Jedes E-Auto enthält eine klassische Autobatterie: Darum ist das wichtig

Wir erklären euch, wieso unter der Motorhaube eures elektrischen Wagens noch immer ein klassischer Akku werkelt.

Hochmodern und komplett elektrisch: Jedes E-Auto ist auf zwei Batterien angewiesen. (Bildquelle: AI-Pixel - adobe.stock.com) Hochmodern und komplett elektrisch: Jedes E-Auto ist auf zwei Batterien angewiesen. (Bildquelle: AI-Pixel - adobe.stock.com)

Ein E-Auto wird mit einer großen Traktionsbatterie betrieben. Diese versorgt das Auto mit sämtlichem Strom, den es benötigt – so die landläufige Meinung, doch wer unter die Motorhaube seines E-Autos schaut, könnte eine Überraschung erleben.

Wie vom Verbrenner gewohnt, sitzt dort eine klassische 12-Volt-Autobatterie. Keine besondere, sondern fast immer der sehr günstige Blei-Säure-Akkumulator (im Porsche Taycan wegen des geringeren Gewichts eine Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie und die jüngsten Tesla steigen allmählich auf Lithium-Ionen-Batterien um). Auf den ersten Blick mag das absurd scheinen, aber soviel vorweg: Ohne ihn läuft das E-Auto nicht.

Hochspannung und Niedrigspannung

Der Grund für den Blei-Säure-Akku ist die Stromspannung: Der Antrieb des E-Autos läuft über die Traktionsbatterie, die 400 Volt (800 Volt beim Porsche Taycan) liefert. Folgende Systeme, als Beispiele, aber brauchen Niedrigspannung:

  • Batterie-Management, somit indirekt die Zündung
  • ABS, Airbags, Bremskraftverstärker und andere Sicherheitsfunktionen
  • Bord-Elektronik, wie Radio, Navigationsgerät, Instrumente und Lautsprecher
  • Lichter
  • Scheibenwischer
  • Zentralverriegelung

Unverzichtbar bis heute: Der 12-Volt-Blei-Säure-Akkumulator. Ohne ihn läuft auch im E-Auto nichts. (Bildquelle: abu - adobe.stock.com) Unverzichtbar bis heute: Der 12-Volt-Blei-Säure-Akkumulator. Ohne ihn läuft auch im E-Auto nichts. (Bildquelle: abu - adobe.stock.com)

Diese Systeme wurden über viele Jahrzehnte hinweg entwickelt und in den bewährten Zustand gebracht sowie als Massenware produziert. Kein E-Auto-Bauer will sich einen neuen Entwurf des Radios antun, um diesen auf Hochspannung zu trimmen. Hinzu kommt die Redundanz, die mit dieser Pufferbatterie gegeben ist: Wenn der Motor ausgeschaltet wird und somit auch die Traktionsbatterie, dann versorgt der Blei-Säure-Akku noch immer seine Systeme, wie die Servo-Lenkung, damit das Auto lenkbar bleibt.

Ein Verschleißteil mehr

Alt trifft neu: Auch unter dieser Motorhaube verrichtet eine klassische Autobatterie ihren Dienst. (Bildquelle: Tomasz - adobe.stock.com) Alt trifft neu: Auch unter dieser Motorhaube verrichtet eine klassische Autobatterie ihren Dienst. (Bildquelle: Tomasz - adobe.stock.com)

Das Problem dieses zusätzlichen Bauteils liegt auf der Hand: ein Verschleißteil mehr und ein zentrales noch dazu.

  • Fall 1 – Bei Tesla wird Strom von der Hochspannungsbatterie über den Gleichstromwandler in den Niedrigspannungsakkumulator geleitet. Sogar, wenn ihr das Auto parkt und abschaltet, denn ein Tesla ist nie wirklich ausgeschaltet. Der Wächter-Modus kann aktiviert bleiben und zieht entsprechend Energie. Auch er braucht Niedrigspannung, wird daher über die 12-Volt-Batterie gespeist – die wiederum nicht leerlaufen soll und daher konstant Strom aus der Traktionsbatterie entnimmt. Aus diesem Grund existiert der berüchtigte Vampir-Effekt bei Tesla-Autos. Die Batterie wird nämlich, trotz Parkens, geleert. Rund 3 Prozent kann das über Nacht verbrauchen.
  • Fall 2 – Die 12-Volt-Batterie wird nicht ständig versorgt und entlädt sich somit im Stillstand langsam. Das trifft auf viele E-Autos zu, weswegen ein Blick ins Benutzerhandbuch reicht, um herauszufinden, wie lange man den Wagen höchstens stehen lassen darf, bevor es kritisch wird. Ihr müsst also darauf achten, euer E-Auto regelmäßig zu starten, andernfalls kann es zur Tiefentladung der 12-Volt-Batterie kommen. Sie lässt sich zwar retten, aber einen bleibenden Schaden mit Auswirkungen auf die Kapazität müsst ihr dann hinnehmen.

Übrigens: Ihr könnt nicht mit jedem E-Auto einem anderen E-Auto oder Verbrenner Starthilfe geben. Umgekehrt ist es noch selten möglich. Das hängt vom Hersteller und Modell ab. Schaut in die Betriebsanleitung, um es herauszufinden und zu sehen, wo in eurem E-Auto eigentlich der Akku samt Klemmpunkten sitzt.

Wie ihr sehen könnt, hat die 12-Volt-Batterie durchaus ihre Berechtigung im E-Auto. Es klingt zwar zuerst nach einem schlechten Scherz, dass eine solche vorhanden ist, weil immer nur über die große Traktionsbatterie gesprochen wird, aber die Wagen brauchen diesen Blei-Säure-Akku ebenso sehr, wie die Verbrenner, nur eben in kleinerer Form.

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