Henry Ford: »Sobald sich ein Mitarbeiter für einen Experten hält, feuern wir ihn – wer seine Arbeit wirklich versteht, sieht sich niemals so«

Obwohl die Beschäftigten an Fließbändern zu Meistern ihres Fachs wurden, vertrat Henry Ford eine klare Haltung gegenüber vermeintlichen Experten.

Die Zeiten haben sich seit der Fließbandarbeit in Henry Fords Werken stark geändert, doch manche Grundsätze von damals können auch heute noch gelten. (Bild: Xataka, Wikimedia) Die Zeiten haben sich seit der Fließbandarbeit in Henry Fords Werken stark geändert, doch manche Grundsätze von damals können auch heute noch gelten. (Bild: Xataka, Wikimedia)

»Ich weiß, dass ich nichts weiß.« Der berühmte Leitsatz von Sokrates erinnert daran, dass das Eingeständnis der eigenen Unwissenheit der erste Schritt zu echtem Erkenntnisgewinn ist.

Die eigentliche Gefahr entsteht dann, wenn man sich oberflächlich mit einer Materie auskennt und vorschnell glaubt, sie bereits vollständig zu beherrschen.

Es ist ein historisch wiederkehrender Trugschluss, für den Henry Ford in Bezug auf Mitarbeiter eine radikale Lösung parat hatte: »Wir werden ihn los.«

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka.com und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.


Video starten 1:02 Ford Model T: Lego setzt auf Retro und kündigt ein Modell zu einem 108 Jahre alten Auto an, das ein neues Zeitalter eingeläutet hat


Die Geschichte dahinter

Dass Henry Ford ein Industrieller mit sehr eigenwilligen Prinzipien war, ist kein Geheimnis. Mit dem Ford Model T revolutionierte er die gesamte Branche durch die Einführung der modernen Fließbandfertigung. Dieses Produktionssystem baute jedoch vollkommen auf einer extremen Spezialisierung der Belegschaft auf.

Um dieses Ziel zu erreichen, scheute Ford sich nicht davor, die Konkurrenz mit deutlich höheren Löhnen zu übertrumpfen und am Jahresende Unternehmensgewinne auszuschütten. Der Deal war denkbar simpel: die Hälfte für die Angestellten, die Hälfte für ihn.

Diese Strategie schlug ein: Schon am Tag nach der Ankündigung kam es vor den Werkstoren zu einem gewaltigen Ansturm, weil unzählige Menschen die Chance auf lukrative Verdienste am Montageband ergreifen wollten.

Saurons Helm
LEGO Icons: Der Herr der Ringe
Saurons Helm
538 Teile
Dieses Modell von Saurons Helm kommt mit einem Ständer, einer bedruckten Plakette und einer Sauron-Minifigur mit dem einen Ring.
48,99 €

Das Fließband als Chance und Herausforderung

Die Fließbandfertigung funktioniert wie ein so simples wie empfindliches Uhrwerk. Jedes Bauteil muss sich zur exakt richtigen Zeit am richtigen Ort befinden. Jede Arbeitskraft muss ihre Handgriffe absolut fehlerfrei ausführen.

Zu jener Zeit gehörten unentschuldigte Fehltage zum Alltag der Fabriken – weshalb Ford diesen finanziellen Hebel ansetzte. Mit einem Verdienst weit über dem Marktdurchschnitt stellte er sicher, dass niemand grundlos der Arbeit fernblieb.

In einem solchen Gefüge reicht bereits ein schwaches Glied in der Kette, um das Gesamtsystem ins Wanken zu bringen. Fallen zwei aus, steht die Produktion still.

Am Band gilt daher das Ideal: Alle arbeiten stets nach exakt denselben Vorgaben und halten den Takt mit hochgradig repetitiven Bewegungen. Jede Ablenkung kostet wertvolle Zeit. Und Zeit bedeutet bares Geld.

Henry Fords Schattenseiten

Henry Ford war zweifelsohne ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann, aber es gibt auch Kritik an seiner Person. Das betrifft vor allem die Verbreitung von antisemitischen Verschwörungstheorien und seinen Umgang mit Gewerkschaften.

Ford war Eigentümer der Zeitung The Dearborn Independent, die unter anderem die gefälschten Protokolle der Weisen von Zion verbreitete und die Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung propagierte. Die Einstellung der Zeitung erfolgte erst nach starkem öffentlichem Druck.

Adolf Hitler war außerdem bekennender Bewunderer von Ford, was er auch in seinem Buch Mein Kampf äußerte. Ford erhielt im Jahr 1938 zu seinem 75. Geburtstag das Großkreuz des deutschen Adlerordens, die höchste Auszeichnung, die das NS-Regime an Ausländer vergeben konnte.

Die deutsche Tochter-Gesellschaft Ford-Werke AG in Köln kooperierte mit dem Regime und wurde in die deutsche Rüstungswirtschaft eingegliedert.

Zu der Ford Motor Company gehörte auch das sogenannte Service Department unter der Leitung von Harry Bennett. Gewerkschaftsorganisationen wurden von diesem Department nicht nur eingeschüchtert und überwacht, sondern ihre Mitglieder waren teils auch körperlicher Gewalt ausgesetzt. Besonders bekannt ist das Battle of the Overpass aus dem Jahr 1937, bei dem es zu fotografisch dokumentierten Angriffen kam.

Die Experten-Frage

Jetzt könnte man vermuten, dass diese Arbeiter mit den Jahren zu echten Koryphäen ihres Fachs avancierten. Doch genau hier zeigte Ford ihnen unmissverständlich die Tür.

Wie Richard Snow in seinem Buch I Invented the Modern Age: The Rise of Henry Ford beschreibt, reagierte Ford allergisch darauf, wenn Beschäftigte ihm widersprachen – oder noch schlimmer: wenn sie glaubten, nichts mehr dazulernen zu müssen.

Keiner unserer Mitarbeiter ist ein ›Experte‹. Bedauerlicherweise sahen wir uns gezwungen, jeden zu entlassen, sobald er sich für einen Experten hält – denn niemand, der seine Arbeit wirklich versteht, betrachtet sich selbst als solcher ... In dem Moment, in dem jemand die Haltung eines ›Experten‹ einnimmt, wird eine Unmenge an Dingen plötzlich unmöglich.

Der Autor führt aus, dass Ford damit unmissverständlich klarstellen wollte, wer im Unternehmen das letzte Wort hatte: einzig und allein er selbst.


Passend zum Thema: Henry Ford: »Es ist besser wenn 20.000 Menschen zufrieden und gut ernährt sind, als dass ein paar Millionäre geschaffen werden.«


Gibt der Erfolg Ford recht?

Aus seiner Sicht besaß nur er den vollständigen Überblick über das Gesamtbild des Konzerns. Und tatsächlich gaben ihm seine Erfolge recht: So eigenwillig oder gewagt manche seiner Vorgaben auch wirkten, fast alle seine Experimente zahlten sich am Ende aus.

Genau diese Bereitschaft zum Experimentieren forderte Ford auch von seinem Team. Dem Buch zufolge wehrte er sich stets gegen Vorwürfe, starrsinnig zu sein: Er verwarf keinen Vorschlag, ohne vorher sämtliche Alternativen eingehend geprüft zu haben.

Sehr wahrscheinlich wurzelte diese Philosophie in Fords eigenem autodidaktischem Werdegang. Überlieferungen zufolge zog er das praktische Ausprobieren zeitlebens jedem theoretischen Buchwissen vor.


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.