Am Wochenende habe ich eine interessante Kolumne von einem Kollegen von Windows Central gelesen. In dieser vergleicht Autor Cale Hunt den Aufstieg der Gaming-Handhelds mit dem Netbook-Trend der vergangenen Jahre.
Seine These: Gaming-Handhelds sind die neuen Netbooks und könnten dasselbe tragische Schicksal erleiden, nämlich vom Markt zu verschwinden.
Der Vergleich klingt erst einmal einleuchtend, aber ich bin anderer Meinung. Handhelds sind kein Netbook-Phänomen, sondern eher eine andere Form von Konsolen.
Netbooks vs. Handhelds: Warum der Vergleich hinkt
Was sind Netbooks überhaupt? Netbooks waren kleine, günstige Laptops, die ab 2007 für ein paar Jahre sehr beliebt waren. Sie boten ein kompaktes Format und einen niedrigen Preis, hatten aber auch klare Nachteile wie winzige Tastaturen, wenig Leistung und kleine Bildschirme.
Warum sind Netbooks gescheitert? Mit dem Aufkommen von Tablets, Chromebooks und leistungsfähigeren Ultrabooks verschwanden Netbooks schnell wieder vom Markt. Am Ende boten sie weder genug Leistung noch ein wirklich gutes Nutzererlebnis und wurden von Geräten verdrängt, die gleichzeitig mobiler, vielseitiger und leistungsstärker waren.
»Netbooks können nichts besser.«
Steve Jobs im Jahre 2010, bei der Vorstellung des ersten iPadsLink zum YouTube-Inhalt
Warum sollen Handhelds wie Netbooks scheitern? Cale Hunt von Windows Central argumentiert, dass der Markt gerade an einem Scheideweg steht: Einerseits gibt es günstige Geräte wie das Steam Deck, die viel Leistung fürs Geld bieten, andererseits immer teurere High-End-Handhelds von Asus, MSI, Lenovo oder Zotac Gaming, die mit Preisen von 700 bis 1.000 Euro fast schon in den Bereich leistungsfähiger Gaming-Laptops vordringen.
Hunt zieht hier die Parallele zu Netbooks, die zunächst mit niedrigem Preis und kleinem Formfaktor erfolgreich waren, dann aber immer teurer und leistungsfähiger wurden, bis sie kaum noch Vorteile gegenüber herkömmlichen Notebooks hatten.
Genau dieses Szenario könnte sich bei Handhelds wiederholen: Wenn Geräte fast so viel kosten wie ein Laptop, fragen sich viele irgendwann, warum sie nicht gleich den Laptop kaufen sollten.
Warum der Vergleich hinkt: Netbooks waren nichts anderes als abgespeckte Notebooks. Sie sind keine echte Gerätekategorie und genau deswegen gescheitert. Im Gegensatz dazu füllen Handhelds tatsächlich eine Lücke: echtes mobiles Gaming. Es existieren aber noch andere wichtige Unterschiede:
- Netbooks hatten nicht die Community und die Plattform, wie sie Handhelds heute genießen. Dazu zählen Betriebssysteme wie SteamOS, BazziteOS oder das überarbeitete Windows 11 der Asus ROG Xbox Ally und viel Zubehör, Mods und große Fan-Gemeinden.
- Netbooks waren im Großen und Ganzen nur »kleiner und billiger« als Laptops. Handhelds bieten hingegen eine andere Art und Weise zum Spielen und einen ganz anderen Formfaktor.
Doch jenseits der Theorie zeigt sich der Unterschied vor allem in der Praxis …
Meine persönliche Erfahrung: In den letzten 30 Tagen habe ich das Razer Blade 16 testen dürfen – ein High-End-Gaming-Notebook. Obwohl ich sehr gern an diesem Laptop gespielt habe, gab es dennoch viele Momente, bei denen ich lieber zu einem Handheld gegriffen habe. Hier sind einige Beispiele:
- Gemütlich auf dem Sofa oder im Bett spielen. Der Laptop benötigt in der Regel einen Tisch und zusätzliche Peripherie. Handhelds haben hingegen einen eingebauten Controller. Natürlich könnte ich in solchen Szenarien auch zum Laptop greifen, aber ich lege sie nur ungern auf den Schoß, weil die Lüfter sich an der Unterseite befinden.
- Auf Reisen: Unterwegs passt ein Handheld leichter in den Rucksack als ein Gaming-Laptop – Ausnahmen wie den riesigen OneXPlayer X1 Pro (10,95 Zoll) mal außen vor gelassen.
- Für kurze Spiel-Sessions zwischendurch: Wenn ich mal nur kurz einen Spieltag in Coral Island beenden möchte, wecke ich lieber das Steam Deck kurz auf, als dass ich mich an den Tisch mit dem Gaming-Laptop setze. Dort sitze ich lieber für längere Spiel-Sessions.
Das Preisargument: warum Handhelds trotzdem Sinn ergeben
Ja, es erscheinen immer mehr Handhelds, die sogar vierstellige Preise aufrufen, wie etwa die MSI Claw 8 AI+ (1.000 Euro) oder der Ayaneo 3 (ab etwa 1.030 Euro). Und ja, für diesen Preis kann man sich auch einen Gaming-Laptop mit mehr Leistung kaufen, aber ein Handheld ist eben etwas ganz Anderes:
- Er ist ein All-in-one-Gerät mit eingebauten Controllern, Bildschirm und Akku, das man ohne Schreibtisch, Maus oder zusätzliche Peripherie einfach in die Hand nehmen und sofort losspielen kann.
- Für viele ist gerade diese unkomplizierte Mobilität entscheidend. Etwas, das selbst ein noch so leistungsstarker Laptop nicht in derselben Form bieten kann.
Netbooks boten hingegen dasselbe wie Laptops – nur schlechter.
Ich glaube an die Zukunft der Handhelds
Seit dem Release des Steam Decks haben sich die Handheld-PCs als Alternative oder Ergänzung zum Desktop-PC oder Gaming-Laptop etabliert.
Klar steigen immer mehr Hersteller auf den Zug auf, was an die Netbook-Zeiten erinnert, aber dieses Mal erhalten die Geräte deutlich mehr Software-Unterstützung. Spiele werden für Handhelds optimiert, Windows 11 bekommt eine Controller-optimierte Oberfläche und die Liste der kompatiblen Geräte mit SteamOS wächst.
Außerdem ist eine der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten, die Nintendo Switch, ein Handheld.
In einer Sache muss ich Cale Hunt jedoch zustimmen: Wir brauchen mehr günstige Geräte, die zum Release weniger als 500 Euro kosten. Nicht jeder Handheld muss die schnellste Hardware, den hellsten Bildschirm oder den größten Akku besitzen. Das Steam Deck beweist, dass Specs nicht alles sind, was zählt.
Für mich steht außer Frage, dass Handhelds kein Hype sind, sondern der dritte Formfaktor für PC-Gaming, der gekommen ist, um zu bleiben. Wie seht ihr das? Sind Handhelds für euch auch eher ein kurzlebiger Trend, oder seht ihr das wie ich und glaubt, dass sich fest im Markt etablieren werden? Schreibt es uns gern in die Kommentare!
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