Ist die Party vorbei?
Nachdem Handhelds mehrere Jahre lang ihr großes Comeback gefeiert haben, verlassen gerade die wichtigsten Gäste den Saal und übrig bleibt ein exklusiver Club für die besonders wohlhabenden.
Die Partycrasher tragen Namen wie Gemini, ChatGPT und Claude: Der unstillbare Hunger der KI-Modelle nach Rechenpower hat eine Speicherkrise ausgelöst, die den Handheld-Markt mit voller Wucht trifft.
Das Ergebnis? Neue Geräte knacken die 2.000-Euro-Marke, das Steam Deck ist ein seltener Gast in den Lagerregalen und angekündigte Hoffnungsträger verschwinden sang- und klanglos in der Versenkung.
Doch wir dürfen den Blick für das Wesentliche nicht verlieren. Die große Renaissance der Handhelds begann nicht mit Luxus-Specs, sondern mit einem bezahlbaren Low-End-Gerät: dem Steam Deck. Gerade in diesen schwierigen Zeiten müssen die Hersteller beweisen, dass sie noch wissen, für wen sie diese Geräte bauen.
Was wir jetzt brauchen, ist kein neuer Spec-Rekord. Wir brauchen Mut zum Low-End.
Handhelds haben den Kompass verloren
Der Lenovo Legion Go 2 ist einer der besten Handhelds der letzten Jahre und trotzdem kann ich ihn kaum jemandem empfehlen.
Die günstigste Variante kostet im Shop des Herstellers inzwischen 1.580 Euro und in der höchsten sogar 2.500 Euro.
Klar, der Bildschirm ist der Hammer, die Leistung ist hoch und die abnehmbaren Controller sind echt cool – aber ist das euch mehrere tausend Euro wert?
Neulich wurde in einem italienischen Shop ein neuer Handheld von MSI geleakt. Ich habe schon Freudensprünge gemacht, weil sich 2026 endlich etwas tut – bis ich den kolportierten Preis sah: 1.600 Euro. Uff.
Natürlich ist noch nichts in Stein gemeißelt, doch mein Optimismus hält sich in Grenzen.
Es ist so ironisch: Der Markt für Handheld-PCs wurde durch ein Low-End-Gerät wiederbelebt, das gerade einmal Spiele in 800p rendert und für viele Triple-A-Titel nicht mal schnell genug ist: das Steam Deck. Trotzdem ist es bis heute der beliebteste PC-Handheld überhaupt.
Natürlich gibt es Raum für High-End-Geräte, wie etwa Legion Go 2, aber das darf nicht die einzige Richtung sein, in die wir uns bewegen.
Die Hersteller müssen Mut beweisen und sich direkt im Low-End mit dem Steam Deck messen. Was wir in Zeiten von hohen Preisen wirklich benötigen, sind keine Handhelds mit 128 GB RAM und 4.000-Euro-Preisschild (wie etwa der inzwischen eingestellte Ayaneo Next 2), sondern Geräte mit moderaten Specs und fairem Preisschild.
Wir brauchen mehr Lite-Handhelds
Für reine Hardware-Hersteller ist es zweifelsohne schwieriger, einen profitablen Handheld zu bauen als für Valve. Immerhin verdienen die Steam-Deck-Macher auch an jedem Spiel mit, das sich Spieler und Spielerinnen mit dem Handheld kaufen.
Ich kann also durchaus nachvollziehen, warum sie lieber den High-End-Markt bedienen, bei dem die Gewinnmargen größer sind und sie sich nicht mit Valve messen müssen – doch bringt das was, wenn sich kaum jemand für die Geräte interessiert, weil sie schlichtweg zu teuer sind?
Ein Lite-Handheld mit günstiger Hardware könnte inmitten dieser Zeit genau das Richtige sein. Handhelds wie der Lenovo Legion Go S oder der Asus ROG Xbox Ally gehen schon in die richtige Richtung.
Ich wäre jedoch auch bereit, auf Full-HD-Auflösung zu verzichten, wenn man dadurch am Preis bei Rechenleistung und Display sparen kann.
Handys und Macs haben es vorgemacht: ARM als Hoffnungsträger
Valve arbeitet derzeit an neuer Hardware und ich schaue gespannt auf die Steam Frame – eine VR-Brille.
Das Besondere an ihr ist der verbaute Chip: ein ARM-Prozessor von Qualcomm (solche stecken auch in vielen Smartphones oder Apple-Laptops); trotzdem läuft darauf SteamOS, wie auf dem Steam Deck.
Valve arbeitet daran, die Lauffähigkeit von PC-Spielen auf ARM-Architektur zu verbessern, doch sie sind damit nicht allein.Andere Unternehmen und private Entwickler machen genau dasselbe.
Ich habe selbst erst vor Kurzem die ersten PC-Spiele mit einem nativen Steam-Client auf einem Android-Handheld gespielt.
Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber wenn PC-Spiele bald so gut auf ARM-Chips laufen, wie auf dem Steam Deck, dann könnte das die Tore für günstige Lite-Handhelds öffnen.
Solche könnten für das native Spielen von älteren Titeln und das Streamen von neuen geeignet sein.
Günstige Handhelds trotz Speicherkrise? Schaut dafür gerne in unsere Handheld-Kaufberatung rein.
Zeit für die ARM-Party
Linh: Wenn die Hersteller so weitermachen, sitzen sie bald allein in ihrer schick beleuchteten VIP-Lounge, während vor der Tür die eigentliche Zielgruppe im Regen steht. Der Handheld-Markt droht gerade, genau das zu verlieren, was ihn 2022 so spannend gemacht hat: Die Türöffner-Mentalität des Steam Decks.
Die aktuelle High-End-Party mag zwar im exklusivsten Club der Stadt stattfinden, aber die Stimmung ist im Keller, weil sich niemand mehr den Eintritt leisten kann.
Wenn Valve mit dem Steam Frame (und somit Gaming auf ARM) den Takt vorgibt, könnte 2026 doch noch das Jahr werden, in dem der Handheld-Markt seine Bodenhaftung – und damit seine Zukunft – zurückgewinnt.
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