Gebrauchtes Handy kaufen: Wer sparen will, muss diese Fallstricke bei Refurbished-Smartphones kennen

Wer beim Kauf eines neuen Handys zu Refurbished-Geräten greift, kann sparen. Ich zeige euch, worauf ihr dabei achten müsst.

Handy gebraucht kaufen? Ich zeige euch, worauf ihr dabei achtet solltet. (Bildquelle: Apple Samsung GameStar Tech) Handy gebraucht kaufen? Ich zeige euch, worauf ihr dabei achtet solltet. (Bildquelle: Apple / Samsung / GameStar Tech)

Wenn ihr euch ein Smartphone zulegen möchtet, welches über die neusten Features und beste technische Ausstattung verfügt, kommen dafür prinzipiell nur die Flaggschiff-Modelle der Hersteller infrage.

Apple hält hierzu die »Pro-Reihe« seiner iPhones bereit, Samsung die S-Modelle, daneben tragen die Premium-Handys häufig die Bezeichnungen »Pro« oder »Ultra« und kosten schnell ab 1.000 Euro aufwärts.

Wer das nicht ausgeben will oder kann, greift zu einem Refurbished-Smartphone. Inzwischen gibt es dafür viele Anlaufstellen, bei denen ihr aktuelle oder Vorgängermodelle zu günstigeren Preisen bekommt.

Doch was steckt eigentlich hinter überholten Handys und worauf solltet ihr vor dem Kauf achten? Ich erkläre es euch.

Refurbished, generalüberholt, überholt – was heißt das überhaupt?

Die Begriffe »Refurbished«, »generalüberholt« oder »überholt« sind im Bereich der Gebrauchtwaren  geläufig, können von Händler zu Händler jedoch variieren. Alle drei Bezeichnungen geben in der Regel an, dass ein gebrauchtes Gerät professionell wiederaufbereitet worden ist.

Sie werden dabei genau geprüft, zurückgesetzt und gegebenenfalls defekte Teile getauscht, sodass die Smartphones einwandfrei funktionieren.

Die meisten Händler garantieren eine Mindestkapazität für den Akku, häufig liegt diese bei 85 Prozent. Ihr könnt euch dann sicher sein, dass euch das Handy noch durch den Tag bringen sollte.

Mitunter ermöglichen Refurbished-Händler auch, den Akku im Vorfeld gegen einen neuen zu tauschen. Dies ist dann aber natürlich mit einem Aufpreis verbunden.

Beispiel: Beim Kauf eines iPhone 13 bei »Back Market« bezahlt ihr 45 Euro mehr, wenn ihr einen neuen Akku verbauen lasst. So könnt ihr euch dann aber sicher sein, dass er so lange hält, wie bei einem Neugerät.

Die Geräte erhalten daneben in aller Regel auch eine Zustandsbeschreibung mit einer Erläuterung. Sie gibt an, ob Gebrauchsspuren vorhanden und wie stark diese sind. Während ein Smartphone mit der Bezeichnung »Wie Neu« ohne Kratzer daherkommt, kann ein als »Gut« ausgegebenes Modell sichtbare Kratzer oder kleine Dellen haben.

Die Zustandsbezeichnung unterscheidet sich teilweise zwischen den Händlern. Schaut hier also genau hin und legt für euch fest, welcher Zustand für euch in Ordnung ist.

Gewährleistung und Garantie

Bei Gebrauchtwaren ist ein gewerblicher Verkäufer dazu verpflichtet, ein Jahr Gewährleistung zu geben. Allerdings gibt es bei den Refurbished-Plattformen mitunter große Unterschiede. Der Händler »AsGoodAsNew« gewährt etwa eine Garantie über 30 Monate, die Telekom bietet 24 Monate Gewährleistung, bei »Back Market« gibt es wiederum 12 Monate Garantie.

Manchaml ist es zudem möglich, den Garantiezeitraum gegen einen Aufpreis zu verlängern. Bei »Refurbed« kostet eine Verlängerung um 18 Monate etwa 20 Euro, um 30 Monate 33 Euro. Wenn ihr vor dem Kauf steht, solltet ihr also entscheiden, ob euch eine lange Garantie wichtig ist.

Was ist der Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung?

Die Gewährleistung ist gesetzlich vorgeschrieben. Sollte euer Gerät nicht einwandfrei funktionieren, ist der Händler zu einer Reparatur oder zu einem Austausch verpflichtet – sofern kein Eigenverschulden vorliegt, versteht sich. Nach zwölf Monaten gibt es bei der Gewährleistung eine Beweislastumkehr. Das bedeutet, ihr müsst dem Verkäufer ab diesem Zeitpunkt nachweisen, dass das Produkt von Anfang an fehlerhaft war.

