Während Ford in seiner Elektrosparte zuletzt Verluste in Milliardenhöhe abschreiben musste und die Zweifel an der Rentabilität wuchsen, arbeitet ein geheimes Team von Ingenieuren im Hintergrund längst an der radikalen Kehrtwende.
Fernab der Detroiter Konzernzentrale hat der US-Autobauer im kalifornischen Irvine ein isoliertes Skunkworks
-Team aus rund 500 Ingenieuren aufgebaut, das mit einer ungewöhnlichen Methode Jagd auf die Konkurrenz macht: Angetrieben durch ein internes Kopfgeld-System (Bounties) für jede noch so kleine Kostensenkung, soll das Team das fast Unmögliche realisieren – eine profitable E-Auto-Plattform für den Massenmarkt ab 25.000 Euro.
In einem Video auf YouTube stellt Ford das Team und die dahinterliegende Strategie vor:
Link zum YouTube-Inhalt
Rund 40 Prozent der Kosten eines E-Autos entfallen auf die Batterie, so Ford. Anstatt die Hoffnung auf bessere zukünftige Technologie wie Solid-State Batterien zu setzen, entschied sich Ford, den Fokus des Entwicklerteams auf Optimierungen zu legen: Es sollte so viel Reichweite wie möglich aus der kleinstmöglichen Batterie herausholen.
Dazu führte Ford ein Kopfgeld-System ein, um die Entwickler auf die Jagd nach Verbesserungen zu schicken.
Die Firma beschreibt das System in dem YouTube-Video folgendermaßen:
Kopfgelder sind numerische Kennzahlen, die wir wichtigen Faktoren wie Fahrzeugmasse und Luftwiderstand zuweisen. Faktoren, die sich direkt auf die Effizienz und damit auf die Reichweite und die Kosten der Batterie auswirken.
Eine Veränderung von einem Millimeter am Dach könne so etwa die Kosten der Batterie um mehr als einen Dollar senken.
Die Summe der Veränderungen im kleinsten Bereich könne den Preis des E-Autos deutlich senken und so auf die angestrebte Summe von 25.000 Euro kommen.
Die Jagd nach Verbesserungen ähnelt dabei denen eines Teams aus der Formel Eins. Dort werde versucht, jede Millisekunde herauszuholen. Ford setzt dabei Ziele, die es zu erreichen gilt. Sobald ein Ziel erreicht wurde, wird es angepasst, um die Optimierungen voranzutreiben.
Bisher hat Ford die folgenden Ziele und Verbesserungen bestätigt:
- Das erste Fahrzeug soll 15 Prozent aerodynamischer sein als jedes andere Fahrzeug in der gleichen Klasse.
- Fokus auf möglichst große Bauteile. Dies soll 25 Prozent der Befestigungen einsparen.
- Wechsel zu 48 Volt (statt 12 Volt), wodurch Kabel dünner sein können. Dies soll 1,2 Kilometer Kabel und 10 Kilogramm Gewicht eingespart haben.
Das erste Auto – ein mittelgroßer Pickup-Truck, soll im Jahr 2027 für einen Preis von etwa 30,000 Dollar auf den Markt kommen.
Ford hat sich erst vor Kurzem von einem fast 30 Jahre alten Modell verabschiedet.
Ob diese radikale Neuausrichtung ausreicht, um die Dominanz von Tesla und die wachsende Präsenz chinesischer Hersteller wie BYD zu brechen, bleibt abzuwarten.
Für Ford markiert das Projekt jedoch einen entscheidenden Wendepunkt: Weg von der klassischen Modellpflege hin zu einer kompromisslosen Effizienzstrategie nach Vorbild der Tech-Industrie.
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