Die Vision von einem sich selbst mit Energie versorgenden Fahrzeug ist nicht neu, rückt aber mit jedem Jahr mehr in den Fokus.
Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg haben in einer neuen Studie das Potenzial von integrierter Fotovoltaik für den europäischen Verkehr berechnet.
Laut einer aktuellen Pressemitteilung des Instituts ist der Effekt weitaus größer als bisher angenommen: Besonders bei großen Fahrzeugen lassen sich durch Solarmodule auf der Karosserie täglich Energiemengen erzeugen, die einem Gegenwert von rund 30 Litern klassischem Kraftstoff entsprechen.
Damit würde die Technologie nicht nur dazu beitragen, dass sich der Kauf eines elektrischen Fahrzeugs schneller rentiert. Sie hätte außerdem einen messbaren positiven Effekt auf die europaweite Belastung der Stromnetze, so die Forscher.
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PKW und LKW im Check: So groß ist die Ersparnis
Um das Potenzial von fahrzeugintegrierter Fotovoltaik (VIPV) zu berechnen, haben die Freiburger Forscher reale Fahrdaten von über 1,3 Millionen Kilometern ausgewertet.
Laut der Auswertung können bei normalen Pkws Solarzellen auf Dach und Motorhaube bei durchschnittlichen Nutzungsprofilen bis zu 80 Prozent des Stroms selbst erzeugen.
Die Bilanz beim Schwerlastverkehr fällt sogar noch besser aus. Dank der großen Flächen von LKW-Aufliegern und Transportern seien diese Fahrzeugtypen geradezu ideal für Solarmodule.
Laut der Fraunhofer-Studie können große Nutzfahrzeuge an sonnigen Tagen so viel Energie generieren, dass es einer Einsparung von etwa 30 Litern Diesel-Kraftstoff entspricht – und das Tag für Tag.
Angesichts der hohen Laufleistungen und aktuellen Energiepreise würde sich die Investition für Flottenbetreiber in kurzer Zeit rechnen. Die Investitionskosten dürften so im Schnitt bereits in weniger als zwei Jahren wieder hereingeholt werden.
Entlastung für das Stromnetz: Tausende Windräder gespart
Die Auswertung der Daten durch Forscher des Fraunhofer-Instituts zeigt neben den direkten Vorteilen auch, dass der weitläufige Einsatz von Solarzellen auf E-Fahrzeugen auch positive Auswirkungen auf den europäischen Strommarkt haben würde.
Der Selbsterzeugungs-Effekt würde die Stromnetze spürbar entlasten und Lastspitzen abmildern. Der flächendeckende Einsatz von Solar-Fahrzeugen würde den Stromertrag von tausenden Windrädern einsparen.
Trotz der vielversprechenden Berechnungen der Fraunhofer-Forscher steht die Umsetzung des Plans noch am Anfang einer zweigeteilten Entwicklung. Im PKW-Sektor fristet die Technik aktuell noch ein Nischendasein. Zwar bieten einige Hersteller Solardächer als kostenpflichtige Extras an, diese dienen aber meist nur der Unterstützung.
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In der Logistikbranche entwickelt sich die Technologie deutlich schneller, meist in Form von Modulen auf LKW-Anhängern. So bietet etwa das Münchener Start-up Sono Motors sogenannte Solar-Kits an, eine Nachrüstlösung für LKW und Anhänger.
Aber auch andere Firmen wie etwa MAN oder Scania forschen in dem Bereich und bieten teilweise schon integrierte Lösungen an.


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