So riechen Elden Ring, Call of Duty und Co.: Ich habe GameScent getestet und stehe zwischen Marzipan-Explosionen und Parfüm-Stürmen

Wie riecht ein Zauber in Elden Ring oder ein Schuss in eurem Lieblings-Shooter? Ich durfte es herausfinden.

Noch nie zuvor durfte ich Videospielen riechen. Lohnt sich der GameScent? Noch nie zuvor durfte ich Videospielen riechen. Lohnt sich der GameScent?

Es muss vor rund 22 Jahren gewesen sein, als sich meine Leidenschaft für Gaming entwickelt hat. Damals hauptsächlich wegen Pokémon Saphir und Ratchet & Clank.

Ob es zu dieser Zeit oder ein paar Jahre später war, kann ich nicht sagen, doch eins ist sicher: Schon als Kind dachte ich mir, wie cool wäre es, wenn ich direkt im Spiel sein könnte.

Den Wind im Gesicht spüren, den Weg zwischen Blütenburg City und Metarost City persönlich erkunden und die Waldluft riechen, die mich umgibt.

Mit VR ist der visuelle Teil dieses Traums mehr oder weniger abgehakt, auch wenn es da noch Optimierungsbedarf gibt. Doch die Sache mit dem Riechen hat auf sich warten lassen. 

GameScent hat jetzt etwas daran geändert.

Jan Stahnke
Jan Stahnke

Seit August 2022 ist Jan ein Teil der Tech-Nerds von Gamestar Tech. Nach drei Jahren Ausbildung zum Informatikkaufmann hat er Informatik – Game Engineering studiert, bis er, drei Semester später, festgestellt hat, dass er doch lieber berichtet, als entwickelt.

Nach einem drei-jährigen Exkurs als Radiomoderator und Redakteur, schreibt er jetzt über KI, PlayStation und alles, was das Tech-Herz begehrt.

Was ist GameScent?

GameScent ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das ein Produkt mit demselben Namen auf den Markt gebracht hat. Es stößt Düfte aus, die zum Spielinhalt passen sollen, um Gaming so eine neue Dimension hinzuzufügen.

Das Ziel: Tiefere Immersion.

Der »Atomizer« ist das Gerät, das die Düfte zerstäubt. Es hat auf jeder zweiten Seite zwei blaue LED-Streifen. Der »Atomizer« ist das Gerät, das die Düfte zerstäubt. Es hat auf jeder zweiten Seite zwei blaue LED-Streifen.

Wie funktioniert der GameScent? Das Gerät kommt mit sechs Duftflaschen, die man in den sogenannten »Atomizer« einsetzt. Dieser stäubt je nach Situation und Umgebung im Spiel einen oder mehrere der sechs Düfte aus:

  • (Pistolen-) Schüsse
  • Explosion
  • Wald
  • Saubere Luft
  • Sturm
  • Rennautos

Welche Spiele habe ich gespielt? Beim Testen habe ich mehrere Titel gespielt, um möglichst viele In-Game-Situationen abzudecken. Darunter:

Nur auf Rennspiele habe ich verzichtet, da ich kein einziges besitze.

Woher weiß der GameScent welcher Duft gerade angemessen ist? Das wird mit einem Adapter geregelt, der das Audiosignal aus dem HDMI-Signal abfängt und analysiert. Dazu steckt man einfach das HDMI-Kabel, das aus der Konsole oder dem PC kommt, in den mitgelieferten Adapter und von dort wird das Signal wieder per HDMI-Kabel weitergegeben.

Der Adapter fängt das HMDI-Signal der Konsole oder des PCs ab und analysiert die Audiospur. Der Adapter fängt das HMDI-Signal der Konsole oder des PCs ab und analysiert die Audiospur.

GameScent: Irgendwo zwischen Spiele-Revolution und Kinderschuhen

Ich muss zugeben: Als ich den GameScent angeschlossen hatte, haben Vorfreude und Zweifel immer wieder um die Vorherrschaft gekämpft. 

