihr im App Store und im Google Play Store.
3. HERE WeGo: Die verlässliche Navi-App aus Europa
HERE WeGo ist der Veteran unter den Google-Maps-Alternativen. Das Navigationsprogramm HERE gehörte früher zu Nokia und ist heute im Besitz eines Konsortiums aus Audi, BMW und Mercedes. Damit ist die App – ganz anders als Organic Maps etwa – kein kleines Community-Projekt, sondern ein europäisches Schwergewicht.
Das spricht mich an bei HERE WeGo:
- Intuitive Bedienung: Die App wirkt modern und aufgeräumt. Die Suche erscheint mir fehlertoleranter als etwa Magic Earth, wo ein vergessener Buchstabe zu einem nicht-gefundenen Ort führt.
- Echtzeit-Informationen aus der Community: Wer sich HERE WeGo herunterlädt, wird sofort gefragt, ob er selbst Informationen zur Verfügung stellen möchte. Hier sind Stau-Meldungen eine Grundfunktion.
- Offline-Karten: Genau wie bei Organic Maps lassen sich Karten paketweise herunterladen. Bayern kostet mich hier allerdings ganze 526 MB und ist damit deutlich größer als das der Konkurrenz.
- Eine App aus Europa: Nun ist Here WeGo kein Open-Source-Projekt, aber immerhin liegt die Datenhoheit nicht im Silicon Valley und das ist für das Projekt De-Googling schon einmal der wichtigste Schritt.
Was mir bei HERE WeGo fehlt:
- Datenschutz-Kompromiss: HERE ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. Es sammelt zwar deutlich weniger Daten als der Anzeigen-Verkäufer Google, aber die Anonymität ist nicht ganz so radikal wie beim
Sim-Karte wegwerfen
-Szenario von Organic Maps. - Proprietäre Software: Im Gegensatz zu Organic Maps aber ebenso wie Magic Earth ist HERE WeGo nicht Open-Source. Man muss dem Unternehmen also vertrauen, dass es mit den Daten verantwortungsvoll umgeht.
- Autofahrer-Fokus: Ich brauche Navigation meistens zu Fuß, bei HERE WeGo erwarte ich kleine Trampelpfade weniger.
HERE WeGo findet ihr im App Store und Google Play Store.
Fazit: Google Maps ist ein dicker Brocken, aber es gibt ein Leben danach
Hachja, Google Maps, du hast mich schon aus der ein oder anderen misslichen Lage befreit. Die Navi-App des Suchmaschinenriesen setzt bei mir den Standard.
Andererseits zeigt mein kleiner Überblick ja: Wenn es um Navigation geht, dann gibt es durchaus Alternativen. Und gerade auch speziell für Autofahrer gibt es interessante Navi-Apps jenseits von Google Maps.
Google Maps sofort zu löschen, das erscheint mir heikel – ein verpasster Bus in der falschen Situation kann eben doch unter Umständen zur Katastrophe führen. Ich werde die App wohl erst einmal pausieren und so meinem Autopilot im Kopf einen Riegel vorschieben. Welche der drei Apps sich dann bei mir durchsetzt, wird sich zeigen.
Aber ich bin zuversichtlich, bald sagen zu können: Google Maps, auf Nimmerwiedersehen!
Was denkt ihr darüber? Welche Google-Maps-Alternative benutzt ihr? Und kommt ihr nur mit einer einzigen zurecht oder habt ihr mehrere auf dem Handy für unterschiedliche Anwendungen? Schreibt uns eure Erfahrungen in die Kommentare!

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