Mein nächstes E-Auto soll Geld verdienen, während es in der Garage steht: Darum wird V2G jetzt endlich spannend

Nach Jahren der Entwicklung kommt Vehicle-to-Grid endlich in Deutschland an. Ich erkläre, warum das für mich das spannendste E-Auto-Feature ist und wo der Haken liegt.

E-Autos, die in der Garage stehen, können Geld verdienen – und 2026 ist das normaler geworden denn je. E-Autos, die in der Garage stehen, können Geld verdienen – und 2026 ist das normaler geworden denn je.

Mein Kollege Mirco hat vor ein paar Wochen im Kia EV5 übernachtet, inklusive Grill, Kaffeemaschine und Beamer an Bord. Echtes Luxus-Camping also, angetrieben nur durch die Autobatterie. Das Konzept dafür nennt sich Vehicle-to-Load. Aber was wäre, wenn man den E-Auto-Akku auch nutzen könnte, während das Fahrzeug in der Garage steht?

Genau das soll Vehicle-to-Grid jetzt für Privatkunden in Deutschland möglich machen.

Die Idee ist endlich im Handel angekommen

Erst einmal zur Klarstellung: Vehicle-to-Grid, kurz V2G, bedeutet, dass E‑Autos nicht nur an einer Wallbox geladen werden, sondern bei Bedarf auch Strom ins Netz einspeisen können. So eine Funktion könnte unter anderem dazu beitragen, Energieengpässe bei erneuerbaren Energien auszugleichen und das Stromnetz deutschlandweit zu stabilisieren.

Die Idee geistert seit Jahren durch Fachartikel und Pilotprojekte. Interessant wurde sie in Deutschland aber erst zum Jahreswechsel: Seitdem wird zwischengespeicherter Strom nämlich nicht mehr mit doppelten Netzentgelten belastet. Die alte Regelung hatte V2G hierzulande bis dahin wirtschaftlich blockiert. Bereits im Februar brachten BMW und E.ON eines der ersten V2G-Pakete für den iX3 auf den Markt.

BMW und E.ON bieten seit Februar ein V2G-Paket für den iX3 an. Quelle: BMW Group BMW und E.ON bieten seit Februar ein V2G-Paket für den iX3 an. Quelle: BMW Group

Da das BMW-Angebot aber nur mit Modellen der Neuen Klasse funktioniert, ist es vor allem für Neuwagenkäufer gedacht. Richtig spannend für den Massenmarkt wird es erst jetzt: Zum vierten Quartal zieht VW mit seiner Energietochter Elli nach, und deren Angebot richtet sich auch an Autos, die längst auf der Straße sind. Laut Volkswagen sind allein in Deutschland rund 360.000 E-Autos von VW und Cupra technisch dazu fähig bidirektional zu laden.

Geld mit dem E-Auto in der Garage verdienen

Das Prinzip ist dabei denkbar simpel: Anstatt meist nur ungenutzt in der Garage zu stehen, arbeitet der E-Auto-Akku in dieser Zeit. Er lädt immer dann, wenn Strom billig ist, und speist ihn ins Netz zurück, wenn er gebraucht wird. Das Ganze wird smart von einer App im Hintergrund gesteuert und erfordert kaum menschliches Eingreifen.

Bezahlt wird für die Zeit, in der das Auto an die Wallbox angeschlossen ist. Bei BMW und E.ON sind es beispielsweise 24 Cent pro Stunde, gedeckelt auf 720 Euro im Jahr. Bei Elli sind es im ersten Vertragsjahr ebenfalls bis zu 720 Euro. Das reicht dem Unternehmen zufolge aus, um bis zu 15.500 Kilometer Fahrstrom zu finanzieren.

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Hier hakt es bei V2G heute noch

Meine größte Sorge war immer der Akku: Schließlich haben wir schon mit unseren ersten Smartphones gelernt, dass ständiges Auf- und Entladen den Verschleiß beschleunigt. Grundsätzlich ist diese Sorge auch berechtigt, doch eine Studie von The Mobility House und RWTH Aachen kommt zu einem beruhigenden Ergebnis: Ihr zufolge kostet die Nutzung von V2G nach zehn Jahren je nach Zelltyp zusätzlich 0,9 bis 3,1 kWh Kapazität, also nur etwa 6 bis 19 Kilometer Reichweite.

Die größte Hürde für die Verbreitung von V2G in Deutschland könnte viel eher in den hohen Preisen für bidirektionale DC‑Wallboxen liegen. Elli hat den Preis für seine Wallbox bis heute nicht genannt und bei der Konkurrenz geht es laut ADAC ab 2.095 Euro los. Außerdem hinkt Deutschland beim Smart Meter ziemlich hinterher. Mitte 2026 verfügten erst 5,9 Prozent aller Messlokationen über intelligente Messsysteme, die für V2G benötigt werden.

Auf einen schleppenden Rollout müsst ihr aber zum Glück nicht warten: Auf Wunsch muss der Messstellenbetreiber den Smart Meter nämlich innerhalb von vier Monaten einbauen. Wer V2G in Zukunft nutzen möchte, sollte ihn also frühzeitig bestellen. Und sollte es mit dem bidirektionalen Laden noch dauern, kann sich der Zähler schon jetzt für einen dynamischen Stromtarif lohnen.

Fazit: Beim E-Auto solltet ihr in Zukunft nicht nur die Reichweite vergleichen

Trotz erster Fortschritte wäre es wohl naiv zu glauben, dass 2027 schon ein Großteil der E-Auto-Besitzer:innen mit V2G Geld verdient. Gleichzeitig ist das Potenzial nicht zu verkennen: Die meisten E-Auto-Akkus sind um ein Vielfaches größer als typische Heimspeicher und es wäre für die Zukunft schlicht verschwenderisch, diese Kapazitäten ungenutzt zu lassen.

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Mein E-Auto nur für V2G zu wechseln, kommt für mich trotzdem nicht in Frage. Beim Nächsten ist bidirektionales Laden aber ein Muss, und den Smart Meter dafür habe ich schon bestellt.

Bei der Wallbox will ich hingegen warten, bis die Preise klarer sind, und rechne dann noch einmal genau nach. Denn beispielsweise der Elli-Bonus von bis zu 720 Euro ist bisher nur fürs erste Vertragsjahr zugesagt und wird nicht ausgezahlt, sondern mit der Stromrechnung verrechnet. Wer bald neu kaufen will, sollte meiner Meinung nach auf jeden Fall prüfen, ob das neue Fahrzeug auch V2G-fähig ist.


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