Vor 2 Jahren herrschte Panik um Adblocker in Google Chrome. Heute zeigt eine Studie: Sie sind sogar noch besser geworden

Der Wechsel von Manifest V2 auf V3 versetzte die Tech-Welt in Panik: Das Ende der Adblocker unter Chrome? Heute zeigt eine Studie: Das Gegenteil ist der Fall.

Die Befürchtung war groß: Bald wären populäre Adblocker wie uBlock Origin in Chrome nur noch ein Schatten ihrer selbst. (Bildquelle rechts: Wikimedia Commons) Die Befürchtung war groß: Bald wären populäre Adblocker wie uBlock Origin in Chrome nur noch ein Schatten ihrer selbst. (Bildquelle rechts: Wikimedia Commons)

Hinterhältig und bedrohlich titelte vor rund vier Jahren eine US-amerikanische Bürgerrechtsorganisation zur geplanten Umstellung von Manifest V2 zu V3. Die Sorge in der Tech-Community war groß: Google würde nun – unter dem Deckmantel von Sicherheit und Privatsphäre – Adblocker in Chrome massiv einschränken, um den eigenen Profit im Werbegeschäft abzusichern.

Zwischen Sommer 2024 und dem endgültigen Stichtag im Juli 2025 wurde der Wechsel schließlich vollzogen. Das Ende der Werbeblocker unter Google Chrome so wie wir sie kennen?

Eine Studie aus Deutschland hat nun genau das untersucht und zeigt: Die Befürchtungen waren weitgehend unbegründet – tatsächlich ist für Nutzer das Gegenteil der Fall.

Privatsphäre oder Profit? Die Angst um das Ende der AdBlocker war groß

Nein, Chrome tötet keine Werbeblocker – wir machen sie sicherer.

Das schrieb Google-Entwickler Devlin Cronin bereits 2019 auf dem Google Security Blog. Damit verteidigte er den Wechsel von Manifest V2 auf V3 – ein neues technisches Regelwerk, das die Arbeitsweise von Browser-Erweiterungen grundlegend reformiert.

Was sind Manifest V2 und V3?

manifest.json ist eine Text-Datei, die zwingend in jeder Browser-Erweiterung für Chrome enthalten sein muss. Man kann sie sich ein wenig wie die Hausordnung von Google Chrome für seine Erweiterungen vorstellen. Dort steht beispielsweise auch, welche APIs die Erweiterung nutzen darf.

Mit der Einführung von Manifest V2 ab 2012 nutzten Werbeblocker aus den Chrome-Erweiterungen die sogenannte Web Request API. Die Werbeblocker fungierten dabei quasi wie Türsteher, die jede einzelne Datenanfrage des Nutzers direkt einsehen und aussortieren durften. Google sah darin ein Sicherheitsrisiko, da bösartige Erweiterungen diese Macht zum Datenspionieren missbrauchen könnten.

Manifest V3 wurde ab 2021 schrittweise eingeführt. Mit der Änderung wurde die neue Declarative Net Request API eingeführt und der oben beschriebene Prozess quasi umgedreht. Die Kontrolle wanderte von den Entwicklern direkt zum Browser. Die Erweiterung darf nun nicht mehr selbst »mitlesen«, sondern übergibt Chrome lediglich eine Liste mit Filterregeln. Den eigentlichen »Türsteherposten« übernimmt nun der Browser selbst und gleicht die Anfragen mit dieser Liste ab.

Google begründete den Wechsel von Manifest V2 zu V3 offiziell mit folgenden Punkten:

  • Performance: Höhere Browser-Geschwindigkeit durch effizientere Verarbeitung der Filterregeln direkt durch Chrome.
  • Datenschutz: Erweiterungen sollen Werbung blockieren können, ohne Zugriff auf sensible private Daten (wie E-Mails oder Fotos) zu erhalten.
  • Sicherheit: Verhinderung des Missbrauchs durch bösartige Erweiterungen, die zuvor den gesamten Datenverkehr mitlesen konnten.

