Ich bin zum 1. Mal E-Auto gefahren: Auf diese 6 Dinge will ich nie mehr verzichten

Ich bin für zwei Wochen von meinem Benziner zum E-Auto umgestiegen und würde am liebsten nie wieder zurück – aus folgenden Gründen.

Mein 1. Mal E-Auto: Ich bin zwei Wochen lang einen KIA EV3 gefahren. (Bildquelle: GameStar Tech) Mein 1. Mal E-Auto: Ich bin zwei Wochen lang einen KIA EV3 gefahren. (Bildquelle: GameStar Tech)

Nach über 16 Jahren mit einem Verbrenner bin ich zum ersten Mal E-Auto gefahren – und das hat mich komplett verdorben.

In meinem Umfeld sind bereits die ersten auf einen Stromer umgestiegen. Niemand von ihnen hat es bereut. Daher war ich neugierig und habe für zwei Wochen meinen Skoda Octavia RS gegen einen Kia EV3 getauscht, den mir der Hersteller für diesen Test geliehen hat.

Und was soll ich sagen? Ich würde am liebsten nie wieder zurück.

Nach nur 14 Tagen habe ich mich so sehr an das elektrische Fahren gewöhnt, dass sich mein Verbrenner plötzlich wie ein Relikt aus einer anderen Epoche anfühlt.

Nachdem ich in meinem ersten Bericht zum großen Elektro-Experiment noch über das größte Hindernis der E-Mobilität geschimpft habe, folgt heute der Kontrast. Denn so sehr mich das System drumherum nervt, so sehr hat mich die Technik des Autos selbst überzeugt.

Hier sind die sechs Dinge, die ich nach zwei Wochen Elektro-Alltag bei meinem Verbrenner nun schmerzlich vermisse.

1. Das Fahrgefühl: Stille trifft auf pure Geschmeidigkeit

Das lautlose Gleiten war für mich der größte Aha-Moment. Wer jahrelang Verbrenner fährt, nimmt Vibrationen und Motorengeräusche als festen Bestandteil des Fahrens wahr. Entweder man liebt das Röhren des Motors – oder man blendet es irgendwann einfach aus.

Ich erinnere mich noch gut daran, warum ich mir damals den Octavia RS gekauft habe: Ich wollte sportliches Fahren, dieses mechanische Feedback, und ich bekam ein breites Grinsen, wenn der Turbolader pfiff.

Doch man wird mit der Zeit gelassener (vielleicht liegt's auch am Alter, seufz). Inzwischen aktiviere ich auch im Octavia oft den Eco-Modus und cruise mit brav 125 km/h über die Autobahn.

Erst als die Motorgeräusche im Kia plötzlich komplett weg waren, merkte ich, wie anstrengend diese permanente Hintergrundkulisse eigentlich ist.

Aber es ist nicht nur die Stille – es ist diese unfassbare Geschmeidigkeit. Es gibt kein Ruckeln beim Gangwechsel, kein kurzes Zögern beim Gasgeben. Alles fließt.

Die Stille beim Fahren lässt sich nur schwer auf einem Bild festhalten. Daher hier ein Bild mit ähnlich neruhigender Wirkung: Der KIA bei Dämmerung nahe einer Apfelplantage. Die Stille beim Fahren lässt sich nur schwer auf einem Bild festhalten. Daher hier ein Bild mit ähnlich neruhigender Wirkung: Der KIA bei Dämmerung nahe einer Apfelplantage.

Es beginnt schon in der Garage. Wenn ich den Startknopf drücke, passiert... nichts. Kein Anlasser-Gurgeln, kein kurzes Aufheulen des Motors, kein Benzingeruch, der sich in der Garage festsetzt. Das Auto ist einfach da.

Beim Fahren setzt sich diese Ruhe fort. Außer dem Abrollgeräusch der Reifen und dem dezenten Surren, das Fußgänger warnen soll, hört und spürt man absolut nichts Mechanisches mehr.

Dasselbe an der Ampel. Da vibriert kein Lenkrad, da schüttelt sich kein Motor im Kaltstart. Dieses völlig lautlose, butterweiche Dahingleiten ist unbeschreiblich entspannend und macht auf eine ganz neue Art Spaß. Man steigt nach einer Stunde Fahrt einfach frischer aus dem Auto.

2. Die Magie des Ein-Pedal-Fahrens (Rekuperation)

Das Thema Rekuperation war für mich anfangs die größte Umstellung, denn so etwas gibt es in der Verbrenner-Welt schlichtweg nicht.

Vereinfacht gesagt: Sobald man den Fuß vom Gas nimmt, schaltet der Elektromotor in den Generator-Modus. Er verzögert das Auto spürbar und wandelt die Bewegungsenergie wieder in Strom um, der direkt zurück in den Akku fließt.

