Egal, ob für private Bilder, berufliche Fotos oder meine frühere Arbeit als Fotograf bei Konzerten – ich habe schnell gelernt, dass Bildbearbeitungsprogramme mein bester Freund sind, um mehr aus meinen Fotos herauszuholen.
In der Vergangenheit habe ich deshalb schon alle möglichen Tools zum Bearbeiten von Bildern verwendet. Dabei haben sich Lightroom, Canva und ein stark gemoddetes Paint.net als beste Kombination für mich herausgestellt.
Allerdings immer nur die PC-Versionen, was bedeutet: Wenn ich ein Bild mit dem Handy mache, muss ich es in der Regel erst auf meinen Computer übertragen und dort anpassen.
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Eine der besten Anschaffungen für meine Kamera: ein Makroobjektiv
Zwar gibt es von den Tools teilweise auch App-Versionen, diese sind mir jedoch oft zu limitiert oder umständlich zu bedienen – gerade Canva ist für mich in der Mobile-Variante ein echter Albtraum, was die Steuerung angeht.
Als ich vom Snapseed-Update auf Version 4.0 gehört und einige Reddit-Kommentare gelesen habe, wie gut sich die App entwickeln soll, habe ich sie gleich getestet, um endlich eine mobile Lösung zu finden.
Ich habe in den vergangenen Wochen also die Google-Bildbearbeitungs-App ausprobiert und unterwegs bequem ein paar Urlaubsbilder bearbeitet, die schon viel zu lange auf meinem Handy versauern – und verdammt, ist die App genial.
Snapseed-Version 4.0 entfaltet neue Stärken
Als ich Snapseed das erste Mal ausprobiert habe, muss das um 2014 gewesen sein, als ich auf den Instagram-Hype aufgesprungen bin.
Rückblickend war die App damals schon sehr minimalistisch aufgebaut, wenn ich bedenke, dass die meisten Features der alten Snapseed-App heute normal in Instagram eingebaut sind.
Beim ersten Start der App-Version 4.0 zeigt sich aber schon, wie sich die Anwendung verändert hat: Ich bekomme erst mal ein Tutorial zur Bedienung der neuen Oberfläche. Dadurch fühlt sich alles direkt vertraut an, auch wenn sich die neue Version stark von der alten Snapseed-Anwendung unterscheidet.
Im Menü angekommen, kann ich zunächst ein Bild aus meiner Galerie auswählen oder ein neues Foto machen.
Sobald ein Bild ausgewählt ist, komme ich in die Bearbeitungsübersicht, in der zahlreiche Möglichkeiten zum Anpassen zur Verfügung stehen.
Im Gegensatz zu anderen Bildbearbeitungs-Apps, die sich auf Social-Media fokussieren, kann ich in Snapseed verschiedene Bildgrößen und Formate verwenden und diese nach Bedarf zurechtschneiden.
Wenn ich eine Funktion ausprobieren möchte, bekomme ich eine Erklärung, wie diese zu steuern ist. Neue Features, die mit dem Update 4.0 hinzugekommen sind, werden gesondert angezeigt. Das liegt daran, dass jedes der Features mit einer interaktiven Anleitung versehen ist, um die App noch zugänglicher zu machen – sehr cool.
Sollte ich doch mal Fragen zu einer Funktion haben und nicht wissen, wofür ein bestimmter Effekt gedacht ist, kann ich in der App einfach auf das Fragezeichen klicken und bekomme eine kompakte Erklärung.
Mein absolutes Highlight: Geniale Effekte und das Layer-Menü
Habe ich einen Effekt ausgewählt, kann ich ihn anpassen und anschließend speichern. Dadurch wird der Effekt auf das Bild angewendet, und bei einem erneuten Auswählen kann ich denselben Effekt noch einmal anwenden – beispielsweise um ihn zu verstärken, wenn mir die Sättigung etwa noch nicht genug knallt.
Über das Layer-Menü sehe ich, welche Effekte ich angewendet habe, kann einzelne Änderungen löschen oder im Nachhinein noch mal anpassen – etwa, wenn ich mit einem Leuchteffekt doch nicht zufrieden bin oder diesen erst nach der Bearbeitung wieder draufpacken will.
Mit der Vielzahl an Effekten kann ich nicht nur Bilder aufhübschen, sondern sie ganz gezielt in bestimmten Stilen bearbeiten. So habe ich etwa versucht, einen Hochhausblock in Korea an den »Frutiger-Aero-Stil« anzupassen, habe Konzertbilder mit einem Schwarz-Weiß-Effekt stilisiert oder einem Boot den nötigen »Drama«-Effekt verpasst.
Mit Snapseed habe ich ein Urlaubsbild von einem Fischer in Irland bearbeitet. (Bildquelle: Aaron Hofmann / GameStar Tech)
Besonders gut hat mir gefallen, dass es auch Filter gibt, welche die Körnung und Farbverhältnisse alter Kameras nachahmen, sodass ich meinen Urlaubsbildern einen »Fujifilm-400-Flair« verpassen konnte.
Kritik: Manche Funktionen wie die generative Bilderweiterung fühlen sich wie ein schlechter Witz an. Es ist schon fast überraschend, wie schlecht die Funktion arbeitet – wenn man bedenkt, dass präzise und detaillierte Abläufe das größte Argument für Snapseed 4.0 sein sollen.
