Ein neues Smartphone beweist mir, dass Outdoor-Handys auch richtig stylisch sein können

Das neue Doogee Blade GT Pro ein spannendes, leuchtendes Outdoor-Spielzeug. Allerdings müssten Käufer mit einigen größeren Kompromissen leben.

Das Blade GT Pro von Doogee bietet sogar einen extra Unterwassermodus für die Kamera. (Bildquelle: Ron Dale von Adobe.Stock GameStar Tech) Das Blade GT Pro von Doogee bietet sogar einen extra Unterwassermodus für die Kamera. (Bildquelle: Ron Dale von Adobe.Stock / GameStar Tech)

Vor einigen Tagen kam ein neues Handy bei mir an – das Doogee Blade GT Pro. Je mehr ich mich mit dem Smartphone beschäftigte, desto mehr fragte ich mich, wie wohl die Entstehungsgeschichte hinter dem neuen Rugged Phone aussieht.

Ich stelle sie mir so vor:

Es war eine laue Sommernacht irgendwo in der Karibik. Auf einer ausgelassenen Strandparty traf ein schon etwas angeschwipstes Nothing Phone auf ein groß gewachsenes Outdoor-Smartphone mit muskulöser Statur – einen echten Hünen.

Die feuchtfröhliche Nacht endete irgendwann gemeinsam im Bett und auch wenn es nur ein One-Night-Stand bleiben sollte: Nach neun Monaten kam dabei ein Kind heraus – das Blade GT Pro. Die Ähnlichkeit zu den Eltern ist unverkennbar. Ein Hüne wie der Vater, mit der bunten, ungezähmten Leuchtkraft der Mutter.

Okay, zugegeben: So ist es vermutlich nicht abgelaufen. Dennoch erinnert mich das neue Outdoor-Smartphone unweigerlich an die Handys des bekannten Londoner Herstellers.

Cyber Aura: Von Nothing inspiriert, aber irgendwie doch anders

Die rückseitige Beleuchtung des Blade GT ist nämlich das auffallendste Feature. Insgesamt gibt es drei LED-Streifen, von denen zwei in bunten Farben erstrahlen können. 

Während Nothing beispielsweise bei seinem Phone (3a) zurückhaltender mit weißen Glyph-LEDs arbeitet, geht es Hersteller Doogee bunter an. Aus meiner Sicht eine durchaus schlaue Lösung.

Während man die weißen LEDs bei Sonnenschein nicht immer gleich blinken sieht, fällt das Erkennen bunter Lichter mitunter leichter, auch wenn die des Blade nicht extrem hell strahlen.

Das Blade GT Pro besitzt rückseitig drei LED-Streifen, von denen zwei in RGB-Farben erstrahlen können. (Bildquelle: GameStar Tech) Das Blade GT Pro besitzt rückseitig drei LED-Streifen, von denen zwei in RGB-Farben erstrahlen können. (Bildquelle: GameStar Tech)

Feature-seitig geht Doogee einen ähnlichen Weg wie die Konkurrenz aus London. Die LEDs können unter anderem eingehende Anrufe oder Benachrichtigungen signalisieren, zum Takt der Musik leuchten oder auch einfach nur so blinken.

Allerdings bietet das RGB-Feature nicht die große Bandbreite individueller Smart-Notification-Möglichkeiten, wie sie beim Nothing Phone mit seinen unterschiedlichen Glyph-Animationen für Kontakte oder App-Meldungen zum Einsatz kommen.

Womöglich liefert aber Doogee hier noch über ein Software-Update nach und integriert weitere Funktionen. Immerhin gibt es schon jetzt unterschiedliche Leuchteffekte und auswählbare Farben. Aktuell ist das RGB-Licht vor allem für einfache Benachrichtigungen nützlich, wenn das Handy auf lautlos gestellt ist.

Robustheit mit Lifestyle-Charakter

Abgesehen von der Glyph-ähnlichen LED-Beleuchtung haben Nothing Phone und das Blade GT Pro jedoch nicht viel gemeinsam. Das Outdoor-Smartphone kann etwa über den Spritzwasserschutz der Phone (3a)-Reihe nur müde lächeln.

Beim Outdoor-Smartphone gibt es eine IP69K-Zertifizierung mit Schutz vor Hochdruckstrahlwasser und Dampf. Wasserdicht ist es bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter für 30 Minuten in Süßwasser. Daneben ist das Handy nach dem Militärstandard MIL-STD-810H zertifiziert. Hierbei muss sich das Gerät einer Vielzahl an Tests unterziehen, unter anderem:

  • Temperaturtests: Hoch- und Tieftemperaturtests, Temperaturwechseltests
  • Feuchtigkeitstests: Tests zur Simulation hoher Luftfeuchtigkeit und Kondensation.
  • Vibrationstests: Tests zur Simulation von Vibrationen während des Transports oder des Betriebs.
  • Schocktests: Tests zur Simulation von Stößen und Aufpralle.
  • Sand- und Staubtests: Tests zur Simulation von Exposition gegenüber Sand und Staub.
  • Weitere Tests: Einschließlich Tests auf niedrigen Druck (Höhe), Salznebel, Regen, Pilzbefall und mehr.

