Tim Berners-Lee gilt als Urvater des Internets. In den 90er-Jahren entwickelte er wichtige Meilensteine wie HTML, HTTP, URL sowie den ersten Browser. Er sorgte auch dafür, dass das World Wide Web kostenlos angeboten wurde. Die Entscheidung hält er noch immer für richtig, ein paar der Folgen bereut er aber.
Der Erschaffer des Internets blickt zurück
Das Internet, so wie wir es kennen, würde es ohne den britischen Informatiker und Physiker Tim Berners-Lee nicht geben. Ursprünglich erfunden, um die grenzübergreifende Kommunikation am CERN zu erleichtern, wurde aus dem Projekt eine der einflussreichsten Technologien der Menschheitsgeschichte.
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In einem kürzlich erschienenen Gastbeitrag im Guardian hat Berners-Lee über diese Anfangszeit gesprochen und reflektiert, was aus seiner Erfindung geworden ist und möglicherweise noch werden könnte. Ein entscheidender Punkt war dabei, dass das Internet von Anfang an kostenlos zugänglich war. Dazu schreibt er:
Damit das Web jedoch alles enthalten konnte, musste jeder in der Lage sein, es zu nutzen, und dies auch wollen. Das war schon eine große Herausforderung. Ich konnte nicht auch noch verlangen, dass sie für jede Suche oder jeden Upload bezahlen. Um erfolgreich zu sein, musste es daher kostenlos sein. Deshalb überzeugte ich 1993 meine Vorgesetzten bei CERN, das geistige Eigentum des World Wide Web zu spenden und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Wir haben das Web an alle verschenkt.
Diese Entscheidung hält er noch immer für richtig, ist aber der Meinung, dass sie nicht mehr gültig ist. Teile des Internets seien nur noch »kostenlos«, weil die Nutzer mit ihren Daten dafür bezahlen. Und weil diese so wertvoll sind, sind die Kunden auf vielen Plattformen selbst zum Produkt geworden.
Durch die Daten können Nutzer mit passendem Content und Werbung ins Ziel genommen werden. Das führe unter anderem zu Gewalt in der echten Welt, der Verbreitung von Missinformationen sowie negativen Auswirkungen auf die Psyche und den sozialen Zusammenhalt.
Irgendwo zwischen seiner Vision von Web 1.0 und der Verbreitung von sozialen Medien als Teil von Web 2.0 hätten wir »den falschen Weg genommen«, wie Berners-Lee es ausdrückt. Mit dem Aufkommen von künstlicher Intelligenz stünden wir nun erneut am Scheideweg:
[...] wir müssen entscheiden, ob KI zum Wohle oder zum Schaden der Gesellschaft eingesetzt wird. Wie können wir aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? Zunächst einmal müssen wir sicherstellen, dass die politischen Entscheidungsträger nicht wieder jahrzehntelang hinterherhinken wie bei den sozialen Medien.
Laut Berners-Lee sei es an der Zeit, dass die Politik aktiv wird. Wenn es erneut den großen, profitgetriebenen Tech-Unternehmen überlassen bleibt, KI im globalen Wettbewerb auszufechten, würden die einzelnen Menschen darunter leiden.
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