Experte warnt: Das Meer war womöglich seit 125.000 Jahren nicht mehr so warm

Am 22. August lag die Temperatur der Weltmeere bei 21,10 Grad. Ein Rekord, der Forscher bis in die letzte Zwischeneiszeit blicken lässt.

Nicht nur die Oberflächentemperatur steigt – die Weltmeere nehmen immer mehr Energie in Form von Wärme auf. (Bildquelle: climatereanalyzer.org).jpg Nicht nur die Oberflächentemperatur steigt – die Weltmeere nehmen immer mehr Energie in Form von Wärme auf. (Bildquelle: climatereanalyzer.org).jpg

Die Weltmeere haben einen neuen Temperaturrekord erreicht.

Am 22. August 2026 lag die durchschnittliche Temperatur der weltweiten Meeresoberfläche zwischen 60 Grad südlicher und 60 Grad nördlicher Breite bei 21,104 Grad.

Der bisherige Tagesrekord liegt noch gar nicht so lange zurück. Im März 2024 maß man gerade einmal rund 0,01 Grad weniger.

Das wirkt zunächst beinahe belanglos. Doch das Bemerkenswerte daran ist nicht der Rekord an sich, sondern wann er gefallen ist.

Denn typischerweise erreicht die Meeresoberfläche ihren jeweiligen Jahreshöchstwert im März oder April. Dass ausgerechnet im August ein neuer Höchstwert ermittelt wurde, zeigt deshalb, wie ungewöhnlich warm die Ozeane derzeit sind.

Und es könnte sein, dass dieser Rekord sehr viel weiter zurückreicht als unsere Messreihen.

Die 125.000 Jahre sind keine Messung

Der kanadische Wissenschaftler Ryan Katz-Rosene hält es nämlich für denkbar, dass die Meeresoberfläche im August so warm war wie seit der letzten Warm- beziehungsweise Zwischeneiszeit vor 125.000 Jahren nicht mehr.

Das ist zwar eine aufsehenerregende Aussage, doch sie lässt sich nicht mit derselben Präzision überprüfen wie aktuelle Messungen.

Der europäische Copernicus Climate Change Service stützt den jüngsten Rekordwert auf den ERA5-Datensatz des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) und verwendet dafür die verlässlicheren Daten seit 1979.

Dass es für Temperaturen vor Tausenden von Jahren keine direkten Messwerte gibt, versteht sich von selbst.

Stattdessen arbeiten Forscher mit Rekonstruktionen aus Sedimentbohrkernen und Fossilien, deren chemische Zusammensetzung Rückschlüsse auf die damalige Wassertemperatur zulässt.

Aber: Dabei handelt es sich um vergleichsweise grobe Annäherungen, die oft sehr lange Zeiträume abbilden, weshalb man sie auch nicht mit präzisen Messungen einzelner Tage wie dem 22. August vergleichen sollte.

Dennoch deuten die Rekonstruktionen darauf hin, dass die heutigen Meeresoberflächentemperaturen zumindest über dem Niveau der letzten 11.700 Jahre liegen und sich Werten der letzten Zwischeneiszeit annähern.

Etwa 9.700 vor Christus begann die aktuelle Zwischeneiszeit, die in der Fachsprache als Holozän bezeichnet wird. Die letzte Eis- beziehungsweise Kaltzeit begann vor rund 116.000 Jahren.

Aus den 21,104 Grad folgt aber nicht automatisch, dass es seit exakt 125.000 Jahren keinen einzelnen Tag gegeben hat, an dem das Weltmeer wärmer war.

Ein Rekord mit zwei Ursachen

Sehr gut belegt hingegen ist, dass die Ozeane langfristig wärmer werden. Denn rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme auf der Erde nehmen die Weltmeere auf.

Dazu kommt jedoch noch ein zweiter Effekt: Im tropischen Pazifik verstärkt sich El Niño. Er treibt die Temperaturen vorübergehend zusätzlich nach oben.

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Das zeigt sich aber nicht nur an der Oberfläche.

2025 erreichte auch der Wärmeinhalt der oberen 2.000 Meter einen neuen Rekord. Nach einer aktuellen Auswertung lag er um 23 (± 8) Zettajoule höher als im Vorjahr.

Der Wärmeinhalt von Ozeanen wird typischerweise als Änderung gegenüber einem festgelegten Referenzwert angegeben.

Eine andere Studie besagt, dass die Weltmeere insgesamt, also auch unterhalb von 2.000 Metern, seit 1960 481 (± 48) Zettajoule an Wärme aufgenommen haben.

Um nur den Zuwachs von 2024 auf 2025 in Relation zu setzen: Im Jahr 2024 lag der weltweite Energiebedarf bei 592 Exajoule. 23 Zettajoule entsprechen 23.000 Exajoule.

Für die langfristige Entwicklung ist dieser Wert sogar deutlich aussagekräftiger als ein einzelner Rekordtag.

Wärme, die Folgen hat

Warmes Wasser dehnt sich aus und trägt somit zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Außerdem setzen »marine Hitzewellen« Korallen und andere Ökosysteme unter Druck.

Auch wenn es paradox klingt: Es ist so, dass ein wärmerer Ozean mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben kann und damit starke Niederschläge und Sturmsysteme sogar noch begünstigt.

Dadurch bekommt der Blick in die Vergangenheit vor 125.000 Jahren eine zusätzliche Ebene.

Denn während der letzten Warmzeit lag der Meeresspiegel auf der Erde sehr wahrscheinlich etwa sechs bis neun Meter über dem heutigen Niveau.


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Das stellt jedoch ausdrücklich keine Prognose für die kommenden Jahrzehnte dar. Die Erwärmung vor all der Zeit hatte andere Ursachen. Außerdem reagieren Eisschilde über sehr lange Zeiträume – hier sprechen wir von Jahrtausenden.

Darum zeigt das auch nicht, dass wir heute dort angekommen sind, wo die Erde vor 125.000 Jahren war, sondern vielmehr, wie ungewöhnlich die Größenordnung geworden ist, über die wir inzwischen sprechen müssen.

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