Ich muss mich gleich als IKEA-Ultra outen. Immer wenn ich mit meinen Eltern als Kind auf längeren Reisen war und eines der schwedischen Möbelhäuser auf dem Weg lag, hielten wir kurz zum Mittagessen. Wobei kurz
vielleicht falsch ist, schließlich funktioniert der Trick des Möbelhauses, dass man nach dem Essen auch mal durch das Sortiment schauen muss
.
Irgendwann wurde es dann auch zur Tradition, einen Abstecher in die Technikabteilung zu machen. Denn während in meiner Kindheit hauptsächlich Lampen zu finden waren, hat das Möbelhaus immer weiter aufgerüstet und bietet mittlerweile unter anderem Gadgets wie Luftreiniger, Smart-Home-Geräte und sogar Lautsprecher an.
Einer davon trägt den Namen Kallsup und kostet nur fünf Euro. Für mich sprechen solche Deals eigentlich immer für schlechte Qualität – weil, was erwartet man schon von einem Fünf-Euro-Gadget?
Nachdem mir der Speaker aber irgendwann nicht mehr aus dem Kopf ging und ich viel Gutes über ihn gelesen hatte, habe ich ihn gekauft und verdammt: Mit diesem Ergebnis hätte ich nicht gerechnet!
Was ein Fünf-Euro-Lautsprecher 2026 bieten kann
Im Store wirkt der rund sieben Zentimeter breite, tiefe und hohe Würfel eher unauffällig und auf den ersten Blick auch nicht besonders außergewöhnlich. Ehrlicherweise war mein erster Gedanke sogar, dass ich mir zumindest das Gehäuse mit einem 3D-Drucker selbst drucken könnte.
Doch der Eindruck täuscht, denn die Buttons, das Gehäuse und die gesamte Verarbeitung des Bluetooth-Lautsprechers fühlen sich besonders hochwertig an. Da das allerdings wenig über die Gesamtqualität und erst recht nichts über den Klang des tragbaren Geräts aussagt, hatte ich mich vor dem Kauf auch auf der IKEA-Website informiert.
Wie oft bei günstigen Lautsprechern fehlen hier allerdings die wichtigsten Angaben. Zu den technischen Informationen gehören beispielsweise nur, dass das Gerät nur über Bluetooth verbunden werden kann, eine Gesamtleistung von 3 Watt hat, sich mit mehreren identischen Lautsprechern koppeln lässt und bei 50 % Lautstärke eine Laufzeit von 9 Stunden hat. Das war's.
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Da ich mir in solchen Fällen dann immer die Kommentare durchlese, um wenigstens einen gewissen Eindruck von dem Produkt zu bekommen, bin ich also gleich runter zur Kommentar-Sektion gescrollt und hätte von den Bewertungen nicht mehr überrascht sein können.
335 Bewertungen, von denen nur 21 wirklich schlecht ausfielen. Statt der erwarteten Naja, was will man von 5 Euro erwarten
-Bewertungen fand ich zahlreiche Kommentare, die den Sound und den kraftvollen Klang loben. Ich habe den Lautsprecher daraufhin kurzerhand gekauft, ausgepackt und direkt getestet.
Mein Eindruck vom Kallsup-Lautsprecher
Um eine Verbindung zum Gerät herzustellen, reicht es aus, die Bluetooth-Taste zu drücken, die das Gerät sofort einschaltet. Generell hat der Lautsprecher nämlich nur zwei Buttons zum Ein- und Ausschalten, für das Bluetooth-Pairing und zum Starten und Stoppen von Liedern.
Durch die Beschriftung
der Knöpfe ist das allerdings etwas irritierend. Das Gerät wird etwa über einmaliges Drücken der Bluetooth-Taste eingeschaltet, sucht nach Bluetoothgeräten, indem ihr die selbige Taste gedrückt haltet, und lässt sich abschalten, indem ihr die Bluetooth-Taste zweimal schnell hintereinander drückt.
Für den ersten Soundtest habe ich mir eine Auswahl an Liedern geschnappt. Generell kann ich euch empfehlen, immer eine Auswahl an Songs zu nehmen, die sich in ihrem Klang stark unterscheiden. Noch besser ist dabei, wenn ihr direkt Titel wählt, die ihr sowieso öfters hört und klanglich also gut kennt.
