Die Weltmeere haben einen neuen Temperaturrekord erreicht.
Der bisherige Tagesrekord liegt noch gar nicht so lange zurück. Im März 2024 maß man gerade einmal rund 0,01 Grad weniger.
Das wirkt zunächst beinahe belanglos. Doch das Bemerkenswerte daran ist nicht der Rekord an sich, sondern wann er gefallen ist.
Denn typischerweise erreicht die Meeresoberfläche ihren jeweiligen Jahreshöchstwert im März oder April. Dass ausgerechnet im August ein neuer Höchstwert ermittelt wurde, zeigt deshalb, wie ungewöhnlich warm die Ozeane derzeit sind.
Und es könnte sein, dass dieser Rekord sehr viel weiter zurückreicht als unsere Messreihen.
Die 125.000 Jahre sind keine Messung
Der kanadische Wissenschaftler Ryan Katz-Rosene hält es nämlich für denkbar, dass die Meeresoberfläche im August so warm war wie seit der letzten Warm- beziehungsweise Zwischeneiszeit vor 125.000 Jahren nicht mehr.
Das ist zwar eine aufsehenerregende Aussage, doch sie lässt sich nicht mit derselben Präzision überprüfen wie aktuelle Messungen.
Der europäische Copernicus Climate Change Service stützt den jüngsten Rekordwert auf den ERA5-Datensatz des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) und verwendet dafür die verlässlicheren Daten seit 1979.
Dass es für Temperaturen vor Tausenden von Jahren keine direkten Messwerte gibt, versteht sich von selbst.
Stattdessen arbeiten Forscher mit Rekonstruktionen aus Sedimentbohrkernen und Fossilien, deren chemische Zusammensetzung Rückschlüsse auf die damalige Wassertemperatur zulässt.
Aber: Dabei handelt es sich um vergleichsweise grobe Annäherungen, die oft sehr lange Zeiträume abbilden, weshalb man sie auch nicht mit präzisen Messungen einzelner Tage wie dem 22. August vergleichen sollte.
Etwa 9.700 vor Christus begann die aktuelle Zwischeneiszeit, die in der Fachsprache als Holozän bezeichnet wird. Die letzte Eis- beziehungsweise Kaltzeit begann vor rund 116.000 Jahren.
Aus den 21,104 Grad folgt aber nicht automatisch, dass es seit exakt 125.000 Jahren keinen einzelnen Tag gegeben hat, an dem das Weltmeer wärmer war.
Ein Rekord mit zwei Ursachen
Dazu kommt jedoch noch ein zweiter Effekt: Im tropischen Pazifik verstärkt sich El Niño. Er treibt die Temperaturen vorübergehend zusätzlich nach oben.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Das zeigt sich aber nicht nur an der Oberfläche.
Der Wärmeinhalt von Ozeanen wird typischerweise als Änderung gegenüber einem festgelegten Referenzwert angegeben.
Um nur den Zuwachs von 2024 auf 2025 in Relation zu setzen: Im Jahr 2024 lag der weltweite Energiebedarf bei 592 Exajoule. 23 Zettajoule entsprechen 23.000 Exajoule.
Für die langfristige Entwicklung ist dieser Wert sogar deutlich aussagekräftiger als ein einzelner Rekordtag.
Wärme, die Folgen hat
Warmes Wasser dehnt sich aus und trägt somit zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Außerdem setzen »marine Hitzewellen« Korallen und andere Ökosysteme unter Druck.
Auch wenn es paradox klingt: Es ist so, dass ein wärmerer Ozean mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben kann und damit starke Niederschläge und Sturmsysteme sogar noch begünstigt.
Dadurch bekommt der Blick in die Vergangenheit vor 125.000 Jahren eine zusätzliche Ebene.
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Das stellt jedoch ausdrücklich keine Prognose für die kommenden Jahrzehnte dar. Die Erwärmung vor all der Zeit hatte andere Ursachen. Außerdem reagieren Eisschilde über sehr lange Zeiträume – hier sprechen wir von Jahrtausenden.
Darum zeigt das auch nicht, dass wir heute dort angekommen sind, wo die Erde vor 125.000 Jahren war, sondern vielmehr, wie ungewöhnlich die Größenordnung geworden ist, über die wir inzwischen sprechen müssen.
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