Eine Investorengruppe rund um Tesla-CEO Elon Musk will die Non-Profit-Organisation hinter OpenAI für 97,4 Milliarden US-Dollar kaufen. Zuerst berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf anonyme Quellen von dem Angebot. OpenAI ist vor allem für den Chatbot ChatGPT bekannt.
Musks Anwalt Marc Toberoff nahm kurz darauf gegenüber CNBC Stellung: Das Angebot sei am Montag unterbreitet worden und es sei Zeit für OpenAI, wieder zu der Open-Source- und sicherheitsfokussierten Macht des Guten zu werden, die es einst war.
Mit dem Angebot wolle man alle Vermögenswerte der Organisation erwerben und sie ausschließlich für die originale karitative Mission von OpenAI, Inc. verwenden.
Darüber hinaus wolle die Investorengruppe mit künftigen Angeboten von weiteren Interessenten gleichziehen.
OpenAI-CEO Sam Altman reagierte auf Musks Kurznachrichtendienst X abweisend auf das Angebot: Nein danke, aber wir würden Twitter für 9,74 Milliarden kaufen, wenn du magst.
Musk hatte die damals noch als Twitter bekannte soziale Plattform im Oktober 2022 für rund 44 Milliarden US-Dollar gekauft. Musks Antwort fiel kurz aus – er nannte Altman nur einen Schwindler
.
Darüber hinaus wollte sich OpenAI nicht weiter zu dem Angebot äußern. Laut einer nicht näher benannten Quelle soll das Unternehmen das Angebot bisher aber auch nicht zu Gesicht bekommen haben.
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Musk, Altman, OpenAI: Ein Trio mit Vergangenheit
Die beiden Milliardäre Musk und Altman haben bei OpenAI eine gemeinsame Vergangenheit: 2015 gehörten sie beide zu den Gründungsmitgliedern der damals vor allem spendenfinanzierten Organisation, deren gewinnorientierte Tochterfirma gleichen Namens erst 2019 gegründet wurde.
Bei der Gründung hatte die Organisation das Ziel, KI-Forschung unter Open-Source-Richtlinien dem Wohl der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.
2018 verließ Musk OpenAI – offiziell, um Interessenskonflikte mit Teslas KI-Entwicklungen zu vermeiden. Seit 2023 kritisierte er OpenAI und Altman jedoch immer wieder öffentlich, bezeichnete ChatGPT etwa als hoch unethisch und illegal.
Im März 2024 reichte Musk sogar Klage ein und warf der Organisation mit der Gründung des profitorientierten Unternehmens Vertragsbruch vor.
Ein taktisches Angebot?
Um Elon Musk reiht sich derzeit Schlagzeile um Schlagzeile – vor allem seit der Amtsübernahme von Donald Trump vor drei Wochen.
Die von ihm geführte Abteilung für Regierungseffizienz (Department of Government Efficiency = DOGE) zieht gerade durch US-Behörden wie das Finanzministerium oder die Gesundheitsbehörde und legt diese mit Sparmaßnahmen lahm. Er mischt sich aktiv in den deutschen Wahlkampf ein, pöbelt auf X und sorgt mit einer gemeinhin als Hitlergruß gedeuteten Geste für Aufsehen.
Die Menge an Nachrichten hat dabei Methode – und sogar einen Namen: Flood the Zone
bezeichnet eine Strategie, bei der man in so hoher Geschwindigkeit und so undurchschaubar Beschlüsse unterschreibt, Aussagen trifft und Grenzen überschreitet, dass das politische Gegenüber, aber auch Medien, Gerichte und Einzelpersonen nicht hinterherkommen.
Ob es sich auch bei dem OpenAI-Angebot um einen Teil der Strategie handelt, lässt sich noch nicht endgültig sagen.
Dass das Angebot von Musk an den ihm nicht freundlich gesinnten Altman aber nicht einmal zwei Drittel der aktuellen Bewertung von OpenAI in Höhe von 157 Milliarden US-Dollar umfasst, lässt eher auf ein politisches Spiel als auf ein ernst gemeintes Übernahmeangebot schließen.
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