Da schossen mir Fragen durch den Kopf wie: »Sind sechs Düfte wirklich genug, um ein rundes Dufterlebnis zu gewährleisten?« oder »Wie gut erkennt der GameScent wohl, welchen Duft er ausstoßen muss?«.

Nachdem ich den edlen Duftspender dann getestet hatte, war ich ähnlich hin- und hergerissen. Denn ganz perfekt ist er GameScent sicherlich nicht. Doch eins nach dem anderen. 

Was mir gut gefallen hat

Ein ganz neues Spielerlebnis: Es ist schon komisch, wie sich ein Spiel nochmal ganz anders anfühlt, wenn man es mit einem zusätzlichen Sinn wahrnimmt. Vor allem, wenn der Duft genau zur Umgebung oder zum Geschehen passt. Das ist zwar nicht immer ganz der Fall, doch später mehr dazu.

Gute Audio-Analyse: Was die automatische Erkennung des passenden Duftes angeht, hatte ich anfangs starke Zweifel. Das lag hauptsächlich daran, dass die Düfte über das Audiosignal interpretiert werden und ich davon ausging, dass das unpräzise sei.

Doch ich muss sagen: Es funktioniert überraschend gut. 

Einer der sechs Düfte. Nach circa 8 Stunden Test-Spielen stehen die meisten Düfte noch auf 99 Prozent Inhalt. Einsehbar in der App. Einer der sechs Düfte. Nach circa 8 Stunden Test-Spielen stehen die meisten Düfte noch auf 99 Prozent Inhalt. Einsehbar in der App.

Gibt es einen lauten Knall, wird der Explosionsduft versprüht, wenn ich schieße, wird der Schussgeruch abgesondert und so weiter.

Nur der Wald- und frische-Luft-Geruch wurden etwas zu selten ausgelöst.

Es duftet: Falls ihr euch wie ich im Vorhinein die Frage stellt, ob nach einer Gaming-Session mit dem GameScent die ganze Bude nach Feuer und Rauch stinkt, kann ich euch beruhigen.

Die meisten Düfte riechen tatsächlich sehr gut. 

Besonders die dezenteren Düfte »Forest« und »Clean Air« sind angenehm für das Riechorgan und passen besonders gut zu den jeweiligen Umgebungen. Leider werden die beiden Düfte auch am seltensten genutzt, obwohl es angebracht wäre. 

Ich vermute, dass das daran liegt, dass eine Explosion deutlich leichter aus einer Audiospur zu erkennen ist als Vogelgezwitscher in einem Wald. 

Und selbst wenn der GameScent nicht eingeschaltet ist, gibt er einen schwachen wohlriechenden Duft ab, der an die Parfüm-Abteilung des nächsten Drogeriemarktes erinnert. 

Bedauerlicherweise kann man das auch als Nachteil interpretieren.

Was mir nicht gefallen hat

Manche Gerüche enttäuschen: Leider riechen einige der Düfte nicht so, wie sie sollen. Wie weiter oben erwähnt, erinnern vor allem »Forest« und »Clean Air« an einen echten Wald und an frische Luft. 

Doch »Storm«, »Explosion« und »Gunfire« lassen stark zu wünschen übrig. 

Die letzteren beiden Düfte erinnern mich zumindest eher an Marzipan als an Feuer und Schießpulver.  

»Storm« hingegen riecht eher nach einem klassischen Parfüm. Das hat dafür gesorgt, dass ich mich etwas seltsam gefühlt habe, als ich durch eine Art frisch parfümiertes Farum Azula (Elden Ring) lief.

Das Gebiet »Crumbling Farum Azula« in Elden Ring ist von Tornados umgeben und dementsprechend recht stürmisch. Doch anstelle von Staub und Schmutz steigt mir beim Testen ein Geruch in die Nase, als hätte sich mein Charakter in die Parfüm-Abteilung der nächsten Drogerie verirrt. (Bild: Elden Ring Wiki) Das Gebiet »Crumbling Farum Azula« in Elden Ring ist von Tornados umgeben und dementsprechend recht stürmisch. Doch anstelle von Staub und Schmutz steigt mir beim Testen ein Geruch in die Nase, als hätte sich mein Charakter in die Parfüm-Abteilung der nächsten Drogerie verirrt. (Bild: Elden Ring Wiki)

Hier würde ich mir in Zukunft Gerüche wünschen, die ein wenig mehr von dem haben, wonach sie tatsächlich riechen sollen. 

