Start-up baut »flüssige Leiterplatten«: Schaltkreise neu verdrahten, »bevor der Kaffee kalt wird«

Das Startup Itera stellt einen Prototypen vor, bei dem feste Kupferleiterbahnen durch steuerbare Flüssigmetalllegierungen auf Glas ersetzt werden – und dadurch in Windeseile neu verdrahtet werden können.

Iteras Architektur aus Glas und Flüssigmetall soll PCB-Iterationen auf Software-Geschwindigkeit bringen. (© Itera) Iteras Architektur aus Glas und Flüssigmetall soll PCB-Iterationen auf Software-Geschwindigkeit bringen. (© Itera)

Das US-Start-up »Itera« macht mit einem auf ersten Blick überraschenden Konzept auf sich aufmerksam: die »weltweit erste fluide Leiterplatte«.

Hierfür setzt Itera auf Elektrobenetzung – dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem elektrische Felder die Oberflächeneigenschaften von Flüssigkeiten auf einem Substrat verändern, um Flüssigmetalllegierungen präzise zu lenken und so die Leiterbahnen einer Platine zu formen.

Wie Itera gegenüber Tom's Hardware erklärt, sollen Ingenieure so den Schaltkreis physisch verdrahten können, noch »bevor der Kaffee kalt wird«.

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Wie die Technik funktioniert

Herkömmliche Leiterplatten (PCBs; »Printed Circuit Boards«) bestehen aus Kupferleiterbahnen auf einem Epoxid-Substrat.

  • Einmal produziert, sind die Verbindungen unveränderlich; wer eine andere Schaltungsroute testen möchte, muss eine neue Platine fertigen lassen.
  • Je nach Komplexität kann das Wochen in Anspruch nehmen – und schlägt deshalb unter Umständen auch enorm im Entwicklungsbudget ein.

Itera setzt stattdessen auf ein Glassubstrat, in dem Flüssigmetalllegierungen als dynamische Leiterbahnen fungieren. Über die erwähnte Elektrobenetzung lassen sich diese Pfade im laufenden Betrieb umkonfigurieren – echte elektronische Komponenten bleiben dabei montiert und liefern echtes elektrisches Verhalten.

Iteras Modell sieht vor, dass Ingenieurbüros und Hersteller ihre Designs an gesicherten Standorten in den USA aufbauen und testen lassen. Passt ein Ingenieur sein Layout an, fließt das Metall in neue Bahnen; die bestückten Bauteile bleiben an Ort und Stelle und liefern sofort testbare elektrische Ergebnisse.

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12 Millionen US-Dollar finanziert – und bereits erste Reservierungen

Zum Stealth-Exit hat Itera in einer ersten Finanzierungsrunde über 12 Millionen US-Dollar (rund 10,9 Millionen Euro) eingesammelt. Das Kapital soll genutzt werden, um das erste Produkt zur Marktreife zu bringen.

  • Diese erste Produktionsreihe soll laut Itera bereits von einem »Top-5-Automobilhersteller weltweit sowie einem Verteidigungsunternehmen« reserviert worden sein.
  • Darüber hinaus berichtet das Start-up von Interesse seitens eines »führenden Hyperscalers und mehrerer Chipsatz-Hersteller« – konkrete Namen nennt Itera dabei nicht.

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Ob dieser Ansatz in der industriellen Praxis hält, was der Stealth-Exit verspricht, dürfte sich aber erst noch zeigen. Ein Zeitplan für eine Produktveröffentlichung liegt nicht vor; die offizielle Itera-Webseite liefert indes nur die Anmeldemöglichkeit für eine Warteliste.

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