Dolby Atmos ist einer der meistverwendeten Marketingbegriffe im TV-Hifibereich. Gefühlt wirbt jede Soundbar damit.
Ich muss zugeben: Sie haben mich gekriegt mit ihrem Marketing! Also habe ich mir selbst ein solches System gegönnt, dabei aber blöde Anfängerfehler gemacht, die ich mit euch teilen möchte. Dolby Atmos ist eine feine Sache, allerdings mitunter schwer umzusetzen.
Erste Enttäuschung mit der Soundbar
Vor einigen Jahren hatte ich bereits eine Soundbar mit Dolby Atmos im Einsatz. Doch das virtuelle Dolby Atmos funktionierte im Wohnzimmer meiner damaligen Wohnung überhaupt nicht. Der Schall reflektierte nicht so, dass ich Geräusche von oben hören könnte.
Da ich generell kein großer Fan von Soundbars und virtuellem Surround-Sound bin, war mein Versuch in dieser Richtung eher kurzlebig.
Versteht mich aber nicht falsch: Natürlich gibt es hochwertige Soundbars, die einen annehmbaren Klang liefern. Mein damaliges Modell kostete 2020 bereits 400 Euro, was in meinen Augen viel Geld ist.
Allerdings hätte meine ehemalige, deutlich günstigere Retro-Stereoanlage mit Standlautsprechern aus dem Gebrauchtladen sie mit einem müden Lächeln an die Wand gespielt. Die Soundbar liegt mittlerweile unter einem Fernseher im Gästezimmer und fristet dort ein einsames Dasein.
Ein neuer Versuch: 5.1-System mit Dolby Atmos
Trotz der negativen Erfahrung war das Thema Dolby Atmos für mich noch nicht erledigt. 2022 entschloss ich mich, mir ein klassisches 5.1-Surround-System samt Verstärker zuzulegen und natürlich bestellte ich zwei Dolby Atmos-Lautsprecher mit.
Voller Vorfreude baute ich alles auf, nahm die Einmessung vor – und war schnell enttäuscht. Ich hatte einige Wochen zuvor bei einer Dolby Atmos-Vorführung in Top Gun Maverick reingeschaut respektive reingehört und war beeindruckt von den Jets, die über meinen Kopf flogen.
Tja, in meinem Wohnzimmer flogen die Jets nicht über meinem Kopf, sondern – na ja, irgendwo im Raum. Ich hätte mich vorher mehr mit der Materie beschäftigen sollen, aber jetzt kann ich wenigstens meine Erfahrungen teilen, damit ihr nicht die gleichen Fehler macht.
Die Herausforderungen der Aufstellung
Mein Wohnzimmer ist ziemlich klein. Die Dolby Atmos-Lautsprecher hätte ich unter die Decke hängen können, aber laut Hersteller funktionieren sie auch im Up-Firing-Modus – und genau so habe ich sie verwendet.
Das Problem: In meinem Fall überschneiden sich die Schallwellen der Standlautsprecher und der Up-Firing-Lautsprecher.
Das Resultat: ein diffuser Klang ohne klare Position. Zudem ist es in einem kleinen Raum wie meinem ohnehin etwas problematisch, da die Schallwellen schneller reflektieren und mitunter weniger präzise ankommen. Das verfälscht zusätzlich den Surround-Effekt.
Die Limitierungen der Up-Firing-Technologie
Ja, ich könnte ich die Atmos-Lautsprecher an die Decke schrauben. Dann würde der Sound von oben vielleicht tatsächlich besser zur Geltung kommen.
Doch das ist eine optische Herausforderung, vor allem für meine bessere Hälfte: Lautsprecher und Kabelkanäle an Decke und Wand sehen nicht besonders hübsch aus.
Wenn ihr also wenig Platz oder keine gute Raumaufteilung habt, kann ich euch die Up-Firing-Variante nicht empfehlen. Bei meiner Konfiguration war das Ergebnis nicht das, was ich mir erhofft hatte.
Was kann ich euch empfehlen? Aus meiner Sicht habt ihr nur wenige Möglichkeiten:
- Ihr versucht, euren Raum so gestalten, dass die Schallwellen der Dolby Atmos-Lautsprecher ungehindert zu eurem Sitzplatz gelangen, in dem ihr eventuell störende Gegenstände oder Pflanzen weggestellt.
- Ihr setzt auf ein Front-System, das zur Raumgröße passt und versucht, die Schallwellen der vorderen, seitlichen Lautsprecher von denen der Up-Firing-Speaker zu trennen, indem ihr vielleicht deren Abstand zueinander vergrößert.