Doch unter den Nutzern war die Sorge groß, hier werde unter dem Deckmantel der Sicherheit den Adblockern zur Profitmaximierung der Garaus gemacht:

  • Electronic Frontier Foundation (EFF): Die Bürgerrechtsorganisation bezeichnete das Update schon in der Überschrift als hinterhältig und bedrohlich. Die Kritik: Google schiebe Sicherheitsargumente nur vor, um in Wahrheit die Kontrolle der Nutzer über ihre eigenen Browser einzuschränken.
  • Ars Technica: Das Magazin titelte: Chromes nächste Waffe im Krieg gegen Werbeblocker. Hier wurde die Befürchtung laut, dass Google seine Marktmacht missbraucht, um das lukrative Werbegeschäft gegen unliebsame Filter-Tools zu verteidigen.
  • GameStar Tech: Auch bei uns war die Sorge groß, dass Google den Platzhirsch unter den Adblockern uBlock Origin allmählich absäge und das Tool mit uBlock Origin Lite durch den Wechsel auf Manifest V3 gewissermaßen unbrauchbar werde.

Unsere Ergebnisse sind beruhigend für die Nutzer: Studie widerlegt die Befürchtungen

Im renommierten Journal Proceedings on Privacy Enhancing Technologies (PoPETs) wurde nun eine Studie der Goethe-Universität Frankfurt veröffentlicht, die den Einfluss des Wechsels auf Manifest V3 auf die Privatsphäre und die Performance von Werbeblockern untersucht.

Die Autoren widerlegen darin die Befürchtungen einer Schwächung der Filterleistung von Werbeblockern:

  • Die Effektivität bleibt stabil: Die Forscher verglichen MV3-Versionen populärer Werbeblocker (wie etwa uBlock Origin Lite) direkt mit ihren MV2-Vorgängern und stellten keine statistisch signifikante Verringerung der Adblock-Leistung fest. Die Befürchtung, die neue Technik würde Blocker unbrauchbar machen, erweist sich als unbegründet
  • Der Tracker-Schutz steigt sogar: Die MV3-Blocker schnitten beim Unterbinden von Tracking-Versuchen sogar besser ab und blockierten im Schnitt 1,8 Tracker mehr pro Webseite als die alten Versionen.
  • Optische Mängel statt funktionaler Fehler: Die Studie fand keine nennenswerten Probleme mit Ad Flickering, also dem kurzen Aufblitzen von Werbung oder kaputten Webseitenfunktionen. Allerdings entstanden in etwas über 20 Prozent der Fälle kosmetische Platzhalter – also leere weiße Boxen dort, wo vorher Anzeigen waren –, während diese unter MV2 noch konsequent unsichtbar gemacht wurden.
  • Mythos der »Limitierung« widerlegt: Entgegen der Sorge vieler Entwickler führt die gleichzeitige Nutzung mehrerer Blocker unter V3 nicht zu einer Schwächung durch technische Limits. Im Gegenteil: Die Kombination mehrerer Blocker verbesserte den Tracking-Schutz signifikant, ohne die Blockier-Leistung negativ zu beeinflussen.

Fazit: Die Adblocker sind mit Manifest V3 eher besser geworden

Dass die prophezeite Adblocker-Apokalypse ausgeblieben ist, liegt laut der Studie vor allem an der enormen Anpassungsfähigkeit der Entwickler-Community. Die populären Anbieter investierten massiv, um innerhalb der neuen Grenzen von Manifest V3 die gewohnte Leistung zu bringen.

Die Autoren stellen fest:

Unsere Ergebnisse sind beruhigend für die Nutzer.

Googles Versprechen, den Browser sicherer zu machen, scheint sich zu bewahrheiten. Durch die Einschränkung der ehemaligen Web Request API wurde bösartigen Erweiterungen tatsächlich die Möglichkeit entzogen, den gesamten Datenverkehr – inklusive Passwörtern – im Hintergrund mitzulesen.

Entgegen der Befürchtungen arbeiten Adblocker wie uBlock Origin Lite heute sogar noch präziser. Die Nutzer müssen nun lediglich in einem Fünftel der Fälle mit unschönen weißen Flächen auf den Webseiten leben, die früher von Blockern komplett entfernt wurden.

Alles in allem hat Google mit dem Wechsel auf Manifest V3 den Adblockern also nicht final den Garaus gemacht, sondern sie zur Evolution gezwungen – erfreuliche Nachrichten für die Nutzer.

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