Schon nach der zweiten Fahrt habe ich dieses automatische Bremsen lieben gelernt. Es ist ein unheimlich befriedigendes Gefühl, im Cockpit live zu sehen, wie der Wagen beim Verzögern Energie zurückgewinnt.

Vor allem im Stadtverkehr macht das E-Autos so viel effizienter als jeden Verbrenner, der diese Energie beim Bremsen einfach als nutzlose Hitze an den Scheiben verpuffen lässt.

Das Besondere beim Kia EV3: Die Rekuperation lässt sich extrem feinfühlig anpassen. Über Wippen am Lenkrad wählt man zwischen drei Intensitätsstufen oder nutzt den genialen Auto-Modus.

Beim Kia EV3 kann ich die Rekuperation in mehreren Stufen mit den Wippen am Lenkrad einstellen. Beim Kia EV3 kann ich die Rekuperation in mehreren Stufen mit den Wippen am Lenkrad einstellen.

In diesem Modus scannt der Kia den Verkehr per Radar: Ist die Straße vor mir frei, lässt er mich segeln – exakt so, wie ich es von meinem Octavia im Eco-Modus kenne. Registriert das System jedoch einen Vordermann, verzögert der Wagen ganz sanft und völlig automatisch, sobald ich vom Gas gehe.

Darüber hinaus kann man das i-Pedal aktivieren und nur noch mit einer Pedale fahren. Der Wagen rekuperiert dann so stark, dass er bis zum kompletten Stillstand abbremst. Ich fahre also nur noch mit dem rechten Fuß. Ein Komfort, den man nicht unbedingt braucht, den ich aber auf jeden Fall vermisst habe, als ich wieder zum Octavia wechselte.

Hinweis von anderen E-Fahrern: Man muss sich tatsächlich zwingen, ab und zu mal wieder »analog« so richtig in die Eisen zu steigen. Da man fast nur noch elektrisch bremst, werden die mechanischen Bremsen kaum gefordert und können korrodieren – ein Punkt, auf den der TÜV bei E-Autos besonders achtet.

Und apropos Batterie aufladen: In welchem Zustand ist eigentlich eine E-Auto-Batterie nach neun Jahren? Das überraschende Ergebnis verrät euch Vera in diesem Video:

Video starten 1:38 Wie fit ist der Akku von einem 9 Jahre alten E-Auto?

3. Immer das volle Drehmoment: Bye-bye, Gedenksekunde

In Punkt 1 ging es um die Stille, aber dieser Punkt hier widmet sich der reinen Physik. Ich liebe meinen Octavia RS, aber selbst mit seinem eigentlich flinken DSG-Getriebe hat er eine systembedingte Schwäche: die berüchtigte Gedenksekunde.

Wenn ich aufs Gas trete, muss der Turbo erst Druck aufbauen, das Getriebe den passenden Gang sortieren – und erst dann geht es vorwärts.

Im E-Auto ist diese Verzögerung Geschichte. Die Kraft ist sofort da. Das ist auch der Grund, warum man sich um ein Wettrennen nach dem besten Start an der Ampel nie mit einem E-Auto einlassen sollte.

Warum ist das so? Während ein Verbrenner erst Drehzahl braucht, um Kraft zu entfalten, liefert ein Elektromotor ab der ersten Umdrehung 100 Prozent seines Drehmoments. Da zudem kein Schaltgetriebe Gänge sortieren muss, wird der Befehl des Fußes ohne mechanische Umwege sofort in Vortrieb umgesetzt.

In der Tech- und Gaming-Welt würde man sagen: Die Latenz ist bei Null.

4. Vorklimatisierung: Wohlfühltemperatur beim Einsteigen

Glücklicherweise habe ich eine Garage und mein Octavia besitzt eine beheizbare Frontscheibe – das klassische Eiskratzen ist für mich also kein Thema. Und trotzdem ist die Vorklimatisierung im E-Auto ein massiver Komfortgewinn, den ich völlig unterschätzt habe.

In der Garage ist es im Winter (und selbst jetzt im April) zwar frostfrei, aber eben trotzdem verdammt kalt. Wer einen Verbrenner fährt, kennt das Prozedere: Man steigt ein, schaltet die Sitzheizung ein und wartet, bis es (auch dank der Klimaanlage) angenehm warm wird.

Das Problem: Die Sitzheizung wird zwar schnell warm, aber die Luft im Innenraum bleibt kühl, bis der Motor nach einigen Kilometern endlich genug Abwärme produziert, um den Innenraum aufzuheizen. Mein Octavia hat zudem keine Lenkradheizung – die Finger bleiben also erst mal steif.

