Ein Astrophysiker hat nachgerechnet und ist zu einem Ergebnis gekommen: Wir stehen möglicherweise kurz vor dem »kürzesten« Tag unseres Lebens

Die Hitzewelle ist da und sie könnte den heißesten Tag bislang mit sich bringen. Aber noch ein anderer Rekord wird in diesem Sommer vielleicht gebrochen.

Uns stehen nicht nur heiße, sondern auch kurze Tage bevor, zumindest bei Messungen mit der Atomuhr. (Bild KI-generiert mit Adobe Firefly) Uns stehen nicht nur heiße, sondern auch kurze Tage bevor, zumindest bei Messungen mit der Atomuhr. (Bild KI-generiert mit Adobe Firefly)

Die aktuellen Tage schicken sich an, den bisherigen Hitzerekord in Deutschland zu brechen. Er wurde am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad aufgestellt und könnte sehr bald fallen.

Ein ganz anderer Rekord wird in diesem Sommer möglicherweise ebenfalls gebrochen. Im Gegensatz zu der Rekordhitze beeinflusst er unseren Alltag aber nicht im Geringsten.

Es geht um den Rekord des kürzesten Tages in der Geschichte der Erde.

Vorhersagen des Astrophysikers Graham Jones lassen zumindest vermuten, dass wir dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024 schon bald wieder sehr nahekommen werden. So nahe, dass es möglich ist, dass dieser Rekord 2025 sogar geschlagen wird. Das bleibt aber noch abzuwarten.


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Wird Zeit, dass sich was dreht

  • Seit 2020 dreht sich die Erde relativ gesehen ungewöhnlich schnell. Der zuvor bestehende Rekord des kürzesten Tages in der Geschichte wurde daher 2020 und in jedem folgenden Jahr jeweils klar geschlagen.
  • Die Vorhersagen von Jones gehen davon aus, dass es auch 2025 wieder zu einem vergleichsweise sehr kurzen Tag kommen wird. Kandidaten dafür sind der 9. Juli, der 22. Juli und der 5. August 2025.
  • Dass diese Tage dafür infrage kommen, liegt an der Position des Mondes, die maßgeblichen Einfluss auf die Geschwindigkeit der Erdrotation hat. An diesen drei Tagen befindet er sich jeweils in maximaler Entfernung zum Erdäquator.

Zu beachten ist, von welch winzigen Zeitunterschieden wir hier reden. Sie sind sogar so gering, dass sie sich nur mithilfe von Atomuhren messen lassen.

Die bislang kürzesten Tage im Überblick

Es geht genauer gesagt um Millisekunden, wobei die winzigen Abweichungen in der Rotationsgeschwindigkeit auch als LOD bezeichnet werden. Die Abkürzung steht für Length of Day beziehungsweise für Länge des Tages (statt für Level of Detail, wie wir es aus Spielen kennen).

  • Vor 2020 lag der Rekord für den kürzesten Tag bei -1,05 Millisekunden LOD. Von den insgesamt 86.400 Sekunden beziehungsweise 24 Stunden des Tages fiel diese winzige Zeitspanne also weg.
  • Im letzten Jahr wurde der neue Rekord aufgestellt, und das im Verhältnis gesehen deutlich: Am 5. Juli lag das LOD bei -1,66 Millisekunden.
  • In diesem Jahr ist laut Jones der 5. August das aussichtsreichste Datum für einen besonders kurzen Tag. Seine Vorhersage geht von -1,51 Millisekunden LOD aus.

Die folgende Tabelle zeigt die letzten LOD-Daten im Überblick:

JahrDatumLOD
202019. Juli-1,47 ms
20219. Juli-1,47 ms
202230. Juni-1,59 ms
202316. Juli-1,31 ms
20245. Juli-1,66 ms
20259. Juli-1,30 ms (Vorhersage)
202522. Juli-1,38 ms (Vorhersage)
20255. August-1,51 ms (Vorhersage)

Quelle: timeanddate.com

Zur Einordnung, von wie wenig Zeit wir hier sprechen, bringt Jones einen hilfreichen Vergleich:

Ein Augenzwinkern dauert ungefähr hundertmal so lang wie die LOD-Werte, die ihr oben seht.

Wieso dreht sich die Erde schneller und wie geht es weiter?

Wie Jones berichtet, kommt das auch für Wissenschaftler eher überraschend. Generell werden die Tage auf der Erde seit langer Zeit eher minimal länger statt kürzer.

Dabei ist auch zu bedenken, dass viele verschiedene Faktoren die Geschwindigkeit der Erdrotation beeinflussen und dass es sich dabei um ein sehr komplexes System handelt.

Gleichzeitig gibt es laut Jones Vorhersagen, die davon ausgehen, dass mit der zuletzt etwas schnelleren Erdrotation bereits im nächsten Jahr wieder Schluss ist.

Zu den Faktoren, die die Geschwindigkeit der Erdrotation beeinflussen, zählen die Folgenden:

  • Bewegungen des Erdkerns
  • die Ozeane (im Zusammenspiel mit dem Mond)
  • die Atmosphäre

Interessante Zusatzinfos: Vor etwa vier Milliarden Jahren war ein Tag auf der damals noch relativ jungen Erde wesentlich kürzer. Schätzungen sprechen von 6 bis 14 Stunden. Ein katastrophaler Einschlag könnte dafür gesorgt haben, dass sich die ursprüngliche Rotation zeitweise deutlich erhöht hat.

Insgesamt werden die Tage gleichzeitig wie bereits erwähnt seit Ewigkeiten länger statt kürzer. Pro Jahrhundert liegt das Plus bei ungefähr 2,3 Millisekunden.

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