Die vergangenen Jahre der Smartphone-Fotografie waren nicht einfach, zumindest nicht für jemanden, der eine große Begeisterung für die Fotografie mitbringt.
Denn hier musste man die Verbesserungen der Linsen mit der Lupe suchen: etwas größerer Sensor, etwas größere Blende und etwas mehr Softwaretricks – wenn überhaupt.
Und jetzt aufgepasst: Die sogenannte LOFIC-Technologie hat das Potenzial, die Foto- und Videografie ordentlich aufzumischen. Erste Smartphones wie das Xiaomi 17 Ultra profitieren sogar bereits davon.
Was ist denn jetzt LOFIC?
LOFIC steht für Lateral Overflow Integration Capacitor, sinngemäß »seitlicher Überlaufspeicher« – und das beschreibt ziemlich genau, was die Technik macht.
Jeder Pixel auf dem Kamerasensor kann nur eine begrenzte Menge an Licht aufnehmen. Ist dieser »voll«, gehen Details verloren. Dieses Problem ist euch sicherlich aus der Praxis bekannt, wenn ein Himmel komplett weiß ist, was auch als »ausgebrannt« bezeichnet wird.
Die bisherige Lösung: Durch Software-HDR (High Dynamic Range) versuchen Smartphones dieses Problem clever zu umgehen. Dazu werden blitzschnell mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten aufgenommen und anschließend zusammengerechnet. Meistens sogar, bevor ihr den Auslöser gedrückt habt.
Das Problem dabei: Bei sich bewegenden Objekten kann es zu ungewollter Unschärfe oder Geisterbildern kommen (Ghosting).
LOFIC packt dieses Problem an der Wurzel. Neben jedem einzelnen Pixel wird ein winziger zusätzlicher Kondensator platziert. Dieser dient als eine Art Auffangbecken für das überschüssige Licht, das ansonsten verloren ginge.
Bei der Bildverarbeitung liest der Sensor die Informationen aus den Pixeln und Kondensatoren aus und fügt sie zusammenDer daraus resultierende Vorteil ist ein drastisch höherer Dynamikumfang und somit mehr Details in den Lichtern (und auch in den Schatten).
Zudem löst diese Technologie die zuvor erwähnten Schwächen der bisherigen Softwarelösung. Da die hellen und dunklen Informationen gleichzeitig in einer einzigen Aufnahme statt in mehreren zeitversetzten Bildern eingefangen werden, gibt es keine Bildfehler bei schnellen Bewegungen.
Davon profitieren auch Filmer. Weil keine Mehrfachbelichtung mehr nötig ist, gilt der größere Dynamikumfang auch für Videos.
Anders ausgedrückt werden die bisherigen Grenzen von »Computational Photography« aufgeweicht.
9:31
Ich habe die für mich beste Videokamera getestet und will nie wieder zurück
Keine Zukunftsmusik
Das Beste an LOFIC-Sensoren ist, dass sie bereits im Einsatz sind und in ersten Tests auf ganzer Linie überzeugen. DJI hat seiner in Vorbereitung befindlichen Osmo Pocket 4P einen solchen Bildsensor verpasst.
Das Kameramagazin Petapixel durfte sich die Kamera bereits genauer anschauen. Sie titeln:
»Der Sensor der DJI Pocket 4P ist so gut, dass die Aufnahmen denen der besten Vollformatkameras nahezu identisch aussehen.«
Jordan Drake
Lasst euch das Ganze auf der Zunge zergehen! Eine kleine Taschenkamera, die mit einer Vollformatkamera mithalten soll?! Wichtig ist allerdings auch der Kontext: Hierfür ist das flache Farbprofil D-Log2 erforderlich (ISO 800, 1600). Damit wird eine Nachbearbeitung im Schnitt vorausgesetzt.
Das macht das Ganze aber nicht weniger beeindruckend, zumal Jordan Drake (der Tester) den Vergleich mit einer der besten Vollformatkameras im Videobereich zieht, nämlich der Panasonic Lumix S1 II (die übrigens auch eine meiner Traumkameras ist).
