Seit Kurzem ist es auch in Deutschland erlaubt, überschüssigen, von einer Solaranlage erzeugten Strom mit anderen zu teilen. Das sogenannte »Energy Sharing« gibt es in Österreich schon seit mehreren Jahren und ist dort weit verbreitet. Bei uns jedoch sind die Hürden hoch.
Technische und bürokratische Herausforderungen
Die Idee klingt so simpel wie genial: Anstatt überschüssigen Strom, der etwa von der Solaranlage auf dem Dach produziert wurde, ins Netz einzuspeisen, »verkauft« man den Strom einfach an die eigenen Nachbarn, die dabei auch noch Geld sparen.
Genau das ermöglicht das Energy Sharing, das seit Juni 2026 auch in Deutschland zugelassen ist. Die Praxis ist allerdings komplizierter. So braucht es trotzdem noch externe Lieferanten, die dann Strom liefern, wenn der des Nachbarn nicht ausreicht.
Außerdem müssen Rechnungen geschrieben werden, was einen hohen Bürokratieaufwand bedeutet. Gerade in Deutschland gibt es darüber hinaus noch weitere Hürden:
- Es braucht Smart Meter, also digitale Zähler, die den Stromverbrauch nahezu lückenlos erfassen und übertragen können. In Deutschland verfügt nur etwa jeder zehnte Anschluss über so einen Zähler (via Golem).
- Die Gebühren für Energy Sharing sind in Deutschland hoch. Die Ersparnis rechtfertigt somit nicht den Aufwand.
- Durch die Einspeisevergütung lohnt sich Energy Sharing in Deutschland finanziell in der Regel nicht.
0:31
Solarenergie, Windkraft – und Wellenenergie: Wie ein Startup riesigen »Stromkugeln« für das Meer entwickelt hat, um eine dritte Quelle erneuerbarer Energie zu nutzen
Österreich zeigt, wie Energy Sharing funktionieren kann
Anders sieht es beim südlichen Nachbarn aus. Österreich hat nicht nur beim Energy Sharing mehrere Jahre Vorsprung, sondern auch beim Ausbau. Knapp 99 Prozent der Haushalte verfügen dort über Smart Meter, sind also für Energy Sharing gerüstet.
Außerdem sinken die Gebühren in Österreich teilweise stark, wenn der Strom über Energy Sharing bezogen wird. Bezieht man Energie aus der direkten Umgebung, kann der Preis so knapp halbiert werden. Ein starker Anreiz, um selbst teilzunehmen.
Deutschlands Stromspeicher-Debatte ist eigentlich eine Machtfrage
Komplett problemlos läuft es aber auch in der Alpenrepublik nicht. Speziell der hohe Bürokratieaufwand wird dort kritisiert. Nur wer wirklich mehrere hundert Euro pro Jahr spart oder seinen Strom direkt mit Freunden und Familie teilen kann, nimmt diesen gerne auf sich. Musterverträge und spezielle Anbieter, die sich um die Abwicklung kümmern, können hier aber Abhilfe schaffen.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.