Das Internet macht mir keinen Spaß mehr

Früher hing ich in Foren ab und nannte mich selbst »Google Master«. Heute weiche ich KI aus und bin selbst zum Produkt geworden.

Früher habe ich das Internet beherrscht, heute beherrscht es mich. Doch ich habe Mittel und Wege dagegen gefunden. (Bildquellen: jamdesignadobe.stock.com, Maxe S.GameStar) Früher habe ich das Internet beherrscht, heute beherrscht es mich. Doch ich habe Mittel und Wege dagegen gefunden. (Bildquellen: jamdesign/adobe.stock.com, Maxe S./GameStar)

»Früher war alles besser«. Diesen Spruch habe ich so satt. Nein, früher war nicht alles besser, wir verklären das nur gerne im Anflug von Nostalgie. Früher war früher und ganz oft einfach anders.

Worauf der Spruch für mich aber definitiv zutrifft: das Internet.

Mir macht das Internet keinen Spaß mehr. Wo man früher frisch und frei mit Blumen im Haar über eine Wiese toben konnte, verstecken sich heute (KI-)Tretminen.

Ich nehme euch mit auf eine Reise in meine Vergangenheit. Warum war das Internet vor Jahren und Jahrzehnten besser? Was vermiest mir heute das Internet? Ich zeige euch auch, wie ich mir den Spaß Stück für Stück zurückhole.

Wir beginnen bei vergeblichen Versuchen, starke Monster zu züchten. 

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist als Millennial mit dem Internet aufgewachsen – und zwar, als man Webseiten noch angesehen hat, dass sie jemand mit Schweiß und Blut zusammengeschustert hat. Seinen Eltern hat er vor den Aboverträgen die eine oder andere teure Internetrechnung eingeheimst (sorry, Muttsch!), aber eines hatte er dabei immer: Spaß.

Mein Zeitalter des Entdeckers

Keine Angst, ich fange nicht beim Urschlamm an, denn so alt bin ich noch nicht (rede ich mir zumindest ein). Meine Karriere als Netizen fing um das Jahr 2000 herum an. Damals war ich elf Jahre alt und der Kampf um die Suchmaschine Nummer 1 war in vollem Gange.

Wie wahrscheinlich jedes Kind in meinem Alter, hatte ich Pokémon (blaue oder rote Edition) auf dem Game Boy durchgespielt, und mich dürstete es nach mehr Monster-Action. Beim Spielzeuggebrauchtwarenhändler meines Vertrauens – Grüße gehen raus an das Kuschel-Muschel in Hasselroth-Niedermittlau – wurde mir Dragon Quest Monsters auf dem Game Boy Color nahe gelegt.

Gekauft, gezockt.

Video starten 3:23 In Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz kämpfen Schleime und Co. wie Pokémon für euch

In letzterem kann man Monster miteinander paaren und neue züchten. Weil ich ein oller Min-Maxer bin (Namensähnlichkeit reinzufällig), wollte ich mir schon damals eine Liste anschauen, um das beste Monster im ganzen Spiel zu kreuzen.

Zusammen mit meinem damaligen besten Freund bin ich also auf die Suche gegangen: bei Google, Altavista – und auch Fireball.

In diesem Zusammenhang will ich euch den nachfolgenden Werbeclip nicht vorenthalten. Der hat bei mir tief verborgene Erinnerungen wachgerufen.

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Auf keiner Suchmaschine war irgendwas zu finden (auch nicht auf Fireball), zumindest nicht in unserer Sprache.

Ich habe nicht bekommen, was ich wollte. War das besser als heute? Ganz sicher nicht, aber …

… es hat mir trotzdem Spaß gemacht, das Internet danach zu durchforsten. Es war wie die Suche nach einem Schatz, weil das Netz eben noch nicht alle Informationen bereithielt. Ich wurde nicht mit Werbung zugeschmissen und kein Algorithmus hat mir Infos unter die Nase gehalten, die ich gar nicht brauchte.

Die Paarungsliste finde ich mittlerweile übrigens spielend bei den Kolleginnen und Kollegen von Giga (datiert auf 2001, argh!).

Meine goldene Ära: Internetforen

Es gab eine Zeit, da denke ich wirklich gerne und mit nostalgischen Gefühlen an das Internet zurück. Das müsste so um 2007 oder 2008 herum gewesen sein. Soziale Netzwerke waren gerade am Aufkommen.