Schon klar: Nach einer kleinen Gaming-Runde sollte die ganze Bude nicht nach Feuersturm und Tod riechen, aber ein bisschen dreckiger darf es für meinen Geschmack schon sein.

Zu wenige Gerüche: Neben dem Problem der unpräzisen Düfte ist da noch das offensichtliche: 

Spielwelten können mit 6 Düften einfach nicht genau dargestellt werden. 

Hier verspricht GameScent allerdings bereist Besserung und hat schon weitere Gerüche angekündigt:

  • Blut
  • Ozean
  • Sport Arena
  • Frisch gemähtes Gras

Die App: Leider muss ich sagen, dass die Installation zwar kurz, aber dennoch nervtötend ist. Denn die App, mit der man das GameScent einrichtet, ist wenig intuitiv. 

Sie hat mich beim ersten Starten beispielsweise in eine Art Guide-Auflistung geführt, von der ich ausging, dass ich hier durch die Installation geleitet werde. 

Stattdessen war es nur eine Art Dokumentation des Installationsprozesses, in der Screenshots so dargestellt wurden, dass ich annahm, ich wäre bereits mitten drin. Doch um den richtigen Prozess zu starten, musste ich in der App zurücknavigieren und dort ein wenig suchen, bis ich den richtigen Button gefunden habe. 

Klingt verwirrend? War es auch. Hier könnte GameScent definitiv nachbessern.

Tipps für den GameScent

Falls ihr trotz einiger anfänglicher Schwächen Lust habt, euch einen GameScent ins Wohnzimmer zu stellen, habe ich hier noch ein paar Tipps für euch:

  • Falls mal ein Duft nicht ausgelöst wird, den ihr in dem jeweiligen Spielabschnitt gerne riechen würdet, könnt ihr den Geruch in der App auch manuell ausstoßen lassen. Dazu genügt ein Tippen auf den jeweiligen Duft.
  • Manchmal dauert es etwas, bis der Geruch in euren Nasenhöhlen ankommt. Hier lohnt sich etwas Geduld. Man gewöhnt sich allerdings schnell an die Verzögerung.
  • Der GameScent riecht insgesamt zwar sehr angenehm, doch die Gerüche sind auch sehr stark. Setzt euch also nicht direkt davor und lüftet auch ab und zu mal durch.

Elden Ring - Zum Start von Shadow of the Erdtree bringt euch das Story-Recap auf den neusten Stand Video starten 3:54 Elden Ring - Zum Start von Shadow of the Erdtree bringt euch das Story-Recap auf den neusten Stand

Fazit der Redaktion

Jan Stahnke: Ich wollte es so sehr lieben, doch der GameScent steckt noch zu tief in den Kinderschuhen. Das größte Problem sind wohl die unpassenden Gerüche (Stichwort: Marzipansturm), die mich doch etwas enttäuscht zurückgelassen haben.

Und dennoch: Der GameScent sorgt für ein Spielerlebnis, wie es die meisten von euch bisher sicher noch nicht erlebt haben. 

Wenn ihr experimentierfreudig seid und euch gerne tief in die Spielwelten eurer Lieblingsspiele einfühlen wollt, ergibt es durchaus Sinn, eure Gaming-Sessions mit dem Geruchssinn zu erweitern. Vor allem, wenn es euch wenig ausmacht, dass die Düfte nicht ganz so riechen, wie man es sich erst vorstellt.

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Ich hoffe, dass GameScent weiterhin an den Düften arbeitet und schon bestehende in Zukunft noch etwas anpasst. 

Ich sehe definitiv das Potenzial für eine Art GameScent 2, der mehr Plätze für Duftflaschen und dementsprechend auch mehr Düfte zur Verfügung hat. 

Doch für jetzt bleibt der GameScent erstmal eine Spielerei – wenn auch eine verdammt witzige und spannende. 

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