Jeff Bezos will euch in den Weltraum schicken: Auf der Italian Tech Week Mitte Oktober in Turin erklärte Amazon-Gründer Jeff Bezos, dass er sehr optimistisch in die Zukunft blickt.
Überhaupt könne er nicht verstehen, wie »irgendjemand, der gerade lebt, entmutig sein« könne. Seiner Ansicht nach blicke die Welt einem »goldenen Zeitalter« entgegen. Grund dafür seien neben KI und Robotik die Raumfahrt. Und gerade für die hat er seine ganz eigenen Ideen – und Produkte.
Bezos sieht die Zukunft der Menschheit im Weltraum
Auf der Italian Tech Week erklärte der Amazon-Gründer Bezos im Interview mit John Elkann, Präsident von Ferrari und Stellaris unter anderem, wie er sich die Zukunft vorstellt.
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Während globale Herausforderungen wie der Klimawandel, Hungerkrisen und politische Extreme die Welt beschäftigen, sieht Bezos die Zukunft der Menschheit primär in der Expansion in den Weltraum:
Ich glaube, in den nächsten paar Jahrzehnten werden Millionen von Menschen im Weltraum leben.
Wirklich konkret, wer wann genau wo im Weltall leben soll, wird Bezos nicht. Allerdings sieht sich selbst und sein Raumfahrt-Unternehmen Blue Origin maßgeblich an dieser Vision beteiligt:
Und das wird geschehen, weil wir die Infrastruktur dafür geschaffen haben – die Schwerlastraketen, die wiederverwendbaren Fahrzeuge, die Produktion im All.
Konkret nennt er hier die hauseigene Schwerlastrakete New Glenn, die im Januar 2025 ihren Jungfernflug erfolgreich absolvierte und Anfang November zu ihrer zweiten Mission aufbrechen soll.
Der Mond als Ressource:
Ein Ort im unendlichen Universum, für den sich Bezos besonders interessiert, ist der Mond. Im Interview mit Elkann schwärmt er von dessen Möglichkeiten:
Der Mond ist wirklich ein Geschenk des Universums. Er ist nah, er hat Ressourcen, und er ist eine stabile Plattform. Dort kann man rund um die Uhr Solarenergie erzeugen – keine Wolken, kein Regen, kein Wetter.
Auch in der Ausbeutung der Mond-Ressourcen sieht er sich in einer Vorreiterrolle:
Wenn du zum Mond gehen und auf dem Mond bleiben willst, musst du die Ressourcen des Mondes nutzen.
Seine Firma Blue Origin forsche derzeit an der Herstellung von Solarmodulen aus Mondregolith, als der staubigen Oberfläche des Mondes. Von der Ausbeutung der Ressourcen spricht Bezos indes nicht.
Gefahr eines Landraubs durch die Vorreiter
Unter den bekannten Milliardären aus dem Silicon Valley ist es neben Bezos vor allem Elon Musk, der gerne in den Medien kundtut, dass sich die Zukunft der Menschheit für ihn im Weltraum, besonders aber auf dem Mars abspielt. Wie Bezos betreibt auch Musk mit SpaceX ein Unternehmen für kommerzielle Raumfahrt.
Insofern muss man solche »Zukunftsprognosen« von Tech-Milliardären in erster Linie als Marketing für die eigenen Firmen sehen: Wie Millionen von Menschen im Weltraum leben sollen, erklärt der Milliardär nicht, wohl aber wie die eigenen Produkte und Forschung dazu beitragen sollen.
Hinter den Science-Fiction-Träumereien von extrem reichen Männern stehen jedoch sehr reale Konflikte. Denn die Bestrebungen von Musk und Bezos sind real – gleichzeitig ist die Menschheit rechtlich nicht wirklich vorbereitet auf einzelne Akteure, die den Weltraum und den Mond für sich beanspruchen – wie die Wiener Zeitung in einem ausführlichen Artikel darlegt:
- Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet lediglich die nationale Aneignung von Weltraum-Ressourcen, lässt jedoch eine Grauzone für die private Ausbeutung.
- Der Mondvertrag von 1979, deklariert die Mond-Ressourcen zwar als
Gemeinsames Erbe der gesamten Menschheit
, wurde von Weltraummächten (USA, China, Russland) aber nicht ratifiziert und gilt als gescheitert. - Einzelne Länder handeln im Alleingang: Die USA und Luxemburg haben nationale Gesetze erlassen, die ihren Firmen den Abbau von Mondressourcen erlauben – auch wenn das von Dr. Stephan Hobe, Experte für Weltraumrecht als völkerwidrig kritisiert wird.
Auch wenn die Zukunftsvisionen von Bezos und Co. irreal und abgehoben klingen mögen, lohnt es sich, genau hinzuhören. Was Bezos hier beschreibt, klingt wie der Beginn dessen, was der Astrophysiker Dr. Martin Elvis gegenüber der Wiener Zeitung als Landraub durch die Vorreiter
befürchtet.
Blick in die Zukunft ist einer, der vor allem in die eigene Zukunft mit großen Gewinnerwartungen blickt – und damit die Gefahr eines unregulierten kosmischen Ausverkaufs einkalkuliert.


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