Die Garantie hingegen ist eine freiwillige Leistung der Verkäufer und nicht gesetzlich geregelt. Was unter die Garantie fällt und was nicht, legt der Verkäufer fest. Dabei kann er die Garantie an bestimmte Vorgaben knüpfen oder auch einzelne Bauteile (etwa Verschleißteile wie den Akku) ausschließen. Mitunter ist eine Garantie mit einer größeren Kulanz verbunden, viele Händler verzichten bei einem Defekt im zweiten Jahr beispielsweise auf die Beweispflicht eurerseits.

Vorteile beim Kauf generalüberholter Geräte

Der für euch größte Vorteil liegt natürlich darin, dass ihr beim Kauf gegenüber einem Neugerät viel Geld sparen könnt. Sollte ein neues Flaggschiff-Handy nicht in euer Budget passen, dann ist es als überholtes Modell womöglich bezahlbar.

Alternativ habt ihr natürlich auch immer die Option, die Premium-Geräte aus dem letzten oder vorletzten Jahr zu nehmen.

Mittlerweile werden gerade teure Handys viele Jahre mit Updates versorgt und bieten auch nach ein bis zwei Jahren noch viel Leistung. Im Vergleich mit günstigen Einsteiger- oder Mittelklassegeräten besitzen Top-Geräte meist auch das bessere Kamerasystem und mehr »Premium-Feeling« durch Titan-Rahmen und Co.

Video starten 26:26 BLINDTEST: Dieses Smartphone macht die besten Fotos!

Gibt es auch Nachteile?

Der größte Schwachpunkt bei gebrauchten Geräten ist der Akku. Selbst wenn dieser beim Kauf noch eine Kapazität von mindestens 85 Prozent besitzt, so wird diese natürlich mit der Zeit absinken.

Wahrscheinlich müsst ihr bei einem überholten Gerät also vorzeitiger einen Akkuwechsel vornehmen (lassen), als es bei einem Neugerät der Fall wäre.

Bedenkt zudem auch die Sache mit der Gewährleistung. Mitunter fällt diese je nach Händler kürzer aus als bei einem neuen Handy.

Wie alt darf ein gebrauchtes Handy sein?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Bei Premium-Geräten, die für knapp 1.000 Euro oder mehr in den Handel gekommen sind, kann das Alter auch etwas höher liegen. So arbeitet mein iPhone 13 Pro von 2021 auch mit dem neusten Betriebssystem-Update flüssig, die Kamera bietet auch heute noch eine gute Qualität.

Allerdings wird dieses Handy voraussichtlich nur noch bis 2026 oder 2027 mit Updates versorgt, weshalb ich eher in Richtung iPhone 14 raten würde.

Bei Einsteiger- und Mittelklasse-Handys gibt es wiederum zwei Knackpunkte:

  • Die Update-Garantie fällt in der Regel kürzer aus. Manche Geräte erhalten nur zwei Jahre Updates.
  • Wenn die Leistung bereits zum Marktstart mittelmäßig war, kann es vorkommen, dass die Geräte nach mehreren großen Android-Updates und gestiegenen Betriebssystemanforderungen mitunter langsamer arbeiten als zum Veröffentlichungszeitraum. Ein träges Smartphone möchte aber natürlich niemand.

Beispiele für gebrauchte Smartphones in der jeweiligen Basis-Speicherausstattung

In der folgenden Tabelle zeige ich euch die Preise einiger beliebter Smartphone-Modelle als Neu- sowie Gebrauchtware:

ModellAktueller Neupreis„Hervorragend“ (Back Market)„Gut“ (Back Market)„Wie neu“ (asgoodasnew)„Gut“ (asgoodasnew)„Exzellent“ (Refurbed)„Gut“ (Refurbed)
iPhone 14Ab 570 EuroAb 390 EuroAb 387 EuroAb 489 EuroAb 429 EuroAb 445 EuroAb 393 Euro
iPhone 16Ab 737 EuroAb 789 EuroAb 735 EuroAb 689 EuroAb 639 EuroAb 711 Euro(derzeit nicht verfügbar)
Galaxy S25Ab 560 EuroAb 646 EuroAb 620 EuroAb 579 EuroAb 509 EuroAb 575 EuroAb 564 Euro
Galaxy S24Ab 475 EuroAb 423 EuroAb 444 EuroAb 479 Euro(derzeit nicht verfügbar)Ab 462 EuroAb 439 Euro
Galaxy A55Ab 299 EuroAb 312 EuroAb 305 Euro(derzeit nicht verfügbar)(derzeit nicht verfügbar)Ab 271 EuroAb 312 Euro
Nothing Phone 2Ab 449 EuroAb 359 Euro(derzeit nicht verfügbar)(derzeit nicht verfügbar)(derzeit nicht verfügbar)Ab 508 Euro(derzeit nicht verfügbar)

Die Ergebnisse zeigen einige Auffälligkeiten, die für euch vor dem Kauf essenziell sind:

  • Teilweise sind die Preise von Neugeräten so stark gesunken, dass diese unter denen von generalüberholten Geräten liegen.
  • Es gibt mitunter große Unterschiede zwischen verschiedenen Farbausführungen. Ein rotes iPhones ist beispielsweise günstiger als ein dunkelgraues.
  • Teils sind Geräte in vermeintlich schlechterem Zustand günstiger als in besserem, mitunter jene mit mehr Speicher günstiger als deren kleinere Pendants.