Für den Bass-Vergleich habe ich den Klassiker SAIL
von Awolnation und Fleisch & Geld
von Bazzazian und Brutalismus 3000 laufen lassen. Für die hohen Töne habe ich Selig
von Helium Vola und Painkiller
von Judas Priest hergenommen. Als Vergleich für den allgemeinen Klang müssen für mich immer die Beatles und Queen herhalten – etwa mit Klassikern wie Bohemian Rhapsody
, die sich immer gut eignen.
Ja, mein Musikgeschmack ist sehr vielfältig. Und während ich mit meinen Teufel-, Marshall-, Ultimate-Ears- und Sony-Lautsprechern für gewöhnlich einen starken Unterschied zwischen den Songs höre, ist das bei dem IKEA-Lautsprecher nicht der Fall.
Alle Lieder klingen ähnlich komprimiert und leider etwas blechern, was gerade in den Höhen für einen enttäuschenden Klang sorgt.
Auf der anderen Seite hat mich das Gerät mit seiner extremen Lautstärke und seinem wuchtigen Bass umgehauen. In dem Sieben-Zentimeter-Speaker steckt eine Kraft, die ich so niemals erwartet hätte.
Wenn ich meine Hand vor das Gerät halte, merke ich deutlich den Bass, auch mit etwas Abstand, und der gesamte zierliche
Speaker vibriert freudig mit. Eine hohe Lautstärke und ein solider Bass bedeuten aber nicht zwangsläufig etwas Gutes.
Oft wird ein starker Bass verwendet, um den unschönen Klang eines Lautsprechers in den höheren Frequenzen zu kaschieren. Ein Grund, weshalb ich kein Fan von JBL-Lautsprechern bin, die aus meiner Sicht oft so auf ihren Bass fokussiert sind, dass sie die wichtigen Elemente vernachlässigen.
Dass es beim IKEA-Lautsprecher ähnlich ist, zeigt sich, sobald ihr die Lautstärke hochdreht. Für mich lässt sich das Gerät deutlich lauter aufdrehen, als es mir recht ist, aber das ist schließlich auch Geschmackssache. Mein Handy zeigt bei voller Lautstärke Werte zwischen 90 und 105 dBA an.
Doch je lauter die Musik läuft, desto schlechter klingt das Gesamtbild. Schon bei der Hälfte der Lautstärke wirkt der Ton eher stechend scharf und schrill. Alles darunter liefert einen Klang, den ich zwar ebenfalls nicht als besonders gut
bezeichnen würde, aber zumindest als solide Grundlage.
Seine Stärken liegen für mich also weniger beim bewussten Musikgenuss, sondern vielmehr in Situationen, in denen es vor allem auf Lautstärke und einen unkomplizierten Einsatz ankommt. Und genau dafür fallen mir ein paar Beispiele ein.
Lohnt sich der Speaker also nun?
Bevor ich euch die Frage, die euch nun vielleicht brennend interessiert, beantworten kann, möchte ich noch einen kurzen Exkurs machen, damit ihr besser versteht, woher mein Gedanke kommt.
Als Jugendlicher war ich regelmäßig skaten und Longboard fahren. Mit Freunden bin ich dabei teilweise Strecken von bis zu 20 Kilometern gefahren – wobei nie eine Musikbox fehlen durfte.
Öfter gab es dann Streit darum, welche Box denn nun die beste sei. Die klassische JBL, mit der man ordentlich Bass genießen konnte, oder doch mein damals stolz gekaufter UE Boom der ersten Generation, mit dem DJ Skrillex damals als Promo-Aktion sogar ein ganzes Konzert gespielt hatte.
Als ich den Kallsup-Speaker das erste Mal eingeschaltet habe, war mein erster Gedanke deshalb, dass sich der Lautsprecher perfekt für eine Longboard-Tour geeignet hätte. Schließlich verbindet er den kräftigen Bass, den meine Freunde an JBL mochten, mit einer Lautstärke, wie ich sie damals an meinem UE Boom geschätzt habe. So konnte man auch mit etwas Abstand zueinander noch Musik hören.
