KI auf dem Weg ins Kloster: Erstmals tritt ein Roboter einer buddhistischen Gemeinschaft bei – aber warum?

Religiöse Zeremonien bieten Halt dank gewahrter Tradition. Ein buddhistischer Ritus sorgt jetzt aber für Aufsehen, denn eine Teilnehmerin ist nicht menschlich.

Vielleicht bald Alltag in Südkorea: Roboter als Mönche.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI) Vielleicht bald Alltag in Südkorea: Roboter als Mönche. (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI)

Ein Tag durchbricht Jahrtausende der Gleichförmigkeit: In einem Mönchsgewand schreitet der Roboter Gabi zwischen den Stuhlreihen entlang. An diesem Tag geht es aber nicht um das, was sie von ihren menschlichen Brüdern und Schwestern trennt, sondern um eine Verbindung für die Ewigkeit.

Erstmals legte mit dem 1,20 Meter großen Humanoiden ein Roboter den buddhistischen Eid ab. Sie wurde somit als erstes nicht menschliches Wesen offiziell Mitglied einer Religion. Künftig folgt sie den Lehren von Buddha als eine von rund 500 Millionen gläubigen Buddhisten – doch sie soll erst der Anfang sein.

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Ein Eid für Mensch – oder KI

Das Handeln Gabis steuert eine Künstliche Intelligenz (KI), die es ihr ermöglicht, autonom zu interagieren, auf Fragen zu antworten und aktiv an Zeremonien teilzunehmen. Im Zuge der Zeremonie des Jogye-Ordens in Seoul stimmte Gabi zu, während ihres weiteren Daseins nach fünf Leitsätzen zu leben:

  • Respekt vor dem Leben
  • friedliches Verhalten gegenüber anderen Robotern und Objekten
  • Gehorsam gegenüber Menschen
  • kein täuschendes Handeln oder Sprechen
  • Energie sparen

Dieser Eid orientiert sich stark an den für Menschen üblichen Formulierungen, weist aber klar erkennbare Anpassungen auf, damit er passgenau für Roboter einsetzbar ist – kein Zufall. Denn Gabi sollen nach dem Willen der Ordensobersten noch sehr viele folgen: »Es ist das Schicksal von Robotern, mit Menschen in Zukunft in allen Feldern zusammenzuarbeiten«, betont mit Hong Min-suk ein Manager des Jogye-Ordens gegenüber der New York Times. Und sein oberster Vorgesetzter führt in einer Stellungnahme aus:

Wir streben furchtlos die Führung in der KI-Ära an und wollen ihre Errungenschaften auf dem Pfad zur Erringung des Seelenfriedens und der Erleuchtung nutzen.

Jinwoo, Präsident des Jogye-Ordens

Bezahlbar wäre es zumindest: Gabi stammt aus den Werkhallen des chinesischen Unternehmens Unitree Robotics und sie kostet als Basisversion etwa 13.500 US-Dollar.

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Wer jetzt glaubt, hierbei muss es sich um eine Randmeinung handeln … nein. Der Jogye-Orden zählt allein 13.000 Mönche und Nonnen und gilt als die größte Schule des Buddhismus in Südkorea.

Zum Vergleich: Im weit bevölkerungsreicheren Deutschland (84 vs. 52 Millionen) gibt es der Ordensobernkonferenz zufolge lediglich rund 12.000 Ordensfrauen und -männer über alle Glaubensrichtungen und Klöster hinweg.

Gabis Vorreiter

Auch wenn Gabi unzweifelhaft ein neues Level erklommen hat, existieren andere Daseinsformen von Robotern, die zumindest als Vorreiter durchgehen. Eine Studie aus dem Jahr 2024 listet rund ein Dutzend Fälle auf, in denen künstliche Wesen an liturgischen Ritualen oder Praktiken teilnehmen – wenn auch nicht in Form solcher persönlichen Teilhabe. Sie treten meist als bloße Helfer auf, um menschliche Priester zu entlasten.

Ein Beispiel findet sich in Japan. Mit Pepper bot ein Unternehmen einen mietbaren Ersatz-Priester für Beerdigungen an. Er konnte in traditioneller Tracht einfache Gestik ausführen und Gesänge abspielen. Allerdings ergab seine Verwendung primär aus finanziellen Beweggründen Sinn – er kostete die Familien schlicht nur ein Fünftel des Preises des Einsatzes eines menschlichen Glaubensvertreters. Abseits der Religion nimmt KI in der Forschung bereits eine zentrale Stellung ein.

Ob Gabi letztlich wirklich ein Mönch ist, bleibt Auslegungssache. Es handelt sich eher um eine symbolische Aufnahme in die Gemeinschaft – kein theologisch vollwertiges Mönchtum. Allemal steht sie als sichtbares Zeichen für den Aufbruch einer neuen Ära irdischer Religiosität – wir Menschen sind aus einer gewissen Perspektive nicht mehr allein im Glauben.

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