Ihr solltet euch die Modelle daher immer ganz genau anschauen, verschiedene Farb- und Speichervarianten wählen sowie zwischen den Zuständen vergleichen. Zudem ist ein Preisvergleich mit Neuware unerlässlich.

Darauf solltet ihr beim Kauf achten

Damit ihr euch nach dem Kauf nicht über euer Refurbished-Handy ärgert, solltet ihr im Vorfeld auf einige Dinge achten:

  • Seriöser Händler: Ich würde immer dazu raten, bei einem etablierten Refurbished-Händler zu kaufen. Sie haben standardisierte Verfahren und ihr könnt euch in der Regel auf die Angaben verlassen. Ihr findet in den Shops zudem auch transparente Angaben zu Zustand, Garantie und Co.
  • Zustandsbeschreibung: Beachtet die Zustandsbeschreibung der Geräte und legt für euch selbst fest, was für euch im Rahmen ist. Wenn ihr mit Kratzern leben könnt, dann spart ihr am Ende natürlich mehr Geld als bei einem neuwertigen Gerät.
  • Akku: Die Mindestkapazität geben die Händler in der Regel an. Das Beispiel mit dem iPhone 13 zeigt aber ganz gut: Für 45 Euro mehr würdet ihr in dem Fall bereits einen brandneuen Akku eingebaut bekommen. Je nach Gesamtpreis solltet ihr das erwägen, gerade im Hinblick auf eine langjährige Nutzung des Smartphones.
  • Garantie und Gewährleistung: Entscheidet, welcher Garantie- beziehungsweise Gewährleistungszeitraum für euch sinnvoll ist. 12 Monate oder doch mehr? Ob sich ein möglicher Aufpreis zur Garantieverlängerung lohnt, ist nutzerabhängig. Wenn ein Händler 12 Monate Gewährleistung gibt, kann ein 20-Euro-Upgrade auf 30 Monate mitunter Sinn ergeben.
  • Rückgabefrist: Schaut euch im Vorfeld genau die Rückgabefrist an, falls euch das Handy nicht gefällt. 14 Tage Widerrufsrecht sind gesetzlich vorgegeben, teilweise habt ihr je nach Händler aber auch mehr Zeit.
  • Gerätealter: Ich würde euch empfehlen, Smartphones zu kaufen, die noch einige Jahre mit Updates versorgt werden. So seid ihr geschützt gegen etwaige Sicherheitslücken. Zudem könnte es vorkommen, dass mehrere Jahre alte Geräte womöglich etwas langsam arbeiten, wenn es sich ohnehin schon um preiswertere Einstiegsmodelle gehandelt hat. Mit ein bis drei Jahre alten Handys solltet ihr indes weniger Probleme haben – achtet aber auch hier auf die Update-Garantien der Hersteller.
  • Preisvergleich: Ein Preisvergleich ist unerlässlich. Vergleicht nicht nur die verschiedenen Refurbished-Händler, sondern unbedingt auch die Preise mit Neugeräten bei Preisvergleichsplattformen wie Idealo oder Geizhals. Vergleicht außerdem verschiedene Farb- und Speichervarianten, denn mitunter gibt es hier große Unterschiede.

Fazit

Wer beim Handykauf sparen möchte, kann bedenkenlos zu einem generalüberholten Gerät greifen. Das schont nicht nur den Geldbeutel, sondern natürlich auch die Umwelt.

Wie ihr seht, sind mit der Entscheidung eines Refurbished-Smartphones aber auch einige Fallstricke verbunden. Ihr solltet vor dem Kauf unbedingt auf Dinge wie Zustandsbeschreibung, Garantie und Akkukapazität achten. Zudem sind generalüberholte Geräte nicht zwangsläufig günstiger als neue – hier müsst ihr vergleichen.

Tipp: Neben überholten Handys verkaufen viele Händler auch Geräte unter der Bezeichnung B-Ware, Kundenrückläufer oder Ausstellungsstück. Solltet ihr darüber stolpern, schaut euch die Angebote ruhig genauer an. Gerade bei Kundenrückläufern (teilweise ebenfalls als B-Ware bezeichnet) handelt es sich oft um neue Geräte, die einmal ausgepackt und dann zurückgeschickt worden sind.

Auch gilt natürlich: die Beschreibung immer genau lesen!

Kauft ihr eure Handys gebraucht beziehungsweise generalüberholt oder greift ihr ausschließlich zu Neuware? Teilt mir eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit.

zu den Kommentaren (3)

Kommentare(3)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.