Mein Kopf quillt regelmäßig über vor Gedanken, Ideen, und Impulsen. Um den Fokus zu behalten, schreibe ich daher regelmäßig alles auf, was im Oberstübchen herumschwirrt. Gerade bei Projekten liebe ich es, einfach drauflos zu kritzeln – und neue Ideen zu generieren.
Für solche Fälle greife ich dafür seit Jahren zum Remarkable 2, einem hauchdünnen E-Ink-Tablet mit Handschrifterkennung, Papiervorlagen und weiteren Vorzügen der Digitalität, das sich aber anfühlt und aussieht wie echtes Papier. Naja, zumindest kommt es dem Gefühl verdammt nahe.
Ab heute ist der offizielle Nachfolger des Remarkable 2 vorbestellbar: Das Remarkable Paper Pure ergänzt das Remarkable Paper Pro (mit beleuchtetem Farbdisplay) sowie das kleinere Remarkable Paper Pro Move (im Hosentaschenformat), verzichtet aber aber auf Beleuchtung und Farbbildschirm.
Ich hatte das Tablet nun zwei Wochen im Einsatz und habe alle Neuerungen ausprobiert.
Was ist das Remarkable Paper Pure und was ist neu?
Zeichnen, Schreiben und Skizzieren macht jede Menge Spaß – zahlreicher Werkzeuge und Gesten sei Dank.
Das neue Paper Pure
ein E-Ink-Tablet für handschriftliche Notizen, PDFs und E-Books. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Tablet bietet es keine Apps und somit keinerlei Ablenkungen, die heutzutage an jeder Ecke lauern.
Wie der Vorgänger setzt es auf ein 10,3-Zoll großes Schwarzweiß-Display, wurde aber technisch etwas aufgebohrt: die Latenz ist 10 Prozent geringer, Helligkeit und Kontrast 10 Prozent höher. Das fällt im Alltag aber kaum auf. Schon der Vorgänger bot ein nahezu verzögerungsfreies Schreiberlebnis.
Merklicher ist da schon der potentere Prozessor. Gesten werden nun zu etwa 50 Prozent schneller erfasst, was für ein noch flüssigeres Erlebnis beim Kopieren und Einfügen, Wechseln zu den Favoriten oder Bearbeiten von Skizzen sorgt.
Mit 6 Millimetern ist das Gehäuse zwar dicker als beim Remarkable 2, weshalb der große Wow
-Effekt beim Auspacken diesmal ausblieb. Dennoch wirkt es mit 360 Gramm weiterhin schlank und liegt hervorragend in der Hand – zumal es spürbar leichter ist als die Pro-Modelle oder mein 11 Zoll iPad Pro.
Ebenfalls cool: Das Tablet besteht zudem zu 38 Prozent aus recycelten Materialien und ist verschraubt statt verklebt, was Reparaturen erleichtern dürfte.
Davon abgesehen finden wir die interessantesten Neuerungen bei der Software, zu der ich gleich komme. Vorher noch ein Wort zum Preis.
Für 399 Euro bekommt ihr das Tablet direkt im Bundle mit dem Marker (allerdings ohne Radiergummi). Das ist zwar immer noch kein Schnäppchen, macht es aber zum bisher attraktivsten Einstieg in die Welt der Paper Tablets, auch wenn man auf eine Hintergrundbeleuchtung verzichten muss.
Darüber hinaus ist das Gerät im Bundle mit dem Marker Plus (mit Radiergummi) und einer Schutzhülle für 469 Euro erhältlich. Eine Hülle mit integrierter Tastatur wie beim Remarkable 2 gibt es allerdings nicht – und es bleibt unklar, ob sie je kommen wird.
Im folgenden Video seht ihr zwar das Paper Pro Move, bekommt aber einen besseren Eindruck von den Möglichkeiten des Tablets:
26:50
So funktioniert das Remarkable: Ein Einblick in das kleinere Schwestermodell (Paper Pro Move)
Die neuen Software-Features im Check
Remarkable startete damals mit einem radikalen Ansatz: Ein Tablet ohne Ablenkungen durch das Internet. Das bedeutete aber auch wenig Flexibilität im modernen Arbeitsalltag, wo eine Datei schnell mit Kollegen geteilt oder im gemeinsamen Cloud-Speicher abgelegt werden will.
Daher führte Remarkable mit der Zeit immer neue (Konnektivitäts)-Features wie das schnelle Senden per E-Mail, Speichern in Dropbox, Google Drive sowie Microsoft OneDrive oder die Bildschirmübertragung ein. Mittlerweile gibt es zudem zahlreiche Templates für alle möglichen Anwendungsfälle.
Mit dem Release des Paper Pure kommen weitere Funktionen hinzu. Die meisten konnte ich ausprobieren:
Meeting-Notizen per Fingertipp
Ihr könnt das Tablet mit Google Kalender oder Microsoft Outlook verknüpfen. Das Remarkable erkennt eure nächsten Termine und es genügt ein Tipp, um eine Vorlage mit allen relevanten Informationen zum Termin anzulegen und direkt handschriftliche Notizen zu machen.
Das klingt genial und spart etwas Zeit, ist aber für mich noch nicht zu Ende gedacht. Denn die Notiz wird leider (noch) nicht automatisch wieder an den Kalendereintrag im Google-Konto angehängt — das müsst ihr am Computer manuell machen.
Umwandeln und teilen mit KI
Im Teilen-Menü gibt es eine neue Funktion, die eure handschriftliche Notiz mithilfe von KI in Text umwandeln, Inhalte zusammenfassen und sogar To-dos vorschlagen kann.