Trotz der enorm robusten Bauweise ist das Blade GT Pro für ein Outdoor-Handy recht schlank. Es misst 10,5 Millimeter in der Dicke und wiegt mit 265 Gramm nicht viel mehr als andere Smartphones.

Nichtsdestotrotz: Mit seinem 6,72 großen Display, welches recht breite Ränder aufweist, hat es schon dieses Backstein-Gefühl, wenn man es in der Hand hält. Das Teil ist ein echter Klopper.

Technische Ausstattung: Untere Mittelklasse

Unter der Haube werkelt ein MediaTek Dimensity 7025-Chipsatz mit mittelmäßiger Leistung. Immerhin gibt es aber viel Speicher: 12 Gigabyte Arbeits- und 512 Gigabyte Gerätespeicher.

Das reicht für flüssige Performance im Alltag bei einfachen Tätigkeiten und bietet viel Platz für Fotos, Videos oder andere Dateien. Der Speicher lässt sich außerdem per microSD-Karte erweitern.


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Das große LCD-Display löst scharf auf und unterstützt 120 Hertz. Allerdings ist der Bildschirm selbst auf höchster Stufe nicht besonders hell. Der Hersteller macht keine genauen Angaben, die Kollegen von Heise haben beim teureren Ultra-Modell jedoch nur eine Helligkeit von gerade einmal 330 Nits gemessen.

Das ist vor allem für den Outdoor-Einsatz sehr schwach. Die Konkurrenz, etwa Nothings Phone (3a)-Serie kommt auf deutlich über 1.000 Nits. Bei Sonnenschein ist das Ablesen beim Blade herausfordernd.

Akkulaufzeit: Nicht besonders gut

Trotz der großen Gerätemaße (178,5 x 83,5 x 10,5 Millimeter) ist der verbaute Silizium-Kohlenstoff-Akku mit 5.800 Milliamperestunden nicht gerade herausragend. In meinem Benchmark mit PCMark hielt er zudem nur 13,5 Stunden durch – ein unterdurchschnittlicher Wert.

Geladen wird mit bis zu 18 Watt – das Aufladen geht also auch alles andere als schnell. Hier wäre aus meiner Sicht deutlich mehr drin gewesen.

Praktische Features für den Alltag

Interessant wird es bei den Zusatzfunktionen: Das Blade GT Pro bringt eine Sammlung praktischer Tools mit – von einer digitalen Wasserwaage über Kompass, Senklot und Winkelmesser bis hin zur Bildaufhänghilfe.

Das Blade GT Pro hat einige Tools vorinstalliert, darunter eine Ausrichtungshilfe für Bilder. (Bildquelle: GameStar Tech) Das Blade GT Pro hat einige Tools vorinstalliert, darunter eine Ausrichtungshilfe für Bilder. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die programmierbare Seitentaste kann verschiedene Funktionen auslösen, darunter auch eine Unterwasser-Kamera-Funktion (dabei wird sie über die physischen Tasten bedient) oder eben die immer nützliche Taschenlampe.

Diese Features mögen wie Gimmicks wirken, können aber durchaus nützlich sein. Wer schon mal versucht hat, ein Bild gerade aufzuhängen, weiß eine digitale Wasserwaage zu schätzen, sofern keine echte zur Hand ist.

Fazit: Spagat zwischen Welten

Das Doogee Blade GT Pro ist für meinen Geschmack ein spannender und schicker Hybrid: Es nimmt die LED-Idee von Nothing auf, interpretiert sie bunter und robuster, verliert dabei aber etwas von der übrigen Ausstattung, die im Rugged-Bereich wichtig wäre.

Der Preis von etwa 370 Euro positioniert es deutlich unter Premium-Outdoor-Phones und natürlich muss man hier auch den einen oder anderen Abstrich in Kauf nehmen. Ein Ulefone Armor 28 mit deutlich besserer Ausstattung kostet beispielsweise um die 1.000 Euro.

Wer bereit ist, bei Display-Helligkeit und Leistung Abstriche zu machen, bekommt ein ungewöhnliches Smartphone, das robuste Technik mit RGB-Effekten kombiniert. Ob sich das Konzept langfristig durchsetzt, muss sich zeigen. Als Experiment finde ich das Blade GT Pro aber durchaus gelungen – auch wenn es noch Verbesserungspotenzial gibt.

Ob die Eltern des Blade GT Pro ihren One-Night-Stand bereuen? Ich denke, das müssen sie nicht.

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