Garfield ist ein orangefarbener Zeichentrickkater, der für eine Katze sehr menschliche Alltagsprobleme hat. In einem kleinen Ort an der französischen Küste wurde seit Anfang der Achtziger jedoch Garfield selbst zum Problem:
Jeder Sturm hinterließ zahlreiche Plastiktelefone in Garfield-Form am Strand – der zynische Kater wurde für die Region zum Sinnbild für eine der größten Katastrophen unserer Zeit: die Plastikverschmutzung der Meere.
Drollige Telefone am Strand werden zum Symbol für ein massives Problem
Wer am Strand spazieren geht, erwartet dort Muscheln unterschiedlichster Farbe und Form, Algen und vielleicht auch hin und wieder angespülte Meereslebewesen. An den Ständen rund um das bretonische Plouarzel in Nordfrankreich fand man über Jahrzehnte aber vor allem schwarz-orangene Plastikteile:
Aufgerollte Telefonschnüre, Hörer und Katzenköpfe. Allesamt von Haustelefonen in Garfield-Form mit aufklappbaren Augen, die heute auf Verkaufsportalen als Rarität für über 100 Euro gehandelt werden.
Link zum YouTube-Inhalt
Für die bretonische Naturschutzorganisation Ar Viltansoù wurden die Plastiktelefone am Strand laut dem französischen Radiosender FranceInfo zu einem »Symbol der Meeresverschmutzung«. Und die nimmt nicht erst seit den 80er Jahren richtig Fahrt auf:
Der Deutschlandfunk zitiert einen Artikel aus dem April 1972, in dem sich der junge Biologe Ed Carpenter besorgt zeigt:
Plastik wird erst seit dem Zweiten Weltkrieg in großen Mengen hergestellt. Ich finde es erschreckend, dass es schon nach 25 Jahren mitten im Ozean auftaucht. Da fragt man sich doch, was wird erst in 50 oder 100 Jahren sein?
Seitdem hat sich die Plastikproduktion laut dem Deutschlandfunk massiv ausgeweitet:
- Mitte der Siebziger wurden fast 50 Millionen Tonnen Plastik produziert.
- Mitte der Achtziger, als auch die Garfield-Telefone ins Meer kamen, waren es bereits weit über 70 Millionen Tonnen.
- Der WWF schätzt, dass sich heute zwischen 80 und 150 Millionen Tonnen Plastik im Meer befinden – mehr als vor rund 50 Jahren überhaupt produziert wurde.
Das Problem an Plastik: Es verrottet nicht. Laut WWF können bis zur vollständigen Zersetzung hunderte bis tausende Jahre vergehen. Bis dahin zerfällt das Material zu immer kleineren Teilen, dem sogenannten Mikroplastik.
Das Rätsel hätte schon längst gelöst sein können
So erinnerte sich auch ein Bauer aus der Gegend – René Morvan – FranceInfo gegenüber daran, wie er Anfang der Achtziger nach einem Sturm plötzlich überall Telefone am Strand fand.
Das wiederholte sich mit jedem weiteren Sturm – nur dass aus vollständigen Telefonen immer mehr zusehends verwaschene Einzelteile wurden.
Morvan war es schließlich auch, der schließlich 2019, nach rund 35 Jahren den entscheidenden Hinweis zur Lösung des Rätsels gab.
- Wie sich die französischen Umweltaktivisten und vermutlich auch einige von euch bereits dachten: Die Quelle für die mysteriösen Telefone war ein Frachtcontainer, der offenbar von Board gegangen war.
- Dass er einen Ort jedoch über Jahrzehnte in Atem halten konnte, war der Tatsache geschuldet, dass er sich in einer Meereshöhle verkantet hat, die nur bei Ebbe und sehr starker Flut zugänglich ist.
- Die hatte Morvan gemeinsam mit seinem Bruder schon nach dem ersten Sturm, der die ersten Telefone brachte, aufgesucht und den Container dort entdeckt.
Auf die Frage, warum er sich nicht früher bei den Behörden gemeldet habe, gibt Morvan FranceInfo eine knappe wie bemerkenswerte Antwort:
Damals kam einfach so viel von der See.
Wo der Umweltschützer Ed Carpenter 1972 noch erschrocken ist, dass er Plastik im Ozean findet, ist es rund 10 Jahre später für den Küstenbewohner Morvan schon Alltag. Heute dürfte das Problembewusstsein um die Plastikverschmutzung der Meere glücklicherweise wieder größer sein.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.