Heute fahre ich zwar kein Longboard mehr und finde es auch nicht besonders toll, andere Menschen unterwegs mit lauter Musik zu belästigen. Trotzdem zeigt die Erinnerung ganz gut, in welchen Situationen der kleine Lautsprecher seine Stärken ausspielen könnte.
Wie gut der Klang des Speakers am Ende ist, hängt auch von der Umgebung ab, in der ihr das Gerät nutzt:
- Im Freien wirkt der Speaker weniger hallig als in geschlossenen Räumen und hat dadurch einen angenehmeren Klang.
- Auf einer Baustelle könnte die Lautstärke einen deutlichen Vorteil mit sich bringen, wenn die Musik trotz der Umgebungsgeräusche hörbar bleibt.
- Bei Vereins-Treffen wie Spieleabenden hat sich der Speaker für mich bereits als hilfreich erwiesen. Schließlich bietet das Gerät eine kostengünstige Möglichkeit für eine leise Beschallung im Hintergrund.
Es kann dabei auch sinnvoll sein, mehrere Kallsup-Lautsprecher miteinander zu verbinden. IKEA wirbt ausdrücklich mit der Funktion, ich konnte sie allerdings nicht testen, da ich mir nur einen Lautsprecher geholt habe.
Funktioniert sie wie angegeben, ließe sich die Musik allerdings mit mehreren Geräten gleichmäßiger im Raum verteilen, statt sie nur aus einer Ecke abzuspielen.
Der tragbare Kallsup Lautsprecher lohnt sich…
- … wenn ihr einen günstigen Lautsprecher für einfache Zwecke sucht.
- … wenn für euch Bass an erster Stelle steht und Einschränkungen in den Höhen Nebensache sind.
- … wenn ihr ein einsteigerfreundliches und kompaktes Gerät sucht. (z.B. als Geschenk für Kinder)
Abraten kann ich euch …
- … wenn euch ein guter Rundumklang wichtig ist.
- … wenn ihr vor allem Musik mit feinen Details hört. (z.B. Klassik, Metal, Oper, R&B)
Mein abschließendes Fazit
Generell muss ich also sagen, dass der Lautsprecher für Musikfans und Audioliebhaber nur in wenigen Fällen das Gelbe vom Ei ist. Dennoch gibt es für mich einige Situationen, in denen das extrem günstige Fünf-Euro-Gerät eine gute Lösung sein kann.
IKEA bietet noch weitere Geräte an, die für euch vielleicht interessant sein könnten. Linh hat vor Kurzem beispielsweise einen Lautsprecher für 13 Euro getestet, der beim Bass und der Lautstärke zwar Abstriche macht, dafür aber andere Vorteile wie eine deutlich längere Akkulaufzeit und ein wasserdichtes Gehäuse bietet.
Auch außerhalb von IKEA gibt es zahlreiche Lautsprechermarken, die Geräte im günstigen Preissegment anbieten. Hama hat beispielsweise mit dem Can Speaker einen Bluetooth-Lautsprecher für knapp 15 Euro im Sortiment.
Am Ende kann ich aber immer noch sagen, dass der Lautsprecher definitiv der beste Speaker für unter fünf Euro ist, den ich je ausprobiert habe. Schon als ich jünger war, habe ich auf Flohmärkten und in Technikläden immer wieder besonders günstige Lautsprecher ausprobiert.
Darunter waren auch zahlreiche No-Name-Geräte, wie sie heute teilweise über TikTok Shop, AliExpress und Co. angeboten werden. Im Vergleich dazu liegt der IKEA-Lautsprecher für mich deutlich vorne.
Vielleicht ist er sogar der beste Speaker unter 20 Euro, der mir spontan einfällt. Dennoch lohnt es sich für viele von euch vermutlich etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen und einen besseren Speaker zu kaufen.
Aber wie sieht's bei euch aus? Würde so ein günstiger Lautsprecher für euch überhaupt infrage kommen? Lasst dafür gerne einen Kommentar da.



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