Vor 24 Jahren fuhr James Bond einen unsichtbaren Aston Martin – und völlig absurd ist das nicht

An aktiver Tarnung wird längst geforscht. Doch die echte Physik zieht eine ganz klare Grenze zwischen Science und Fiction.

Der berühmte Aston Martin V12 Vanquish alias »Vanish« aus James Bond: Stirb an einem anderen Tag. (Bildquelle: 007.com) Der berühmte Aston Martin V12 Vanquish alias »Vanish« aus James Bond: Stirb an einem anderen Tag. (Bildquelle: 007.com)

Mit dem Spiel 007 First Light kehrt James Bond zurück. Und mit ihm eine spannende Frage: Wie viel Unsinn steckt eigentlich in Qs legendärem Spielzeug?

Eines der berühmtesten Beispiele stammt aus dem 20. offiziellen Film der Eon-Reihe »Stirb an einem anderen Tag« (»Die Another Day«) aus dem Jahr 2002.

Dort fährt Pierce Brosnan in seiner letzten Rolle als namensgebender Agent einen Aston Martin V12 Vanquish, den Q mit britischer Trockenheit kurzerhand »Vanish« nennt – was im Deutschen »verschwinden« heißt.

Der Name ist dabei Programm: Denn der Luxusschlitten soll sich mithilfe adaptiver Tarnung unsichtbar machen können. Kameras erfassen die Umgebung, die Karosserie gibt das passende Bild wieder, und schon verschmilzt der Sportwagen mit dem Hintergrund – zumindest im Film.

Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee allerdings nicht.

Die Idee hinter dem Trick

Der unsichtbare Aston Martin gehört zu den Gadgets von Geheimagent 007, die gleichzeitig völlig übertrieben und dennoch erstaunlich naheliegend wirken.

Denn das Prinzip dahinter ist schnell erklärt: Wenn eine Oberfläche genau das zeigt, was eigentlich hinter ihr liegt, verschwindet sie für den Beobachter. Aus einem Auto wird dann gewissermaßen ein fahrender Bildschirm, der seine Umgebung nachahmt.

An aktiver Tarnung wird tatsächlich geforscht. Manche Konzepte arbeiten mit Kameras und Projektoren, andere mit Displays, veränderbaren Mustern oder angepassten Wärmesignaturen.

Besonders im militärischen Bereich muss ein Fahrzeug auch nicht wirklich komplett verschwinden. Es reicht in der Regel, wenn es für bestimmte Sensoren schlechter zu erkennen ist.

Und genau da verläuft die Grenze zwischen Wissenschaft und Fiktion. Der Aston Martin von 007 soll nicht nur schwer erkennbar, sondern praktisch nicht zu sehen sein.

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Wo die Physik Bond einholt

Im Film kaschiert der »Vanish« nicht nur ein paar Konturen. Er macht einen glänzenden, gewölbten Sportwagen nahezu unsichtbar. Und das nicht nur im Stand, sondern auch in Bewegung, auf und vor Schnee, in wechselndem Licht und aus verschiedenen Blickwinkeln.

An dieser Stelle wird aus Science-Fiction ein ziemlich hartes physikalisches Problem.

Die größte Hürde ist dabei die Perspektive. Denn der Vanish entzieht sich nicht bloß den Augen eines einzelnen Beobachters mit bestimmter Blickrichtung, sondern gleich mehreren.

Ein Display kann aber nicht jedem Beobachter zeitgleich den richtigen Hintergrund zeigen. Was von der Seite vielleicht noch halbwegs glaubwürdig wirken könnte, fällt von vorn betrachtet sofort in sich zusammen.

Hinzu kommen Reflexionen auf Lack und Glas, Schatten unter und neben dem Auto, Kanten, Scheinwerfer und die ständig wechselnde Umgebung während der Fahrt.

Und selbst wenn Kameras alles exakt erfassen und Bildflächen für verschiedene Beobachter das perfekt wiedergeben könnten, müssten diese ohne jede Verzögerung reagieren. Bildverarbeitung – vor allem derart komplexe – kostet jedoch immer auch Zeit.

Schon der geringste Lag würde aus Unsichtbarkeit ein flackerndes Tarnkostüm machen.

Kurz gesagt: Der Vanish müsste nicht nur sehen, was um ihn herum passiert. Er müsste es auch aus allen Richtungen gleichzeitig perfekt abbilden.

Unsichtbar für Menschen – oder nur für Maschinen?

Ein echter Vanish wäre daher kein unsichtbares Auto im Sinne von Q und James Bond.

Näher an der Realität wäre ein Wagen, der seine Farbe und Muster verändert, Wärmebildkameras täuscht oder automatische Erkennungssysteme in die Irre führt.

Moderne Tarnung richtet sich ohnehin nicht gegen menschliche Augen. Sie richtet sich gegen Drohnen, Überwachungskameras, Infrarotsensoren sowie KI- und Lidar-basierte Zielerkennung.

Das ist zwar weniger spektakulär als ein Aston Martin, der direkt vor unseren Augen verschwindet, aber in der Praxis erfüllen derartige Systeme oft sogar viel entscheidendere Funktionen.

Denn in der echten Welt bedeutet Tarnung meist nicht, tatsächlich unsichtbar zu werden. Oft reicht es schon, wenn ein Objekt falsch erkannt, zu spät erkannt oder gar nicht erst als relevant eingestuft wird.


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Fazit

Der Aston Martin »Vanish« ist ein klassisches Bond-Gadget: von realer Technik inspiriert, physikalisch deutlich überdreht und dramaturgisch perfekt zur Kultfigur passend.

Vollkommene Unsichtbarkeit für menschliche Augen bleibt vorerst Science-Fiction. Die Grundidee dahinter ist allerdings erstaunlich modern.

Q hätte es vermutlich so ausgedrückt:

Nicht unsichtbar! Nur schwer genug zu finden!

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