Der Regisseur von »Star Wars: Die letzten Jedi« hat zusammen mit seinem Kameramann eine eigene App veröffentlicht – sie holt den ikonischen Film-Look auf das iPhone

»Es nervt einfach, ständig eine Kamera über der Schulter zu tragen.«

Rian Johnson hat zusammen mit seinem Kameramann eine Kamera-App veröffentlicht. Steve Yedlin war unter anderem für das Colour Grading in Star Wars 8: Die letzten Jedi verantwortlich. (Bildquelle: Star Wars 8: Die letzten Jedi, The Walt Disney Company Germany GmbH) Rian Johnson hat zusammen mit seinem Kameramann eine Kamera-App veröffentlicht. Steve Yedlin war unter anderem für das Colour Grading in Star Wars 8: Die letzten Jedi verantwortlich. (Bildquelle: Star Wars 8: Die letzten Jedi, The Walt Disney Company Germany GmbH)

Wie kommt Rian Johnson dazu, gemeinsam mit seinem Kameramann und Colour-Grading-Experten Steve Yedlin eine App zu produzieren? Genau das hat der Regisseur im Gespräch mit The Verge im Detail erläutert.

Bei der App handelt es sich um eine Kamera-App für das iPhone. »Chromograph Camera« kostet einmalig rund 15,00 Euro und soll den organischen, analogen Look seiner Kinofilme direkt auf das iPhone übertragen.

Mehr als nur ein Retro-Filter?

Auf den ersten Blick wirkt Chromograph wie ein weiterer Vintage-Look. Tatsächlich greift die App aber tiefer ein: Sie umgeht die Bildverarbeitung der Apple-Handys und arbeitet beim Fotografieren mit den unverfälschten RAW-Daten. Darauf wendet sie Yedlins Film-Algorithmen an, inklusive Farben und Körnung. Am Ende steht ein fertiges JPEG- oder HEIC-Bild.

Unser Filmexperte Nerdkultur verweist darauf, dass Yedlin bereits für die »Knives Out«-Filme einen eigenen Algorithmus entwickelt habe, der digitales Material auf Licht reagieren lässt wie Film. Selbst Profis hätten Mühe, bei diesen Aufnahmen zu sagen, ob sie digital oder analog entstanden sind.

Yedlin ist überzeugt, dass es mit den »richtigen Algorithmen« keinen wahrnehmbaren Unterschied gibt. Ob das auf dem iPhone genauso funktioniert, ist offen. Einen ersten Unterschied können wir euch zeigen:

Chromagraph Camera iPhone-Kamera Chromagraph Camera iPhone-Kamera

Ein Unterschied ist deutlich zu erkennen, auch der analoge Look samt Körnung ist deutlich sichtbar. Das ist allerdings nur ein Beispiel. Wir werden die Apps in weiteren Szenen testen und berichten. (Bildquelle: Patrick / GameStar Tech)

Der Aufbau der App

Die App selbst verzichtet auf den ersten Blick auf eine Flut an Schiebereglern und Optionen beim Fotografieren. Ein wenig Kontrolle gibt es trotzdem: Zoom, Blende (iPhone 18 Pro), Blitz, Langzeitbelichtung, Timer und Serienbildaufnahme stehen zur Auswahl.

Die Kamera-App ist eher schlicht gehalten. Wichtige Funktionen sind aber mit an Bord. Die Kamera-App ist eher schlicht gehalten. Wichtige Funktionen sind aber mit an Bord.

Ist das Foto im Kasten, lassen sich gezielt nur die wichtigsten Parameter wie Farbe, Ton, Sättigung und Körnung feinjustieren. Der ursprüngliche Look bleibt dabei erhalten.

Habt ihr euer persönliches Feintuning gefunden, könnt ihr die Verarbeitung für das Colour Grading in den App-Einstellungen standardisieren. Alternativ importiert ihr bestehende RAW-Fotos und zieht die Farbanpassung darüber.

Apropos App-Einstellungen: Dort findet ihr Optionen für Wasserwaage, Raster, Standardobjektiv, Seitenverhältnis und mehr.

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Warum überhaupt eine App fürs iPhone?

Rian Johnson ist ein begeisterter Fan der analogen Fotografie. Am Set ist er des Öfteren mit einer Leica M6 anzutreffen. Damit dokumentiert er die Dreharbeiten.

Manchmal greift er aber lieber zum iPhone. Der Grund ist simpel, und einige Fotografen werden sich vielleicht darin wiedererkennen:

»So sehr ich meine Leica und den Rest meiner Ausrüstung liebe: Es nervt einfach, ständig eine Kamera über der Schulter zu tragen oder einen riesigen Rucksack mit vier Kameras darin. Und mein Handy habe ich sowieso immer dabei.«

Er beschäftigt sich bereits seit Langem mit der Smartphone-Fotografie, schon zu Nokia-Zeiten:

»Die Kamera war Schrott, wirklich furchtbar. Aber sie machte diese körnigen, kontrastreichen, schrägen und wunderschönen Fotos.«

Die Fotos, die heute mit Smartphones aufgenommen werden, sind mit den damaligen Verhältnissen kaum vergleichbar. Inzwischen verbauen die Hersteller fast 1-Zoll-Sensoren in ihren Flaggschiff-Geräten.

Mit der Bildverarbeitung gehen allerdings Merkmale einher, die nicht jedem gefallen. Die Fotos wirken zunehmend überschärft und Schatten werden künstlich aufgehellt. Man könnte sagen: Sie besitzen keinen Charakter.

Er probierte mit seinen iPhone-Fotos verschiedene Foto-Apps wie Snapseed aus, verirrte sich aber in den Einstellungen.

»Ich habe jedes Foto bis ins Kleinste bearbeitet. Am Ende fühlte es sich an, als hätte ich mich im Wald verirrt und wüsste nicht mehr, wie ich dort hingekommen bin.«

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Die Zusammenarbeit mit Steve Yedlin

Aus dieser Frustration heraus entstand die Idee für eine eigene Lösung. Mit diesem Gedanken wandte er sich an seinen Kameramann Steve Yedlin. Dieser hatte zuvor bereits das Colourgrading, also die Farbanpassung, für seine Hollywood-Produktionen übernommen.

»Ich wusste, dass er es schaffen kann. [...] Ich habe immer wieder gefragt: ›Können wir das auch mit iPhone-Fotos machen?‹«

Das Ergebnis ist die iOS-App »Chromograph Camera«. Sie reiht sich in die Reihe vieler Kamera-Apps ein, die Fotografiebegeisterten einen neuen Look für das iPhone zaubern.

Weitere prominente Beispiele sind etwa Snapseed, Halide oder Leica Lux.

Für Android erteilte Johnson übrigens eine Absage. Die Hardware sei deutlich vielfältiger als die von iPhones und es sei für ein kleines Team schlicht schwer umzusetzen. Die App müsse für jedes Gerät optimal angepasst werden.


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