In meinem Test war das allerdings hit or miss
. Die KI hat aktuell noch Probleme, meine Sauklaue adäquat zu erkennen. Wenn ich mir zur Schönschrift zwinge, klappt es deutlich besser.
Da ich im Eifer des Gefechts aber selten schön schreibe, ist die Funktion für mich persönlich leider noch nicht zu gebrauchen. Es ist aber zu erwarten, dass Remarkable hier mit der Zeit noch nachbessert.
Weiterer Wermutstropfen: Diese in Text umgewandelten KI-Notizen könnt ihr online lediglich in eurem Remarkable-Account einsehen, editieren und Aufgaben abhaken. Wer seine Todos in einer eigenen App pflegt, muss diese manuell übertragen.
Die normale Handschrifterkennung und -umwandlung funktioniert halbwegs gut, bei meiner Sauklaue aber bei weitem nicht perfekt.
Convert to Notebook
Importierte Dateien aus Word, Google Drive oder Dropbox werden direkt in das Remarkable-Format überführt und lassen sich bequem mit dem Stift bearbeiten. Das ist super für Korrekturlesen oder Annotieren von PDFs.
Zudem kann ich alle Dateien unabhängig von ihrem Ablageort an einem zentralen Ort auf meinem Remarkable einsehen. Sehr praktisch!
Ebenfalls cool: Mit der Chrome-Erweiterung Read on Remarkable kann ich PDFs oder Website-Artikel mit einem Klick auf meinen Remarkable senden und dort entspannt lesen und mir fokussiert Notizen machen. Eine Funktion, die ich sehr gerne nutze, um meinen Pile of Shame
an Artikeln abzuarbeiten.
Vor allem längere Artikel, Booklets oder Magazine lese ich bevorzugt auf dem E-Ink-Bildschirm des Remarkable – ohne blaues Licht und nervige Pop-ups. Das ist wunderbar entschleunigend.
Website-Artikel werden stets nahtlos auf das Gerät übertragen und sauber formatiert, lediglich Bilder, Social-Embeds oder Videos werden nicht übernommen. Zumindest bei den Bildern ist das schade, aber damit kann ich leben.
Miro- und Slack-Integration
Handschriftliche Skizzen könnt ihr jetzt direkt in Slack oder Miro teilen. Die KI wandelt sie im Hintergrund automatisch in eine Grafik um. Auf diese Weise könnt ihr in einem Miro-Board eure Brainstormings auf leichte Weise fortführen oder ergänzen, aber einzelne Bestandteile logischerweise nicht bearbeiten – das Embed verhält sich wie eine Bilddatei.
Trotz dieser Einschränkung ist das eine sinnvolle Ergänzung und zeigt, dass sich Remarkable mehr Diensten öffnet, die im Arbeitskontext für viele relevant sein dürften.
Und wer weiß, vielleicht kommt ja in Zukunft noch eine Verknüpfung mit Microsoft Teams, das wir täglich für die Kommunikation nutzen.
Features mit Connect
-Abo
Alle aufgelisteten neuen Funktionen sind für alle Remarkable-Tablets verfügbar und Teil des Connect
-Abos für 4 Euro pro Monat beziehungsweise 40 Euro pro Jahr. Abonnenten bekommen zudem unbegrenzten Cloud-Speicher. In der kostenlosen Variante, in der lediglich die Handschrifterkennung- und umwandlung sowie die Bildschirmübertragung enthalten sind, ist der Cloud-Speicher begrenzt.
Mein Fazit zum Remarkable Paper Pure
Die neuen Connect-Features sind ein Schritt in die richtige Richtung, auch wenn sie manchmal noch nicht zu Ende gedacht wirken. Dass ich eine Meeting-Notiz händisch an den Google-Kalendereintrag anheften muss? Sollte nicht sein.
Dennoch ist es schön zu sehen, dass Remarkable nicht stillsteht und sich der oft komplexen Arbeitsumgebung anpasst.
Das Tolle daran: Sämtliche Verknüpfungen sind rein optional und es gibt weiterhin keine Ablenkungen. Wie auf echtem Papier eben, nur mit den Vorzügen der digitalen Vernetzung.
Für die meisten Nutzer dürfte das Paper Pure das interessanteste Modell der Reihe sein. Die Änderungen im Vergleich zum Vorgänger mögen subtil erscheinen, doch ich finde, es liegt noch etwas besser in der Hand und der Prozessor reagiert noch etwas schneller, was beim schnellen Wechseln zwischen Notizen hilft.
400 Euro inklusive Marker sind zwar immer noch rund 50 Euro von dem Preis entfernt, den ich mir gewünscht hätte, doch am Ende müsst ihr selber entscheiden, ob es euch das wert ist, zumal für die meisten Features noch das Abo dazukommt (auf das ich persönlich verzichten könnte).
Am Emde ist das Remarkable ein hochspezialisiertes Werkzeug für alle, die dem digitalen Chaos entfliehen wollen, ohne den Anschluss an ihre Cloud-Workflows zu verlieren.
Sollte euch eine Tastatur wichtig sein, lohnt es sich hingegen dennoch, sich das ältere Remarkable 2 anzuschauen, das immer noch ein fantastisches Tablet ist:
Das Remarkable 2 ist für meinen Kollegen Patrick das beste Gadget überhaupt
Obwohl ich das Remarkable für die Arbeit liebe, greife ich für mein privates Journaling immer noch gerne zu echtem Papier. Aber für alles andere, von der Monatsplanung bis zum Brainstorming, ist das Pure unschlagbar effizient.
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