Wer jetzt seine alte Grafikkarte verkauft, verdient so viel wie nie

Das hätten wir Anfang 2021 nicht gedacht: Schon damals konnte man sehr viel Geld mit alten GPUs verdienen, doch Anfang 2022 sieht die Welt nochmal ganz anders aus.

von Nils Raettig,
03.01.2022 15:07 Uhr

Bevor wir uns dem eigentlichen Inhalt dieses Artikels zuwenden, muss ich euch ein Geständnis machen: Ihr seid Teil eines kleinen Experiments. Denn vor etwa einem Jahr habe ich bereits den gleichen Artikel geschrieben, zumindest mit Blick auf die Überschrift und das oben zu sehende Teaser-Bild.

Damals hat die Meldung großes Interesse hervorgerufen, obwohl schlecht lieferbare und sehr teure Grafikkarten auch im Januar 2021 schon seit Wochen zum Alltag gehörten. Die spannende Frage lautet nun, wie das zwölf Monate voller schlechter Nachrichten über Grafikkartenpreise später aussieht? Meine Prognose: Euer Interesse wird wesentlich geringer sein.

Es würde dieses Experiment aber nicht geben, wenn ich den Vergleich der Preise von damals und heute nicht auch ganz unabhängig von der Frage des allgemeinen Interesses sehr spannend finden würde - oder besser gesagt: sehr erschreckend. Den Artikel vom letzten Jahr findet ihr übrigens unter dem folgenden Link. Nicht wundern, aufgrund eines Updates wurde die Überschrift damals später geändert.

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Die Preissteigerung ist immens

Kommen wir zu den Zahlen, um die es vorrangig geht. Wir vergleichen jeweils den durchschnittlichen Verkaufspreis älterer Grafikkarten bei Ebay auf Basis der letzten 30 erfolgreich verkaufen Modelle. Es zählen nur funktionsfähige GPUs und Einzelverkäufe.

Schon im Januar 2021 haben wir die damaligen Preissteigerung im Vergleich zum November 2020 als sehr beachtlich empfunden. Ein Jahr später sehen die Zahlen aber nochmal ganz anders aus:

Grafikkartenpreise bei Ebay - Ältere Modelle
Durchschnitt aus 30 verkauften Angeboten

  • Januar 2022
  • Januar 2021
  • November 2020
RX 5700 XT 8.192 MByte
899
510
383
RTX 2070 Super 8.192 MByte
655
519
453
RX Vega 56 8.192 MByte
647
304
226
GTX 1080 Ti 11.264 MByte
601
467
391
GTX 1070 8.192 MByte
374
292
203
RX 580 8.192 MByte
366
257
145
GTX 1060 6.144 MByte
277
207
140
RX 570 4.096 MByte
206
122
96
  • 0
  • 180
  • 360
  • 540
  • 720
  • 900

Im Schnitt lag die Preissteigerung gegenüber November 2020 vor einem Jahr bei 37,2 Prozent. Ein Jahr später sind es über 108 Prozent - alte Grafikkarten kosten mittlerweile also oft mehr als doppelt so viel wie Ende 2020.

Besonders stark sind die AMD-Modelle betroffen, hier liegt die Steigerung sogar bei fast 150 Prozent. Der naheliegende Grund: Die alten AMD-Karten eignen sich meist besser für das Mining von Kryptowährungen als die alten Nvidia-Modelle.

Aber hey, wieso die alte Grafikkarte verkaufen, wenn man damit auch was anderes anstellen kann? Macht's so wie unser Autor Sascha Penzhorn, der seinen angestaubten 3D-Beschleuniger in einen PC eingesetzt hat, um seinem Sohn eine Freude zu machen. Doch beim Versand des Rechners kam es zu so einigen Problemen:

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Keine Grafikkarte ist auch keine Lösung

Es stimmt also auch ein Jahr später erneut, dass ihr mit dem Verkauf eurer alten Grafikkarte so viel verdient wie noch nie - wenn ihr sie denn entbehren könnt und/oder das nötige Kleingeld besitzt, um euch eine GPU der aktuellen Generation zu kaufen. In den meisten Fällen bedeutet das Kosten im vierstelligen Bereich.

Unsere jüngste Umfrage zu euren Grafikkarten zeigt, dass die Community hier ein gemischtes Bild ergibt. Viele von euch besitzen demnach zwar bereits eine RTX 3000 oder RX 6000, es sind aber eben so noch viele mit älteren GPUs aus der GTX-1000-Reihe oder der RX-5000-Reihe unterwegs.

Wie geht es 2022 weiter?

Eine Entspannung der Lage ist nicht wirklich in Sicht, ihr müsst euch also erstmal weiterhin auf hohe Kosten einstellen. Ende des Jahres werden sowohl von AMD als auch von Nvidia neue GPU-Generationen erwartet, die voraussichtlich nicht viel günstiger ausfallen. Vielleicht beginnt dann aber zumindest ein Trend zur Besserung. Mehr darüber lest ihr im Artikel Werden Grafikkarten 2022 endlich wieder billiger?.

Eine Erwähnung wert ist außerdem Intel, schließlich steigt der CPU-Gigant Anfang 2022 mit den Arc-Grafikkarten auch in den Ring. Und an spezieller Hardware für das Mining zur Entlastung der Nachfrage arbeitet Intel ebenfalls. Bleibt abschließend zu hoffen, dass wir dieses Experiment Anfang 2023 nicht wiederholen können, weil die Überschrift dann nicht mehr den Tatsachen entspricht.

Wie schätzt ihr die Lage ein? Werden gebrauchte Grafikkarten auch in einem Jahr wieder zu Rekordpreisen bei Ebay verkauft, sinken die Kosten nennenswert oder bleibt die Lage ungefähr so, wie sie jetzt gerade ist? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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