Das KI-Startup Perplexity will nicht nur Google Konkurrenz mit seiner KI-Suche machen, sondern hat noch konkretere Pläne. Zum einen wollen sie Chrome aufkaufen und zum anderen haben sie seit einigen Wochen einen neuen Browser veröffentlicht, der Chrome noch mehr einheizen soll.
Seit ein paar Tagen ist er auch in Deutschland frei zum Download verfügbar. Ich habe ihn für euch angetestet und kann euch in diesem Ersteindruck sagen, ob es sich lohnt, den Browser auszuprobieren.
Das hat mir gefallen: Die KI-Features sind eine echte Hilfe
Comet will nicht einfach nur ein weiterer Browser sein, sondern den Alltag mit cleveren KI-Funktionen erleichtern. Zwei davon sind mir besonders positiv aufgefallen:
Der persönliche Assistent: Der persönliche KI-Assistent ist jederzeit per Knopfdruck verfügbar und kann euch nicht nur herkömmliche Fragen beantworten, wie ihr das von Perplexity, ChatGPT und Co. kennt.
Er kann auch bestimmte Aktionen für euch durchführen, zum Beispiel die wichtigsten ungelesenen Mails aus eurem Postfach heraussuchen. Dazu müsst ihr den Browser nur mit eurem Google-Account verbinden.
In meinem ersten Test funktionierte das erstaunlich gut und sparte mir das mühsame Durchforsten des Posteingangs. Eine wirklich nützliche Anwendung von KI im Browser. Und das ist nur eine von vielen Möglichkeiten des Assistenten.
Perplexity Discover – euer kuratierter Nachrichten-Feed: Statt einer leeren Seite oder beliebigen News-Vorschlägen präsentiert Comet den »Discover«-Feed, wie ihr ihn ähnlich von Google kennen könntet.
Hier werden aktuelle Themen aus verschiedenen Bereichen wie Technologie oder Wissenschaft nicht nur aufgelistet, sondern die Quellen direkt von der Perplexity-KI zusammengefasst. Es wird also ein Artikel geschrieben, der eine Zusammenfassung aus diversen Quellen ist (oftmals um die 40 Quellen pro Thema).
Das ist eine starke Nummer und bietet einen schnellen, gut kuratierten Überblick über die Nachrichtenlage. Doch das gilt momentan nur für Nutzer, die den Browser auf Englisch gestellt haben. Und damit kommen wir zu den Dingen, die mich eher enttäuscht haben.
Was mir weniger gefällt
So vielversprechend die KI-Integration ist, so sehr krankt Comet an einer überraschenden Stelle: der Übersetzung – vor allem in Bezug auf den ansonsten sehr hilfreichen Discover-Feed.
Direkt in der oberen Leiste prangt ein Übersetzer-Button, der gleichzeitig das Google Translate-Logo darstellt. Somit nutzt diese Funktion vermutlich Google Translate – und übernimmt dessen Schwächen.
Ein perfektes Beispiel lieferte mir der Discover-Feed direkt bei der ersten Meldung. Eine englische Nachricht über das KI-Startup »Lovable« wurde mit der folgenden Überschrift übersetzt: »Liebenswerter CEO bleibt trotz wachsender Vibe-Coding-Konkurrenz zuversichtlich«.
Das Problem: »Lovable« ist hier der Firmenname und kein Adjektiv. Es geht nicht um einen »liebenswerten CEO«, sondern um ein Unternehmen, das gerade mit einer Bewertung von 1,8 Milliarden US-Dollar zum schnellst wachsenden KI-Unternehmen in Europa wurde.
Die KI hat den Eigennamen fälschlicherweise übersetzt und so den Kontext der gesamten Nachricht verändert.
Genau hier liegt die Krux: Perplexity baut einen hochmodernen KI-Browser, verlässt sich aber bei einer Kernfunktion auf eine Plattform, die solche gravierenden kontextuellen Fehler macht. Jede KI könnte das besser übersetzen.
Link zum YouTube-Inhalt
Da stelle ich mir schon die Frage, warum sich Perplexity dafür entschieden hat. Wer sich also nicht auf die fehlerhaften Übersetzungen verlassen möchte, sollte den Feed auf Englisch umstellen. Nur schade, dass das einige Nutzer ausschließt.
Zusätzlich ist ein Sprachassistent integriert, der Befehle auf Deutsch und Englisch versteht. Er funktioniert solide, solange man seine Anweisungen sehr klar formuliert, doch ein wenig enttäuscht bin ich trotzdem.
Er kann nämlich die Assistenten-Funktionen, die auf Google-Dienste zugreifen, nicht ausführen. Ich muss dafür also Prompts eingeben, wie üblich. Das ergibt für mich nicht sehr viel Sinn. Warum trennt man den Assistenten vom Sprachassistenten? Das ist schon allein der Namensgebung wegen verwirrend.
Mein vorläufiges Fazit
Jan Stahnke: Perplexity Comet ist ein Browser mit enormem Potenzial. So viel konnte ich in zwei Tagen auf jeden Fall feststellen. Die Idee, den Alltag durch intelligente KI-Funktionen wie die Mail-Zusammenfassung und den Discover-Feed zu erleichtern, ist super umgesetzt.
Doch der Browser steht und fällt mit der Qualität seiner KI. Wenn eine so prominente Funktion wie der Übersetzer im Discover-Feed Eigennamen falsch interpretiert und damit den Sinn von Nachrichten verfälscht, untergräbt das das Vertrauen in die Technologie.
Hier muss Perplexity dringend nachbessern und beweisen, dass die eigene KI schlauer ist als die alten Schwächen von Google Translate, das sich seit 2006 qualitativ kaum verändert hat – zumindest meinem Gefühl nach.
Wenn ich den Browser ein wenig ausführlicher getestet habe, bekommt ihr natürlich ein endgültiges Fazit von mir.
Stellt mir bis dahin gerne Fragen zum Browser in den Kommentaren.
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