- Ihr montiert die Dolby Atmos-Lautsprecher direkt an der Decke und umgeht das Up-Firing-System.
Dolby Atmos: Faszinierend, aber schwer umzusetzen
Trotz meiner Enttäuschung bleibt Dolby Atmos für mich nach wie vor faszinierend. Wer schon einmal in einem gut ausgestatteten Kino mit entsprechender Technik Filme gesehen hat, weiß, wie beeindruckend der Sound dort sein kann.
Aber das Ganze zu Hause im eigenen Wohnzimmer zu realisieren, ist alles andere als einfach. Es erfordert eine sorgfältige Planung und eine realistische Einschätzung der Machbarkeit.
Wer ein Wohnzimmer mit hohen Decken hat oder gar keinen Neubau plant, der hat es hier zumindest etwas einfacher. Entweder man plant ein entsprechendes System direkt beim Bau eines Hauses oder aber man könnte die Decke abhängen und die oberen Lautsprecher direkt in diese integrieren – das sieht dann auch optisch gut aus, ist aber gerade bei Mietwohnungen nicht immer realisierbar.
Ansonsten könnt ihr die Lautsprecher natürlich auch sichtbar unter der Decke montieren, wenn euch der Anblick nicht stört.
3:21
Soundbars: So forscht Samsung in Kalifornien am Klang
Wenn das nicht geht, dann könnt ihr eben versuchen, die Schallwellen zu lenken und zu versuchen, eine Überschneidung dieser durch das Umplatzieren oder vielleicht auch Neigen der Lautsprecher zu umgehen.
Davon abgesehen benötigt ihr für Dolby Atmos in jedem Fall einen kompatiblen AV-Receiver, wenn ihr Dolby Atmos physikalisch und nicht virtuell realisieren möchtet. Hierbei müsst ihr zusätzlich darauf achten, wie viel Kanäle der Receiver hat. Meiner unterstützt beispielsweise nur zwei obere Dolby Atmos-Lautsprecher.
Wollt ihr hingegen vier oder mehr installieren, dann muss das Gerät entsprechend viele Kanäle besitzen. Es bietet sich zudem an, Lautsprecher des gleichen Systems zu verwenden. Damit passen sie einerseits optisch zueinander. Andererseits werden die Lautsprecher-Systeme in der Regel so entwickelt, dass sie möglichst gut miteinander harmonieren und zusammenspielen. Ein Muss ist das aber nicht.
Der Raum: Eine entscheidende Rolle für den Klang
Selbst für ein normales
Surround-System ohne Dolby Atmos ist mein Raum nicht ideal. Mein Sofa steht direkt an der hinteren Wand, und es ist fast so breit wie das Wohnzimmer selbst.
Die Rear-Speaker sind zwar an den seitlichen Wänden schräg hinter mir montiert, aber sie sitzen eigentlich viel nah am Sofa.
Idealerweise sollten die Rear-Speaker einen Abstand von einem bis zwei Metern zu der Sitzposition haben. Das ist bei mir nicht machbar.
Durch das Einmessen der Anlage konnte ich den Surround-Sound zwar etwas optimieren, aber perfekt ist er bei Weitem nicht.
Fazit: Handelt nicht vorschnell
Mein Tipp lautet: Wenn ihr euch ein Dolby Atmos-System zulegen möchtet, klickt nicht wie ich vorschnell auf den Bestellknopf, sondern lest euch ins Thema ein und lasst euch am besten in einem Fachgeschäft beraten, welches Surround-System bei euch machbar wäre.
Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass auch ein einfaches 5.1-System richtig Spaß macht und euch bei Filmen sowie Spielen mitten ins Geschehen zieht – ganz ohne Dolby Atmos. Und falls ihr den Platz habt, macht ein 7.1-System natürlich nochmals mehr Freude. Dafür habe ich aber leider keinen Platz.
Habt ihr gar keinen Platz für ein Lautsprecher-System? Auch virtuelles Dolby Atmos mithilfe einer Soundbar kann funktionieren und gut klingen. Dabei kommt es aber, wie erwähnt, sehr stark auf die räumlichen Gegebenheiten an.
Dennoch wäre das natürlich eine Alternative für euch, zudem sind entsprechende Soundbars häufig auch günstiger als ein komplettes System aus Lautsprechern und Verstärker.
Wie steht ihr zum Thema Dolby Atmos? Nutzt ihr eine Soundbar mit dieser Technik oder habt ihr ein »richtiges« Dolby Atmos-Lautsprecher-System? Wie sind eure Erfahrungen damit? War es leicht umzusetzen oder seid ihr auf Probleme gestoßen? Teilt uns eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.



Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.