1999 wurde ausgerechnet ein kuschliges Spielzeug zum Sicherheitsrisiko für einen US-Geheimdienst

Als gegen Ende der 90er ein weltweit beliebtes Kuscheltier erschien, fürchtete sich die NSA um ihre Staatsgeheimnisse und verbot es kurzerhand.

Kurz nachdem sie auf den Markt kamen, wurden Furbys von der NSA verboten – der Grund ist aus heutiger Sicht eher absurd. (Bildquelle: GameStar Tech; Vhagar Adobe Stock) Kurz nachdem sie auf den Markt kamen, wurden Furbys von der NSA verboten – der Grund ist aus heutiger Sicht eher absurd. (Bildquelle: GameStar Tech; Vhagar / Adobe Stock)

Stellt euch vor, ihr arbeitet bei einem der größten Geheimdienste der Welt. Überall liegen geheime Dokumente und Informationen herum und die Sicherheitsvorkehrungen sind besonders streng.

Plötzlich bekommt ihr ein Schreiben, dass ausgerechnet ein kleines, plüschiges Kinderspielzeug zum Sicherheitsrisiko ausgerufen wurde. Klingt absurd? Ist aber tatsächlich so passiert – auch wenn nie wirklich eine Gefahr bestanden hat.

Ende der 90er-Jahre fiel der National Security Agency in den USA, besser bekannt als NSA, ein verdächtig wirkendes Spielzeug ins Visier: Den Furby.

Wer Furbys nicht kennt: Dabei handelt es sich um ungewöhnlich aussehende Wesen, die an eine Mischung aus Hamster und Eule erinnern und mit einer technischen Funktion schnell den Spielzeugmarkt eroberten.

Doch genau das Argument, welches das Spielzeug zum Verkaufsschlager machte, führte am Ende dazu, dass die NSA Furbys offiziell verbot.

Video starten 1:20 In meinem Keller war ein Spielzeug, das aus einem Horrorfilm sein könnte – aber die Kinder lieben es

Bevor wir zum Geheimdienst kommen: Was ist eigentlich ein Furby?

Im Verlauf der 90er-Jahre kamen viele Spielzeuge und Franchises auf den Markt, die bis heute zahlreiche Kinder begeistern.

So auch die Furbys, die 1998 von Tiger Electronics auf den Markt gebracht wurden und heute von Hasbro verkauft werden. Das Besondere: Bei dem Spielzeug handelt es sich nicht nur um simple Kuscheltiere, sondern um elektronische Plüschkameraden.

Die kleinen Kerle konnten ihre Augen bewegen, mit den Ohren wackeln und vor allem ungefragt vor sich hin brabbeln. Dabei »sprachen« die Furbys zunächst keine richtige Sprache, sondern quatschten irgendetwas im sogenannten »Furbisch«.

Tiger Electronics warb als Gag jedoch, dass die kuscheligen Gefährten auch die Sprache der Menschen lernen könnten. Welche Sprache genau, hing dabei vom Land ab, aus dem der Furby stammte.

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Denn während das Spielzeug den Eindruck vermittelte, mit der Zeit wirklich eine Sprache zu lernen, steckte dahinter ein einfacher Trick. Furbys konnten nicht wirklich verstehen, was die Menschen ihnen erzählten, sondern nutzten irgendwann einfach ihren vorprogrammierten Wortschatz.

Habt ihr euch also einen Furby mit englischsprachigem Wortschatz gekauft, konnte er nur Englisch »lernen«, wohingegen ein Furby aus Deutschland in der Regel nur Deutsch sprechen konnte.

Laut Hasbro war die Vermarktung dadurch ein voller Erfolg und nach einem Jahr wurden weltweit mehr als 14 Millionen Furbys verkauft.

Leider verbreitete sich der Irrglaube des tatsächlich lernfähigen Spielzeuges genauso schnell, sodass die NSA befürchtete, Furbys könnten geheime Gespräche aufzeichnen und später wiedergeben.

So kam es zur Erklärung als Sicherheitsrisiko

Springen wir zurück ins Jahr 1998. 

Während sich Furby zu dem Weihnachtsgeschenk für hunderttausende Kinder entwickelte, um das sich Eltern regelrecht rissen, beschäftigte die NSA eine andere Frage: Was passiert, wenn die Plüschtiere an geheime Informationen gelangen?

Noch im Dezember 1998, also etwa zwei Monate nach der Veröffentlichung der Spielzeuge, veröffentlichte der Geheimdienst eine interne Warnung, die im Frühjahr 1999 für internationale Schlagzeilen sorgte.

In der Mitteilung warnte die NSA vor problematischen Gegenständen, die aufgrund von Sicherheitsbedenken nicht mit in die Bereiche der Behörden genommen werden durften. Darunter gesondert aufgeführt: der Furby.