Bei E-Autos wie dem Kia EV3 reicht ein Klick in der App (oder das Einstellen eines Timers für die Abfahrtszeit), und das Problem ist gelöst. Da die Heizung rein elektrisch läuft, muss kein Motor warm laufen. Wenn ich einsteige, ist nicht nur der Fahrersitz warm, sondern der gesamte Innenraum perfekt auf 21 Grad geheizt.

In der Kia-Connect-App kann ich unter anderem einstellen, zu welcher Uhrzeit das Auto welche Temperatur im Innenraum haben soll. In der Kia-Connect-App kann ich unter anderem einstellen, zu welcher Uhrzeit das Auto welche Temperatur im Innenraum haben soll.

Wenn man das einmal erlebt hat, möchte man nicht mehr zurück. Es betrifft eben nicht nur die haptischen Kontaktpunkte wie den Sitz, sondern das gesamte Klima – was vor allem auch die Passagiere auf der Rückbank freut.

5. Der Frunk: 2. Kofferraum unter der Motorhaube

Was ein Verbrenner niemals haben wird, ist der Frunk (Front Trunk) – ein kleiner Zusatz-Kofferraum unter der Motorhaube. Denn darunter verbirgt sich beim E-Auto ja kein Motor.

Allerdings haben auch bei Weitem nicht alle E-Autos diesen Stauraum. Der Kia EV3 aber schon – mit etwa 25 Liter Volumen.

Der »Frunk« im Kia ist nicht riesig, aber groß genug für Flaschen, Erste-Hilfe-Set oder Ladekabel. Der »Frunk« im Kia ist nicht riesig, aber groß genug für Flaschen, Erste-Hilfe-Set oder Ladekabel.

Das ist nicht die Welt, aber genügend Platz für das Ladekabel, ein paar Schuhe, Decken fürs Camping oder Autoputzmittel. Eben alles, wo man immer wieder mal ran muss.

Der Clou ist nämlich der: Wenn ich auf Reisen bin und der hintere Kofferraum bis unters Dach vollgepackt ist, muss ich nicht das gesamte Gepäck ausräumen, nur um an das Ladekabel zu kommen. Ein Griff unter die Haube genügt.

Es gibt jedoch E-Autos mit deutlich mehr Stauraum unter der Haube. Der größere Kia EV9 kommt auf 90 Liter, ein Tesla Model Y sogar auf 117 Liter. Damit passen dann sogar Handgepäckkoffer problemlos in den Frunk.

6. Das Auto als mobile Powerbank: Freiheit dank Vehicle-to-Load (V2L)

Handys oder Laptops im Auto aufladen? Das ist auch bei Verbrennern kein Problem – entweder über den Zigarettenanzünder, USB(-C) oder direkt über den 230V-Anschluss. Letzterer ist jedoch bei meinem Octavia auf 150 Watt begrenzt und eignet sich somit eher für Kleingeräte.

Einige E-Autos wie der Kia EV3 spielen dagegen mit dem sogenannten Vehicle-to-Load (V2L) in einer ganz anderen Liga. Hier sprechen wir von einer Leistung von bis zu 3.600 Watt.

Das Auto verwandelt sich zu einer gigantischen Powerbank, die selbst stromhungrige Geräte problemlos versorgt. Das reicht locker für eine elektrische Kochstelle oder einen Elektrogrill, eine Kaffeemaschine oder gar ein E-Bike.

Ebenso ein Vorteil: vom E-Auto Der Motor muss nicht laufen und ich muss mir keine Sorgen machen, dass im Stand der 12V-Starterbatterie der Saft ausgeht.

Zugegeben, ich selbst nutze diese praktische Funktion eher selten. Doch gerade für Leute, die im Auto arbeiten oder campen wollen, ist das ein echter Gamechanger.

Mein Fazit: Ich bin angetan

Tja, das waren sechs Dinge, auf die ich am liebsten nicht mehr verzichten möchte, aber muss – denn der Kia EV3 ist längst wieder beim Hersteller. Seitdem ich den Wagen abgegeben habe, vermisse ich das lautlose Schweben, die sofortige Kraft und die smarte Rekuperation bei jedem einzelnen Kilometer, den ich jetzt wieder analog zurücklege.

Für mich steht nach diesem Experiment fest: Mein nächster Privatwagen wird ein Stromer. Denn meine größten Vorurteile – geringe Reichweite, Zwangsladepausen, langsames Laden – sind ausgeräumt. Mehr dazu aber in einem anderen Artikel. In den nächsten Wochen dürft ihr noch einige weitere Texte zu meiner Reise mit dem E-Auto erwarten.

Jetzt seid ihr dran: Welche dieser Features findet ihr super – oder gibt es etwas anderes, was euch an E-Autos reizt? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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