»Ich hab’ was versprochen, Herr Frodo. Ein Versprechen: 'Lass ihn nicht allein, Samwise Gamgee'. Und das hab ich auch nicht vor. Ich hab’s nicht vor.«
Während Samwise Gamgee in »Der Herr der Ringe: Die Gefährten« diese Worte spricht, gibt es vor allem zwei Dinge, die nicht mehr trocken sind: Zum einen ist es Sam selbst, denn er ist pitschnass vom Wasser des Anduin, in dem er gerade fast ertrunken wäre. Zum anderen sind es die Augen von uns Zuschauern, denn diese Szene geht ans Herz.
Sie beendet den ersten Film der Trilogie und kann immer wieder mitreißen. Doch Sean Astin, der Schauspieler von Sam, ist in der Szene unter Wasser so weit vom Ertrinken entfernt wie ihr wahrscheinlich in diesem Moment. Er war nicht einmal nass.
Wie man mit Ventilatoren Wasser vortäuscht
Peter Jackson hat sich in der genannten Szene eines Tricks bedient, der in der Cinematographie als Dry-for-wet-Verfahren (trocken-für-nass) bekannt ist. Wie der Name schon vermuten lässt, dreht man im Trockenen für »nasse« Szenen im Film.
Die Casting-Crew berichtet im Kommentar auf der DVD-Version der Extended Edition selbst von dem Verfahren:
Elijah Wood (Frodo): Es ist irgendwie cool, dass die Unterwasser-Sequenz von dir …
Sean Astin: …Dry-for-wet war.
Elijah Wood: ja, dry for wet war.
Sean Astin: Auf einer Bühne.
Elijah Wood: Vor einem Blue Screen.
Sean Astin: Ganz ohne Wasser, man steht einfach so da und tut so, als würde man ertrinken, mit Ventilatoren.
Elijah Wood: Und in Zeitlupe.
Sean Astin: So schwer zu machen.
Dominic Monaghan (Merry): Und am Computer generierte Blasen, die aus deinem Mund kommen.
Sean Astin: Ich hatte solche Angst, dass das billig aussehen würde. Aber sie haben gute Arbeit geleistet.
Wie funktioniert das genau? Die Schauspieler beschreiben es zwar ganz gut, doch es gibt noch mehr Einzelheiten, auf die es ankommt, wenn Filmemacher auf diese Technik zurückgreifen.
Um die Illusion von untergetauchten Charakteren zu erzeugen, werden verschiedene Hilfsmittel kombiniert, um zu einem stimmigen Ergebnis zu kommen:
- Flackerndes Licht simuliert Reflexionen und Brechungen an der Wasseroberfläche
- Nebel oder Rauch sorgt für diffuse Sicht und leichte »Trübung« wie unter Wasser
- Ventilatoren oder andere
Windmacher
bewegen Haare und Kleidung, sodass sie scheinbar schwerelos schweben - Zeitlupe verlangsamt Bewegungen und verstärkt den Eindruck von Wasserwiderstand
- Blue/Green Screen ermöglicht es, den Hintergrund digital zu ersetzen und Effekte einzufügen
- Digitale Blasen werden nachträglich eingefügt, um Atem und Auftrieb zu simulieren
- Farbkorrektur verleiht der Szene einen bläulich-grünen Unterwasser-Look
- Schauspieltechnik: Die Darsteller bewegen sich bewusst langsam und »schwerelos«, um die Illusion zu unterstützen
Die Szene könnt ihr übrigens hier nochmal anschauen:
Link zum YouTube-Inhalt
Warum nicht einfach im Wasser drehen?
Für die Menschen am Set bedeutet die Technik mehr Sicherheit und Kontrolle. Niemand muss in einem Tank stundenlang die Luft anhalten oder riskieren, dass eine Szene abgebrochen werden muss, weil jemand sich verschluckt.
Auch die Kommunikation mit Regie und Kamera ist deutlich einfacher, wenn das Set trocken bleibt. Und nicht zuletzt ist die Tonaufnahme ohne gluckerndes Wasser oder Atemprobleme sauberer und klarer.
Übrigens: Das dry-for-wet-Verfahren ist kein Relikt vergangener Tage. Zwar können moderne Studios mit CGI und Motion Capture Unterwassersequenzen noch realistischer gestalten, doch die Grundidee, Wasser durch clevere Tricks am Set zu simulieren, bleibt aktuell.
Filme wie The Shape of Water nutzen die Methode bis heute, wenn Budget, Sicherheit oder Einfachheit dagegen sprechen, tatsächlich ins Wasser zu gehen.
Ist euch schon einmal aufgefallen, dass Sam in seiner Unterwasserszene nicht wirklich nass wird? Schreibt es uns gerne in die Kommentare!
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