Ohne Fell sehen die kuscheligen Furbys eher gruselig aus. (Bildquelle: Screenshot YouTube With or Without Fur) Ohne Fell sehen die kuscheligen Furbys eher gruselig aus. (Bildquelle: Screenshot YouTube / With or Without Fur)

Schließlich ging der amerikanische Geheimdienst davon aus, dass Furbys eine eingebaute Aufnahmetechnik besitzen würden. Das Szenario, das dabei für Schrecken sorgte, ist leicht erklärt:

Stellt euch vor, ihr nehmt euren Furby zum Spaß mit zur Arbeit und stellt ihn auf euren Schreibtisch. Irgendwann seid ihr in einem vertraulichen Gespräch und das Spielzeug bekommt alles mit. Nichtsahnend nehmt ihr euren Furby wieder mit nach Hause, nur dass er dort heiter und fröhlich alle Geheimnisse ausplaudert.

Mit dem Wissen, dass Furbys das gar nicht konnten, klingt die Vorstellung wirklich absurd.

Besonders nachdem die NSA angeordnet hatte, dass bereits mitgebrachte Furbys zunächst an die zuständigen Sicherheitsverantwortlichen übergeben werden mussten. Bei dem Gedanken an einen Furby im Kreuzverhör muss man einfach schmunzeln. 

1999 schlug das Spielzeug-Verbot hohe Wellen

Bei Tiger Electronics dürfte man über die Meldung vermutlich überrascht gewesen sein. Schließlich dienten die Mikrofone in den Furbys nur für eine Reaktion der verbauten Motoren, wenn ein Mensch mit ihnen redete.

In einem Interview mit CBS News erklärte der Tiger-Electronics-Mitbegründer Roger Shiffmann ausdrücklich, dass Furbys überhaupt keine Audioaufnahmen anfertigen können. Er hätte das der NSA gerne erklärt, nur hatte sich damals niemand bei ihm oder dem Unternehmen gemeldet.

Durch den großen Diskurs um das technische Kuscheltier folgte nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Associated Press im März 1999 auch ein Verbot seitens der US-Marine. Laut dem Tech-Magazin Wired soll auch die NASA mitgezogen sein.

Später kursierte zudem das Gerücht, dass die CIA ein Verbot aufgrund eines Sicherheitsrisikos aussprach. Dazu gibt es jedoch keine konkreten Belege. Die Sorge um das plappernde, ulkige Spielzeug hatte sich aber weitverbreitet – genau wie der Spott um das Verbot.

Auch innerhalb der NSA soll es zahlreiche Angestellte gegeben haben, die sich über die Regelung lustig machten. Irgendwann soll die NSA ihren Mitarbeiter sogar selbst angeordnet haben, Diskussionen über das Verbot zu unterlassen.

Ein genauer Einblick, welche Ausmaße die Furby-Diskussion tatsächlich erreichte, erschien 2024, als die NSA auf eine Anfrage nach dem amerikanischen Informationsgesetz ein Dokument zum Vorfall veröffentlichte.

In diesem befanden sich verschriftlichte interne Diskussionen, Notizen zu den damaligen Reaktionen und Unterlagen zum Umgang mit dem medialen Echo. Die Geschichte war also auch in der NSA mehr als nur eine Kleinigkeit.

Die Geschichte sagt einiges über den damaligen Blick auf Technik

Am Ende ist das Furby-Verbot eine unterhaltsame Anekdote aus der Geschichte des Spielzeuges sowie des US-amerikanischen Geheimdienstes. Es zeigt aber auch, wie schnell Technik überschätzt werden kann.

Ein Spielzeug mit einer derartigen künstlichen Intelligenz, wie es dem Furby teilweise zugesprochen wurde, wäre Ende der 90er-Jahre nicht denkbar gewesen. 

Dennoch entstand durch die clevere Vermarktung des lernenden Spielzeuges der Eindruck, als würde eine entsprechende oder zumindest ähnliche Technik bereits existieren.

Bevor die NSA allerdings überprüfte, was wirklich hinter den Aussagen der Hersteller steckte, beschloss sie vorsorglich ein Verbot, um mögliche Sicherheitsrisiken rechtzeitig zu verhindern. Diese grundsätzliche Vorsicht mag aus heutiger Sicht völlig unnötig wirken, war damals aber mit einem durchaus nachvollziehbaren Gedanken verknüpft.

Einen tatsächlichen Schaden hätte der US-Geheimdienst aber vermutlich ohnehin nicht davongetragen, wenn ein flauschiger Furby in einem NSA-Büro den lieben langen Tag sein vorprogrammiertes »Furbisch« vor sich hin geplappert hätte.


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