Filme müssen nicht immer realistisch sein und Hand aufs Herz: Meistens sind sie dann am unterhaltsamsten, wenn sie es nicht sind.
Beweisstück A: Fluch der Karibik. Man könnte sogar sagen, dass die Piratenklamotte mit Johnny Depp als Jack Sparrow dann am witzigsten ist, wenn sie die Physik aushebelt. Eine der bekanntesten Szenen ist die nachfolgende, in der Will Turner und Jack aus Port Royale fliehen, indem sie mittels eines Ruderboots am Meeresboden spazieren.
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Fragen wir doch mal die Physik: Könnte man wirklich mit in einem umgedrehten Boot eingefangene Luft zum Atmen über den Meeresboden spazieren?
Physikalischer Schiffbruch?
Bis heute, also 25 Jahre nachdem der Film erschienen ist (sorry, fürs Altfühlen lassen), rätseln Zuschauerinnen und Zuschauer darüber, ob das geht, was die beiden Männer da machen – und man kann’s ihnen nicht verübeln. Sie haben sich eine Taucherglocke gebaut und die funktionieren in der Realität schließlich.
Allerdings sollte ihnen das archimedische Prinzip Seemannsgarn lehren. Dieses besagt, dass ein Körper, der in eine Flüssigkeit oder ein Gas eingetaucht wird, eine Auftriebskraft erfährt. Diese Auftriebskraft ist exakt so groß wie die Gewichtskraft des Mediums, das der Körper verdrängt hat. Wenn ihr mehr dazu lesen wollt, Studyflix erklärt das archimedische Prinzip in der Tiefe.
Rechnen wir das doch mal durch.
Wired hat das bereits einmal durchexerziert. Der Autor geht davon aus, dass ein typisches Ruderboot ungefähr 1,5 Kubikmeter Luft fasst. Da ein Kubikmeter Salzwasser etwas mehr als 1.000 Kilogramm wiegt, erzeugt die eingeschlossene Luft im Boot eine nach oben gerichtete Auftriebskraft von rund 1.500 Kilogramm (1,5 Tonnen).
- Damit das Boot auf dem Meeresgrund bleibt, bräuchte es ein Gewicht, das höher als 1,5 Tonnen ist.
- Zwei durchschnittliche Männer und ein Holzboot wiegen zusammen jedoch nur einen Bruchteil davon, vielleicht 200 bis 250 kg. Wenn Will und Jack keine herkulischen Kräfte besitzen, fehlt also ein Gewicht von über einer Tonne.
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Das sollte eigentlich passieren: Weil der Auftrieb so stark ist, müsste das Boot wie ein Korken aus dem Wasser schießen – vorausgesetzt, Will und Jack hätten es überhaupt erst unter Wasser gezogen bekommen.
Doch das ist noch nicht alles. Wer in Physik aufgepasst hat, könnte an dieser Stelle den Wasserdruck anführen, der von oben auf das Boot wirkt. Da Will und Jack am Meeresboden laufen, dürfte der ja ziemlich hoch sein.
Spielt der Wasserdruck eine Rolle?
Ja, tut er, aber anders, als ihr vielleicht glaubt. Je tiefer die beiden auf den Meeresgrund hinabsteigen, desto stärker drückt das umgebende Wasser die eingeschlossene Luftblase zusammen.
Das bedeutet, die Luft im Boot würde zunehmend komprimiert werden, wodurch der Wasserspiegel im Inneren des Bootes unweigerlich steigen würde. Je tiefer sie gehen, desto weniger Platz hätten sie also zum Atmen im Boot.
Wenn ihr dazu eine mathematische Aufschlüsselung lesen möchtet: Der Wired-Artikel (weiter oben verlinkt) führt das noch mal deutlich aus.
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Unterm Strich ist die Idee hinter der Szene eigentlich schlüssig und realistisch. Das Prinzip einer eingeschlossenen Luftblase zum Atmen nutzen auch Taucherglocken.
Der Film ignoriert jedoch völlig die enormen Kräfte der Physik. Jack Sparrow und Will Turner wären niemals in der Lage, das Boot mit reiner Körperkraft unter Wasser zu halten.
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