Ähnlich sieht es bei dem Pinsel-Tool aus, mit dem ihr kleine Stellen ausbessern könnt. Hautunreinheiten oder störende Elemente im Hintergrund können zwar meistens fehlerfrei entfernt werden.
Bei größeren Änderungen gibt es aber wieder dasselbe Problem wie beim generativen Erweitern: Die Anwendung nimmt beliebige Stellen aus dem Bild und fügt diese beim Versuch, einen passenden Übergang zu finden, ein – nur ohne Erfolg.
Alle anderen Effekte funktionieren, wie sie sollen, und sind durch ihre einfache Bedienung so genial, dass ich auf die generativen Funktionen gerne verzichte.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
Auf Reddit erklärt ein Entwickler der Bildbearbeitungs-App, dass es das Ziel der neuen Version sei, die Anwendung »easier to use while also adding more powerful capabilities« zu machen.
Dafür hat das Tool zahlreiche Features für iOS und Android veröffentlicht, für die sich ein Blick in die App auch für euch lohnt.
Neu für Android
Verbesserte Bearbeitungsabläufe
- Neue Galerie-Funktion: Erlaubt neben der Ansicht aller Bearbeitungen auch den Import mehrerer Bilder sowie die Stapelverarbeitung
- Stapelverarbeitung von Fotos: Auswählen eines Fotos im Raster, Kopieren des Stils und Übertragen auf andere Bilder
- Favoriten anpinnen: Beliebiges Anheften von bevorzugten Werkzeugen für einen schnelleren Zugriff
- Nicht-destruktive Bearbeitung: Erneutes Anpassen eines Fotos bei vollem Erhalt des Bearbeitungsverlaufs
- Überarbeitete Werkzeugleiste: Erleichtert das Entdecken neuer Funktionen
- Optimiertes Interface: Parameter- und Moduswechsel innerhalb der Werkzeuge mit weniger Fingertipps
Snapseed-Kamera
- Fotografieren direkt mit gespeicherten, eigenen Looks
- Erhalt der Originale für spätere Anpassungen in der Nachbearbeitung
- Kostenlose, von Analogfilmen inspirierte Looks
- Profi-Einstellungen für mehr Kontrolle
Verbesserte Effekte
- Schnelles Hinzufügen von Masken für bereichsbasierte Bearbeitungen bei vielen Effekten
- Aktualisierte Film-Optionen zur präzisen Emulation beliebter historischer Filmreihen
- Aktualisiertes Porträt-Tool mit leistungsstärkeren Effekten
- Zusammenführung von »Zuschneiden und Drehen« in ein einziges Werkzeug
Neue Effekte
- Neue, von Analogfilmen inspirierte Looks beliebter Filmreihen
- Dunst entfernen (Dehaze): Fügt Nebel, Smog oder Ähnliches hinzu oder entfernt diesen
- Farbe (Color): Passt Farbton, Sättigung und Luminanz bestimmter Farben an
- Bloom: Lässt helle Lichter in benachbarte Bereiche übergehen, um einen Filmeffekt nachzuahmen
- Halation: Fügt rote Lichthöfe um helle Lichtquellen hinzu, um Analogfilme zu imitieren
Neu für iOS
Viele der oben genannten Funktionen waren auf iOS bereits verfügbar. Diese Neuerungen gibt es mit dem Update von Version 3.20 auf Version 4.0:
Verbesserte Bearbeitungsabläufe
- Beliebig viele Lieblingswerkzeuge fest anpinnen
- Überarbeitete Werkzeugleiste für ein leichteres Entdecken und schnelleres Überblicken der Funktionen, während das Bild sichtbar bleibt
- Optimierte Bedienoberfläche für den Wechsel von Parametern und Modi mit weniger Fingertipps (Karussell-Ansichten und Schieberegler sind jetzt gleichzeitig sichtbar)
Neue Effekte
- Neue, von Analogfilmen inspirierte Looks beliebter Filmreihen
- Bloom: Lässt helle Lichter in benachbarte Bereiche übergehen, um einen Filmeffekt nachzuahmen
- Halation: Fügt rote Lichthöfe um helle Lichtquellen hinzu, um Analogfilme zu imitieren
Eine gelungene Weiterentwicklung
Erfindet die App das Rad neu? Nein. Aber das, was sie macht, macht sie aus meiner Sicht verdammt gut.
Die Steuerung ist einfach, die Benutzeroberfläche dank des Updates übersichtlich und Bilder können innerhalb kürzester Zeit bearbeitet werden.
- Passend zum Thema:
Während manche Funktionen – wie die generative Bild-Erweiterung – noch in den Kinderschuhen stecken, sind andere schon deutlich weiter und machen auch mehr Spaß. Gerade mit den vielen stilistischen Filtern bietet die App eine tolle Möglichkeit, sich kreativ auszutoben.
Wenn ihr darauf keine Lust habt, macht das nichts: Um ein Selfie schnell zu bearbeiten oder das nächste Social-Media-Bild aufzuhübschen, ist Snapseed genau die richtige Wahl und definitiv einer meiner Favoriten.

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