Drei Monate Plus im ersten Jahr sparen!

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Deutschlands Stromspeicher-Debatte ist eigentlich eine Machtfrage

Viele Unternehmen wollen Akku-Großspeicher aufbauen, doch der Netzausbau stockt. Das Wirtschaftsministerium setzt indes auf Gas als Notfalloption.

Die Energiewende ist in Deutschland wieder umstritten: Das Wirtschaftsministerium setzt auf Gas statt auf Erneuerbare. Obwohl globale Krisen für steigende Preise für Gas und Öl sorgen, während die Preise für erneuerbare Energien stabil niedrig bleiben. Aus Sorge vor Versorgungsengpässen während Dunkelflauten, setzt Ministerin Reiche ebenfalls auf neue Gaskraftwerke, die fehlende Stromspeicher ausgleichen sollen.

Aber warum nicht gleich auf die in letzter Zeit extrem im Preis gefallenen Akku-Großspeicher setzen? Das ist schon lange keine rein politische Frage mehr, es ist eine Machtfrage. Wer wird in Zukunft Geld mit der Energie verdienen, wer bekommt die Macht über einen der wichtigsten Bereiche unseres Lebens? Oder könnt ihr euch ein Leben ohne elektrischen Strom vorstellen?

Dennis Ziesecke
Dennis Ziesecke

Dennis schriebt als freier Autor für GameStar. Seit dem Kauf eines mittlerweile stattlich ausgebauten Balkonkraftwerkes liegen ihm Energiethemen sehr nahe. Die Nutzung selbst erzeugter Energie hilft ihm seitdem nicht nur die Stromrechnung zu senken, auch das Bewusstsein über den Stromverbrauch ist gewachsen. Und das ist gar nicht verkehrt, schließlich steht für all die anderen Hobbies ein PC-Fuhrpark aus verschiedenen Generationen bei Dennis herum - und jedes Gerät verlangt nach Energie. Die Pläne der Bundesregierung, auf Gas statt auf Erneuerbare und Großspeicher zu setzen, sieht er entsprechend kritisch.

Der unsichtbare Konflikt hinter der Energiewende

Deutschland diskutiert über die Versorgungssicherheit, Dunkelflauten und neue Gaskraftwerke. Dabei geht es inoffiziell auch um etwas ganz anderes: Wer wird künftig mit Strom Geld verdienen? Die klassischen Kraftwerksbetreiber oder neue Speicherakteure?

Speicherprojekte boomen, die Anfragen an örtliche Netzbetreiber sind in den letzten Jahren massiv angestiegen. Das belegt, dass die anfragenden Unternehmen vermuten, mit dem Aufbau von Strom-Großspeichern Geld verdienen zu können.

Die Stromnetze sind zu langsam ausgebaut worden, vor allem Wind- und Solarstrom werden daher oft an einer Stelle in Massen erzeugt, ohne am Ziel ankommen zu können. Die Stromnetze sind zu langsam ausgebaut worden, vor allem Wind- und Solarstrom werden daher oft an einer Stelle in Massen erzeugt, ohne am Ziel ankommen zu können.

Laut Bundesnetzagentur gab es Ende 2025 fast 10.000 unbewilligte Anfragen für Großspeicher, also Speicherlösungen mit mehr als einer Megawattstunde Kapazität. Der Boom kommt auch von sinkenden Preisen für Akkuspeicher. Preise, die solche Projekte erst lukrativ machen. Doch die Politik zögert, wenn sie nicht sogar bewusst dagegen agiert. Ein Gutachten, dass Erneuerbare vor allem auch den Kommunen finanziell helfen können, wurde vom Wirtschaftsministerium jedenfalls nicht sonderlich aktiv beworben, um es freundlich zu formulieren.

Einen großflächigen Ausbau von Speichermöglichkeiten für den bei passender Wetterlage in Übermaßen eingespeisten erneuerbaren Strom braucht es auf jeden Fall. Akkuspeicher bieten sich dank sinkender Preise und einiger technischer Vorteile an: Sie lassen sich sowohl zentral als auch dezentral aufbauen, können extrem schnell Stromschwankungen ausgleichen und sind generell immer innerhalb sehr kurzer Zeit verfügbar.

Wer bereits mit einem Akku für (große oder kleine) Solaranlagen zu tun hatte, kennt die Vorteile: Fallende Preise, große Flexibilität, ideal mit tageszeitabhängigen Erzeugern zu nutzen. Wer bereits mit einem Akku für (große oder kleine) Solaranlagen zu tun hatte, kennt die Vorteile: Fallende Preise, große Flexibilität, ideal mit tageszeitabhängigen Erzeugern zu nutzen.

Fossile Kraftwerke hingegen sind träge und es rechnet sich wenig, sie immer nur kurz hoch- und dann wieder herunterzufahren. Ihr Brennstoff kostet zudem Geld, was die Produktionskosten pro Kilowattstunde deutlich über die von Wind- und Solarstrom treibt. Und: Je weniger Akkuspeicherparks es gibt, desto eher rentiert sich so ein Gaskraftwerk.