»Der nutzbare Dynamikbereich dieses relativ winzigen LOFIC-Sensors ist vergleichbar mit professionellen Vollformatkameras«
Jordan Drake
Uff! Zum Vergleich: Der Sensor der S1 II ist etwa achtmal so groß wie der der Pocket 4P (1-Zoll-Sensor).
Smartphone-Hersteller satteln auf
Die Smartphone-Hersteller satteln schon jetzt ihre Pferde. So ist das Xiaomi 17 Ultra bereits mit einem LOFIC-Sensor ausgestattet. Die Konkurrenz wird diesem Beispiel wohl Stück für Stück folgen.
Sony hat in den vergangenen Wochen sogar seinen ersten eigenen Sensor dieser Art für Smartphones vorgestellt. Es liegt auf der Hand, dass die Flaggschiff-Reihe der Japaner damit ausgestattet wird.
Wie der Hersteller schreibt, erreicht der Sensor einen Dynamikbereich von 16 Blendenstufen (wie der von DJI) und es sollen generell bis zu 20 möglich sein. Wenn das wirklich stimmt, erreichen solche Sensoren ein Niveau, das dem des menschlichen Auges sehr nahekommt.
Vivo scharrt ebenfalls schon mit den Hufen und plant wohl den Einsatz in seinem X500 Pro. Wenn die Gerüchte stimmen, wird auch Samsung nachziehen und seinem Ultra-Modell endlich (!) ein Kamera-Upgrade im nächsten Jahr spendieren.
Spätestens 2027 wird uns dieser Sensor immer häufiger in Smartphones begegnen.
Mehr zum Thema: Samsung Galaxy S27 Pro und S27 Ultra: Wenn die Gerüchte stimmen, erwartet uns eine dicke Überraschung
Der »Nachteil« (für uns)
Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein, oder? Aber es ist wahr. Wenngleich diese Technologie mit einem Nachteil daherkommt.
Der Kostenfaktor.
Die Herstellung ist komplexer und wird sich letztlich auf den Endpreis für uns Konsumenten auswirken. DJI äußerte sich gegenüber Petapixel, dass große Optimierungen erforderlich waren.
»DJI musste die ISP-Pipeline anpassen, um Dual-Signalpfade zusammenzuführen und die Stromversorgung und thermische Leistung zu optimieren. Dazu gehörte die Entwicklung unseres Algorithmus mit Signalfusionsmethoden, Kalibrierung auf Pixelebene, dedizierter Rauschunterdrückung und einer benutzerdefinierten Logkurve. Auf der Firmware-Seite musste das Timing des Sensortreibers neu gestaltet werden, was eine erhebliche technische Anstrengung war«.
DJI musste also die komplette Bildverarbeitung anpassen, um das Doppelsignal sauber zu verarbeiten. Das lässt sich der Hersteller mit Sicherheit kosten. Die Osmo Pocket 4 ist zum Preis von rund 500 Euro erhältlich. Wie hoch der Preis der besseren 4P offiziell ausfällt, ist noch nicht bekannt.
Fazit
Ich liebe Kameras aller Art und habe inzwischen eine besondere Schwäche für Videokameras entwickelt. In die Sony ZV-E1 habe ich mich schockverliebt. Es handelt sich um eine vergleichsweise sehr kompakte Vollformatkamera, die in puncto Low-Light-Performance ihresgleichen sucht.
Trotzdem greife ich für den einen oder anderen Clip zum Smartphone. Weil sie kleiner und leichter sind und mir gleichzeitig oft eine ausreichend gute Bildqualität liefern.
Wenn ich lese, dass sich eine kompakte Gimbal-Kamera mit den Großen messen kann, dann kribbelt es mir im Bauch. Denn endlich scheinen sich die eingerosteten Zahnräder im Mobile-Bereich wieder zu drehen.
Ich kann es kaum abwarten, mir das Ganze aus nächster Nähe anzuschauen.




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