New York und vor allem sein Stadtteil Manhattan hat eine einzigartige Architektur; Wolkenkratzer schmiegt sich an Wolkenkratzer. Natürlich war das nicht immer so und ein Bild des Empire State Buildings von vor 85 Jahren beweist das.
Schaut euch das nachfolgende Bild auf Reddit an und lasst es erst mal auf euch wirken. Ach ja, und vergleicht doch mal dessen Spitze mit dem modernen Aufmacherbild.
Link zum Reddit-Inhalt
Der oberste Kommentar bringt es ziemlich auf den Punkt:
Es ist schon verrückt, wie es aussieht, als hätte jemand einen Wolkenkratzer in ein ruhiges Wohnviertel fallen lassen und alle müssten sich einfach mit dem neuen Horizont abfinden.
Das Foto lässt bereits erahnen, zu was das Empire State Building eigentlich gedacht war – dazu weiter unten mehr.
Wir fanden das Bild so beeindruckend, dass wir uns auf die Recherche begeben haben. Dabei kam heraus, dass es sich bei dem Foto im Reddit-Thread nur um einen Ausschnitt handelt. Das volle Foto seht ihr auf der Seite des George Eastman Museums in New York.
- Geschossen wurde es von Andreas Feininger 1941.
- Die Entfernung zum Empire State Building beträgt rund 8 Meilen, also knapp 13 Kilometer.
- Das Stativ mit der Kamera stand in New Jersey, unseren Recherchen nach auf der Moonachie Road. Der Hügel und die Häuser im Vordergrund gehören zu North Bergen.
Wenn ihr wissen wollt, wie der Blick von dort heute aussieht: Wir haben uns auf Google Maps an die Stelle gestellt, an der wir den Fotografen vermuten.
Tatsächlich haben wir sogar versucht, den Ort in Windows’ Flugsimulator anzuschauen und nachzustellen – danke Nils für deinen Piloteneinsatz –, doch die Distanz war zu weit entfernt, wodurch nur Teile der Skyline gerendert wurden.
Nun aber zurück zum Inhalt. Das Empire State Building ist riesig, inklusive Antenne 443 Meter, so Wikipedia – und das hat einen Grund.
New Yorks Zeppelinflughafen
Heute erkennt man die Skyline von Manhattan, selbst wenn man noch nie dort war. Vor fast 100 sah das noch anders aus.
Auf dem nachstehenden Foto seht ihr die Halbinsel von Manhattan aus dem Jahr 1931. Wolkenkratzer gibt es zwar zu sehen, aber im Vergleich zu heute sind es verhältnismäßig wenige.
Ach ja, auf dem Schnappschuss ist auch ein Zeppelin zu finden. Schreibt gerne in die Kommentare, ob ihr ihn entdeckt habt.
Eben war von der Antenne die Rede, doch zuvor befand sich am Scheitel des Empire State Buildings ein Ankermast. Das Magazin Medium geht auf den Umstand des Zeppelinflughafens näher ein. Wir fassen für euch zusammen:
- Der Ankermast an der Spitze des Wolkenkratzers diente dazu, klar, um Zeppeline daran festzumachen. Sie fanden sich stets am höchsten Punkt, damit sich das Schiff frei drumherum bewegen kann, je nachdem, wie der Wind weht.
- Das minimiert auch die Windlast auf den Anker selbst. Der Ankermast des Empire State Buildings soll theoretisch mehr als 50 Tonnen ausgehalten haben. Das hätte für die Hindenburg nicht gereicht – die wog laut Universität Stuttgart 220 Tonnen –, aber für kleinere Luftschiffe reichte das allemal.
- Im 86. Stock des Hochhauses war eine Abflug-Lounge samt Ticketschalter geplant sowie eine Zollstation.
- Über Landungsbrücken hätten Passagiere in schwindelerregender Höhe dann vom Zeppelin zum Empire State Building übersetzen sollen. Danach wäre es zwanzig Stockwerke per Wendeltreppe in die Tiefe zu den Aufzügen gegangen.
- Im Umkehrschluss bedeutete das: Wer dort hätte abfliegen wollen, hätte 20. Stockwerke hochsteigen müssen – samt Gepäck. Uff.
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Spitzfindigen Leserinnen und Lesern ist vielleicht aufgefallen, dass wir in Bezug auf den Luftschiffhafen im Konjunktiv geschrieben haben.
Das Empire State Building war nie ein Luftschiffhafen. Der Ankermast wurde zwar gebaut, aber die Physik machte dem Vorhaben schließlich einen Strich durch die Rechnung.
Zeppeline sind recht träge, was ihre Manövrierfähigkeit stark einschränkt, vor allem in einer Metropole. Außerdem herrschen in Manhattan durch die dichte Bebauung immer wieder starke Windturbulenzen. Im Schlimmsten hätte das die Luftschiffe auf den Kopf gestellt, mit katastrophalen Konsequenzen.
Und dann ist da noch der Auftriebausgleich. Um die Höhe anzupassen, haben damalige Luftschiffe Ballast in Form von Gas und Wasser abgeworfen. Kurzum: Jedes Mal wären die Häuserschluchten von Manhattan geflutet worden, hätte ein Zeppelin andocken wollen.
Am Ende gab es – abgesehen von einigen Annäherungsversuchen der Marine – nie auch nur ein einziges Landemanöver am Empire State Building. Heute befindet sich an dessen Spitze eine Antenne für Sendeanlagen und Mobilfunk.
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