Heute haben wir alle Kameras in der Hosentasche, Filme streamen wir mit einem Klick übers Internet.
Doch die Fotografie hat eine bewegte Historie hinter sich. Dazu zählt natürlich auch das bewegte Bild.
Aber wusstet ihr, wann und wie der erste »Film« gedreht wurde? Wir setzen das Wort in Anführungszeichen, denn unser heutiges Verständnis für Film geht weiter über das hinaus.
Ein Tipp: Zu dieser Zeit regierte in Deutschland Kaiser Friedrich III.
Der erste berühmte Film ist nicht der erste Film
Wenn ihr an den ersten Film denkt, habt ihr vermutlich den Titel »Arrival of a Train at La Ciotat« der Gebrüder Lumière im Kopf.
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Deshalb sorgte der Clip 1896 für mächtig Aufsehen: Bis zu diesem Zeitpunkt war der Film an sich der breiten Masse nicht zugänglich. Zuschauer glaubten also, der Zug würde sie überrollen, weil die Aufnahmen für die damalige Zeit so echt wirkten (was der oberste Kommentar unter dem YouTube-Video herrlich auf die Schippe nimmt).
Der Zug mag heute berühmt sein, doch das erste Bewegtbild ist auf 18 Jahre früher datiert.
»The Horse in Motion«, der erste Versuch
Eigentlich sollte es nur ein Test werden. Eadweard Muybridge, heute als einer der Pioniere des Films ernannt, wollte eigentlich nur eine simple Frage beantworten.
Haben Pferde im Galopp eigentlich immer einen Fuß auf dem Boden?
Das Problem war: Sobald Pferde eine gewisse Geschwindigkeit erreichen, ist es dem menschlichen Auge unmöglich zu sehen, welche der vier Füße den Boden berühren und welche nicht.
Die Lösung: Ziemlich schnell viele Fotos von einem galoppierenden Pferd machen.
Der erste Versuch fand 1873 statt – erfolglos. Zum Einsatz kamen:
- Weiße Laken für den nötigen Kontrast
- Ein trainiertes Pferd
- Eine Kamera mit einem von Muybridge erfundenen, federbetriebenen Verschlusssystem mit einer 1/8-Zoll-Öffnung. Angeblich hat das die Verschlusszeit auf 1/500stel einer Sekunde reduziert, laut der Zeitung Daily Alta Californian vom 4. Juli 1873.
Das Ergebnis war verwaschen und dunkel. Leider wurde das Bild nie veröffentlicht und ist heute wohl dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen.
»The Horse in Motion«, der zweite Versuch
Fünf Jahre später sollte Muybridge es erneut versuchen.
Das war diesmal anders:
- Es kamen 12 Kameras mit 12 Linsen aus England zum Einsatz.
- Ein von Ingenieuren aus San Francisco erfundenes, elektrisches Shutter-System sollte die Verschlusszeit der Knipsen weiter verringern.
Außerdem ließ Muybridge die Rennstrecke weiß färben lassen und hat mittels weißen Brettern eine Art Gitter erstellt, um das Pferd auf den Negativen besser sehen zu können.
So lief es ab: Vor den Augen ausgewählter Zuschauer, darunter auch die Presse, galoppierte das Rennpferd Abe Edgington mit zwei Minuten und zwanzig Sekunden pro Meile vor den Kameras vorbei.
Ein Sulky-Wheel, also ein Holzrad, löste die Kameras aus. Es kappte die Drähte zu den Kameras und unterbrach so den Stromkreis. Die Kameraverschlüsse öffneten sich nacheinander mit einer besonders kurzen Verschlusszeit von einer Tausendstelsekunde.
Das Experiment war ein Erfolg. Die Bild-Negative waren zwar klein, besaßen aber feine Details.
Muybridge wiederholte das Experiment mit der Stute Sallie Gardner, woraus schließlich diese Bilder entstanden.
Eine witzige Anekdote: Die Zeitung Sacramento Daily Union berichtete darüber (ihr könnt sogar das Original lesen) und war davon abgestoßen, dass ein Pferd im Galopp gar nicht mehr so grazil aussieht.
Es wurde gezeigt, dass die vermeintlich überlegene Anmut des Pferdes beim Laufen in Wirklichkeit eine Täuschung ist: Die Füße werden in alle möglichen komischen Positionen gebracht.
So sehen die Bilder übrigens aus, wenn man sie als Bewegtbild laufen lässt:
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Weitere Erfolge von Muybridge
Noch viele Jahre würde Eadweard Muybridge am Bewegtbild feilen.
Nur ein Jahr später versuchte er sich am nächsten Experiment: ein galoppierendes Pferd mit 24 statt zwölf Kameras.
Das kommt euch bekannt vor? Klar, weil wir heute noch Filme mit 24 Bildern pro Sekunde schauen. Dieser Standard hat sich also seit damals nicht ändert (zum Schmerz mancher).
Übrigens hat Muybridge noch etwas erfunden: Den Vorgänger von Stop Motion, also das Aneinanderreihen von Bildern, in denen sich nur ein Element geringfügig bewegt.
Er hat nämlich mehrere Aufnahmen gemacht, wie ein Skelett über eine Hürde springt und so ganz nebenbei eine noch heute genutzte Technik erfunden. Heute sieht das so aus:
1:13
Mad God: Offizieller Trailer zum Stop-Motion-Film von Phil Tibbett
1880 zeigte der Pionier schließlich viele seiner Fotos an der California School of Fine Arts – der ersten Messe für Bewegtbild in der Menschheitsgeschichte.
Dass Filme vor 44 Jahren noch ganz anders gedreht wurden, zeigt »The Shining«.
Man kann also sagen, dass wir ohne den Pionier Eadweard Muybridge heute vermutlich keine Filme hätten – zumindest hätte das den Leuten bei der Aufführung von »Arrival of a Train at La Ciotat« viele graue Haare erspart.
Kanntet ihr die Geschichte rund um das erste bewegte Bild?




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