Vor allem in Bayern wird zu wenig genehmigt

Während der größte Akkuspeicher Deutschlands in Schleswig-Holstein steht, in gesunder Nähe zu Windkraftparks und Solarmodulen, hakt es am anderen Ende der Republik. In Bayern stauen sich die Anträge und blocken die Netzbetreiber.

Ein Problem dabei: Vor allem zu zwei Zeiten am Tag steigt der Strompreis an der Strombörse teils stark an. Am Morgen und am Abend gibt es regelmäßig teure Preisspitzen, Nutzer dynamischer Stromtarife kennen die sicherlich. Speicher können diese Spitzen glätten und gleichzeitig sogenannte Redispatch-Kosten verhindern oder senken.

Nutzer dynamischer Stromtarife (im Bild der Tibber Pulse, ein Smart-Meter-light in Form eines Infrarot-Lesegeräts) können von den schwankenden Börsenstrompreisen profitieren. Nutzer dynamischer Stromtarife (im Bild der Tibber Pulse, ein Smart-Meter-light in Form eines Infrarot-Lesegeräts) können von den schwankenden Börsenstrompreisen profitieren.

Solange der Strom zu diesen Zeiten nämlich knapp ist, lohnt es sich, dafür ein Gaskraftwerk zu aktivieren. Besteht noch eine Versorgungslücke zu günstigeren Erzeugungsformen, gilt laut Merit Order-Prinzip der Produktionspreis des zuletzt in die Erzeugungskette geschalteten Kraftwerks. Bei Gas wird das dann für alle richtig teuer.

Und dabei kann es vorkommen, dass im Norden genug Strom erzeugt wird um ganz Deutschland zu versorgen, aber dass die Stromleitungen diese Mengen nicht in den Süden transportieren können. Auch hier könnten Großspeicher weiterhelfen. Bislang wird der überflüssige Nordstrom kostenpflichtig abgeriegelt. Und genau das ist dem Wirtschaftsministerium ein Dorn im Auge.

Überfordern Akkus das Stromnetz?

Gegenüber der Süddeutschen Zeitung (Artikel hinter Paywall) teilt Georg Gallmetzer aus dem Vorstand des Bundesverbandes Energiespeicher mit, dass ein Anschluss aller beantragten Speicher das Netz überfordern würde. Außerdem deutete er an, dass wichtige politische Entscheidungen in Sachen Großspeicher anstehen würden.

Das ist tatsächlich eine potentielle Auswirkung, die allerdings rein monetär bedingt ist: Wenn sich Geld mit dem Einspeisen verdienen lässt, wird jeder Großspeicherbetreiber alles ins Netz speisen, was im Akku gespeichert ist - um möglichst viel Umsatz mit dem Strom zu machen.

Die unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beschlossene Kraftwerkstrategie schließt Batteriespeicher kategorisch aus, stattdessen soll es viele Gaskraftwerke geben. Die unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beschlossene Kraftwerkstrategie schließt Batteriespeicher kategorisch aus, stattdessen soll es viele Gaskraftwerke geben.

Das ist aber kein Naturgesetz. Es wäre durchaus möglich, politisch einen Rahmen zu setzen, der die Gewinne begrenzt und das Netz stützt, statt es zu überlasten.Genau für solche Zwecke gibt es schließlich Gesetze. Einige Speicherbetreiber haben sogar bereits bekundet, dass ihnen netzdienliches Verhalten schon aus Eigeninteresse naheliegt - wer sägt schließlich gerne an dem Ast, auf dem er sitzt? Hinter diesem Link versteckt sich ein offener Brief eines solchen Unternehmens.

Die neue Kraftwerkstrategie verhindert aktiv Akkuspeicher

Unter den kommenden politischen Entscheidungen dürfte auch die neue Kraftwerkstrategie der Bundesregierung beziehungsweise des Wirtschaftsministeriums sein: Ministerin Reiche sieht in ihren Plänen eigentlich nur Gaskraftwerke als Absicherung vor und verhindert mit einigen Tricks, dass Akkuspeicher überhaupt zum Einsatz kommen dürfen.

Das hat mich ehrlich gesagt dann doch geschockt. Schließlich sieht das Grundgesetz Klimaschutz vor, es gibt feste Richtlinien, wann Deutschland CO2-neutral sein muss und es gibt EU-Richtlinien, die milliardenschwere Strafen nach sich ziehen, wenn der Gas-Kurs wie geplant stattfindet. Das kann schlecht ohne Erneuerbare Energien funktionieren und deren Energie lässt sich nicht sonderlich gut in Gas speichern.

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Tatsächlich sind Akku-Großspeicher eher schlecht darin, tagelange Dunkelflauten abzudecken. Sie könnten aber, zusammen mit einer moderaten Zahl Gaskraftwerken, das Stromnetz effizienter und günstiger stützen. Klug platziert - also idealerweise nicht wieder nur an zwei, drei Stellen zentral im Land, können sie auch lokale Engpässe entlasten. Gaskraftwerke können das nicht, zusätzlich ist unklar, wie es mit der Gasversorgung angesichts globaler Krisen überhaupt weitergeht. Eines ist aber sicher: Günstig ist Gas nicht. Und gut für's Klima ebenfalls nicht.

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