Rettet ein Damm zwischen den USA und Russland Europas Klima? Eine alte sowjetische Idee soll den Golfstrom-Kollaps verhindern

Die Beringstraße ist nur rund 80 Kilometer breit. Neue Modelle prüfen, ob ihre Schließung Meeresströmungen beeinflussen könnte – mit offenem Ausgang.

Hier soll nach der Idee einiger Forscher ein gigantischer Damm entstehen. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) Hier soll nach der Idee einiger Forscher ein gigantischer Damm entstehen. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Die USA und Russland sind sich in einem wichtigen Punkt viel näher, als man meinen möchte. Denn sie liegen geografisch nur einen Katzensprung voneinander entfernt.

Zwischen Alaska auf amerikanischer und Tschukotka auf russischer Seite befindet sich eine nur etwa 80 Kilometer breite Meerenge, die den Pazifik mit dem Arktischen Ozean verbindet: die Beringstraße.

Meist interessiert sie vor allem Geografen, Militärstrategen und Arktisforscher. Doch mittlerweile taucht sie in einer Debatte auf, die man auf den ersten Blick nicht damit in Verbindung bringt.

Die Frage lautet: Könnte man sie eines Tages schließen, um eines der wichtigsten Strömungssysteme im Atlantik zu stabilisieren?

Der Golfstrom

Gemeint ist ein System, das wir gemeinhin als »Golfstrom« kennen, auch wenn die Bezeichnung nicht ganz zutreffend ist.

Konkret geht es um die Atlantische meridionale Umwälzzirkulation, kurz AMOC. Sie transportiert warmes Oberflächenwasser nach Norden. Dort kühlt es ab, wird dichter, sinkt in die Tiefe und strömt später wieder südwärts.

Dieser Kreislauf beeinflusst das Klima Europas maßgeblich.

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Warum die AMOC so sensibel ist

Dass die gigantische Umwälzpumpe verwundbar ist, gehört längst zu den zentralen Themen der Klimaforschung. Denn durch schmelzendes Grönlandeis und arktisches Meereis sowie Veränderungen bei den Niederschlägen gelangt immer mehr Süßwasser in den Nordatlantik.

Das kann die Dichte des Oberflächenwassers verringern, wodurch das Absinken erschwert und letztlich der Motor der Umwälzzirkulation geschwächt wird.

Wie nah das System einem sogenannten Kipppunkt ist, bleibt jedoch umstritten. Dass eine starke Abschwächung erhebliche Folgen für Klima, Meeresspiegel und Ökosysteme hätte, gilt dagegen als gut belegt.

Und genau an dieser Stelle kommt die eigentlich weit entfernte Beringstraße ins Spiel. Durch sie gelangt vergleichsweise salzarmes Wasser aus dem Pazifik in die Arktis. Die Idee dahinter: Würde man diesen Zufluss stoppen, bliebe der Nordatlantik salzhaltiger – und die AMOC damit womöglich stabiler.

Eine alte Idee kehrt zurück

Ganz neu ist der Gedanke allerdings nicht. Bereits in den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts schmiedeten sowjetische Wissenschaftler Pläne für einen gigantischen Damm in der Beringstraße.

Damals hatte man natürlich nicht die AMOC im Sinn. Vielmehr ging es darum, die Arktis so zu verändern, dass der Norden wirtschaftlich besser nutzbar geworden wäre. Das waren noch die Ausläufer einer Epoche der technischen Utopien, in der die Umwelt wie etwas wirkte, das man nach Belieben umbauen kann.

Heute kommt dieselbe Idee unter etwas anderen Vorzeichen wieder zum Vorschein. Dahinter steckt jedoch nicht mehr der Fortschrittsoptimismus von einst, sondern die Sorge vor einem immer wankelmütigeren Klima.

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Neue Studien untersuchen daher, ob eine Schließung der Beringstraße die AMOC tatsächlich stabilisieren könnte. Die Antwort fällt allerdings alles andere als eindeutig aus: Je nach Modell und Rahmenbedingungen kann der Eingriff stabilisierend wirken, wirkungslos bleiben oder neue Risiken schaffen.

Kein harmloses Bauwerk

Deswegen wäre ein solcher Damm weit mehr als eine spektakuläre Megakonstruktion.

Ein derart tiefer Eingriff in die Natur würde nicht bloß Meeresströmungen verändern, sondern auch Fischerei, Eisbildung, Meeresbewohner und Lebensräume weltweit beeinflussen.

Von der Absurdität eines gigantischen Klima-Bauwerks an der Grenze zweier geopolitischer Blöcke ganz zu schweigen.

Außerdem würde ein Damm in der Beringstraße die Ursache des Problems nicht beseitigen. Die Konzentration an Treibhausgasen nähme wohl weiter zu, und die globale Erwärmung würde nicht gestoppt. Letztlich wäre es nur die Behandlung eines Symptoms, die womöglich mehr Probleme schafft, als sie hinauszögert.


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Was die Idee eigentlich verrät

Der Gedanke eines derartigen Damms in der Beringstraße ist weniger Lösung als Warnsignal. Denn er zeigt, dass aus Sorge vor unkontrollierbaren klimatischen Veränderungen, Vorschläge aus der Schublade geholt werden, die als längst überholter Größenwahn galten.

Es ist zwar eher unwahrscheinlich, dass der Damm jemals gebaut wird, aber schon als Idee verrät er viel über unsere Zeit.

Wenn wir darüber nachdenken, eine Meerenge zwischen zwei Kontinenten zu schließen, um den Golfstrom zu stabilisieren, dann ist der Damm wohl nicht die eigentliche Nachricht.

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