Ich war (und bin) großer Fan der Fire-Emblem-Reihe. Um mich mit Leuten auszutauschen, habe ich mich im mehr oder weniger offiziellen Fire Emblem Forum angemeldet.

Video starten 0:56 Symphony of War: The Nephilim Saga - Trailer zur PC-Alternative für Fire Emblem

Täglich habe ich Stunden dort verbracht, um mit Leuten über die besten Einheiten und Strategien zu fachsimpeln. Ich habe schließlich sogar Community-Treffen organisiert und so wildfremde Menschen zu Freunden gemacht, einfach, weil ich einen Ort betreten hatte, an dem sich Leute wie ich tummelten.

Versucht das heute mal über die sozialen Medien. Klar, auch da gibt es Gruppen, aber in die zu gelangen, ist schwierig, da sie über Jahre gewachsen sind und man oft gar nicht ohne Weiteres beitreten kann. In den Weiten von Facebook, Instagram und Co. – selbst in dedizierten, vorgefilterten Blasen – findet man eher Leute, die einen lieber Missverstehen wollen. Daran hat die Zeichenbegrenzung bei Posts ebenfalls ihren Anteil.

Im Zuge dieser Kolumne habe ich Freunde gefragt, was sie am Internet früher besser fanden. Da kam die Antwort »sich mit Fremden unterhalten«. Die Person bezog das auch auf Lobbys in Multiplayer-Spielen, wo man heute oft angefeindet wird, aber auch auf die sozialen Medien.

Und es stimmt. Auf Threads oder Instagram wird man teilweise sehr schnell attackiert, weil einem Dinge unterstellt werden, die man gar nicht gemeint hat. CNET unterstreicht diese Aussage mit einem Artikel von vorgestern und schreibt, dass »Social Media ein antisoziales Ödland« geworden ist. Stimmt leider.

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Mein geliebtes Fire Emblem Forum wird zwar noch bespielt, aber wirklich aktiv ist dort niemand mehr. Seinen Höhepunkt hatte es am 29. Januar 2012 mit 51 Nutzern, also vor fast 14 Jahren.

Ich war mal selbsternannter »Google Master«

Ich habe meine Ausbildung bei einem regionalen Reiseverkehrsveranstalter in Karlsruhe gemacht. Teil meines Jobs war es, Reisen zu organisieren und zu verwalten. Natürlich habe ich nicht alle Hotels in Paris oder Venedig gesehen, aber wenn jemand Tipps wollte, musste ich recherchieren.

Google war Anfang der 2010er Jahre mein Tool, darüber habe ich alles herausgefunden.

  • Veranstaltungstipps in Wien
  • Sehenswerte Perlen in Prag
  • Die besten Strände am Gardasee
  • Restaurantempfehlungen in Paris

Video starten 1:00 Next Stop Paris: KI-generierter Film bekommt einen der schlechtesten Trailer aller Zeiten

Wollte jemand etwas recherchiert haben, dann kam die Person zu mir. Ich habe nahezu alles finden können. Ich war der »Google Master«.

Das geht heute nicht mehr so leicht. Mittlerweile spuckt Google KI-Antworten aus, die nicht verlässlich sind. Die Antworten der Suchmaschine sind schlechter geworden, das berichteten wir schon vor zwei Jahren. Es steht im Raum, dass bezahlte Ergebnisse höher angezeigt werden, um sie zu monetarisieren, sagt Computerworld. Google sieht keine Notwendigkeit, irgendetwas zu ändern (via Futurism).

Das sind alles Gründe, die darauf schließen lassen, dass Leute sich lieber an Communitys wie Reddit wenden. In 97,5 Prozent aller Suchen taucht das Netzwerk in den Ergebnissen bei Google auf, fand eine Studie heraus (via searchengineland). Menschen wenden sich also lieber an Menschen, wenn sie Hilfe brauchen, vor allem dann, wenn Suchmaschinen nicht weiterwissen oder keine zufriedenstellende Antwort liefern.

Den »Google Master« habe ich schon lange an den Nagel gehängt, denn der Titel ist 2025 keinen Pfifferling mehr wert.

Auf der nächsten Seite mache ich eine Wasserstandsmeldung: Was hat das Internet getan, damit ich den Spaß daran verloren habe?

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