Blue Origins Schwerlast-Rakete »New Glenn« ist erfolgreich gestartet – und SpaceX’ Starship nun einen Schritt voraus

Es gibt einen neuen Spitzenverfolger von SpaceX und Elon Musk im Weltraumsektor: Blue Origin. Der Erstart der Schwerlast-Rakete New Glenn gelingt.

Liftoff! New Glenn ist unterwegs. Bildquelle: Blue Origin, YouTube Liftoff! New Glenn ist unterwegs. Bildquelle: Blue Origin, YouTube

Update: 16. Januar um 11:02 Uhr: Die Zweitstufe von New Glenn ist im Orbit und damit vor dem Starship. Die Rakete von SpaceX hat bisher noch keine Umlaufbahn erreicht, nur suborbitale Flugbahnen verfolgt. Auch heute Abend wird SpaceX hier nicht gleichziehen, aber das Starship ist an anderer Stelle weit voraus, zum Beispiel bei der Landung.

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Die zweite Stufe sowie der Blue Ring als zu testender Nutzlastträger funktioniere laut Blue Origins Post auf X gut. Zuvor habe sie ihre BE-3U zweimalig gezündet, um jeweils auf eine höhere Umlaufbahn zu klettern.

Denn die Erststufe von New Glenn ist verloren gegangen, die Gründe sind aktuell unbekannt. Damit ist eine Landung auf der Barke nicht gelungen. Die Neuzündung von drei der sieben Triebwerken hat laut Blue Origin funktioniert (via Blue Origin, YouTube).

Um 08:03 Uhr Ortszeit Cape Canaveral, Florida (USA) ist es so weit: Die neueste Rakete und langjährige Entwicklung von Blue Origin hebt ab: New Glenn fliegt, angetrieben von sieben eigens entwickelten BE-4-Triebwerken gen Atlantischen Ozean (via Blue Origin, YouTube).

Nach mehr als 20 Jahren Arbeit schickt sich der Amazongründer Jeff Bezos an, mit seinem Weltraumunternehmen in die erste Liga der Raketenbetreiber vorzurücken – und zur Konkurrenz für SpaceX und Elon Musk geworden.

Wir berichten, wie die Mission ablief und was die neue Rakete für die weltweite Space-Industrie bedeutet.

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So lief der Erstflug von New Glenn ab

Nach einer Verschiebung spät in der vergangenen Woche aufgrund schlechten Wetters im Atlantik sowie Eisanlagerungen im Umfeld eines Hilfsgenerators begann der finale Countdown gegen 07:30 Uhr am Launch Complex 36 auf der Cape Canaveral Space Force Station in Florida (USA) herunterzuzählen. Als er endete, war New Glenn mehr als 20 Jahre nach Firmengründung von Blue Origin an der Reihe.

Eine Landung zum Abschluss des Jungfernflugs ist New Glenn nicht gelungen. Die Erststufe ging aus bisher unbekannten Gründen beim Anflug auf die Landebarke über dem Atlantischen Ozean verloren.

Die Oberstufe von New Glenn trägt auf dieser Mission den sogenannten Blue Ring einige Stunden um die Erde. Mit ihm, einer Art Mini-Raumschiff, sollen Tests, Fähigkeiten für zukünftige Missionen nachweisen. Später soll der Blue Ring die Satelliten oder anderen Nutzlasten in ihre finalen Orbits bringen. Auf dieser ersten Mission sollen aber erstmal nur die Grundlagen gelegt werden, damit Blue Origin sich auf lukrative Regierungsaufträge bewerben kann.

Die wichtigsten Kernfakten zu New Glenn im Überblick

  • Der Name: Benannt wurde New Glenn nach John Glenn, dem ersten US-Amerikaner, der die Erde orbital, also im Weltall, umrundet hat (via Zeit).
  • New Glenn ist 98 Meter hoch und ist ein sieben Meter breiter Zylinder. Damit ist sie rund 20 Meter kleiner als das Starship von SpaceX, aber deutlich voluminöser als die Falcon-Familie, mit der sie vor allem konkurrieren wird (via Blue Origin und SpaceX).
  • Sie kann 45 Tonnen in den niedrigen Erdorbit (LEO) bringen (Starship 150 Tonnen, Falcon 9 18 Tonnen, Falcon Heavy 50 Tonnen und Ariane 6 22 Tonnen).
  • Preis pro Start: Laut Analysten soll die New Glenn bei um die 70 Millionen US-Dollar liegen. Das entspräche in etwa der Falcon 9 (via CNN).
  • Blue Origin wurde im Jahr 2000 gegründet. Spätestens seit den frühen 2010ern, wahrscheinlich früher, arbeitet das Unternehmen an der New Glenn. Der heutige Start stellte also den ersten Höhepunkt jahrzehntelanger Bemühungen Hunderter Mitarbeiter dar. Ein Grund für die lange Zeitspanne ist der konservativere Ansatz – zumindest im Vergleich zur rapiden Vorgehensweise von Elon Musks’ SpaceX (via spaceinsider).
  • Triebwerke: Sowohl die BE-4 als auch die BE-3U Triebwerke sind selbst entwickelt. Ähnlich wie die Raptor- oder Merlin-Triebwerke von SpaceX stellen sie für Blue Origin den Grundstein für ein unabhängiges Raumfahrtunternehmen dar. Im Gegensatz zu SpaceX verkauft der Bezos-Konzern die Aggregate sogar: Die BE-4-Triebwerke sind bereits Anfang 2024 erstmals erfolgreich an Bord einer Vulcan-Rakete der United Launch Alliance (ULA) geflogen.
  • Wiederverwendbarkeit: Die Erststufe von New Glenn ist inklusive der Triebwerke für mehrfache Wiederverwendung ausgelegt. Ferner deutet ein Bericht von Ars Technica auf die Entwicklung einer Oberstufe hin, die ebenfalls zurückkehren und erneut genutzt werden kann, genannt Jarvis. Wenn Blue Origin das hinbekäme, wäre New Glenn ähnlich wie das Starship in der Lage als Ganzes mehrere Flüge ohne umfangreiche Neubauten abzuleisten. Das würde den Preis pro Flug weiter reduzieren.

Ausführlicher haben wir euch New Glenn bereits einige Tage vor ihrem Jungfernflug vorgestellt. Wenn ihr mehr zur Klassifikation von Triebwerken wissen und auch erfahren möchtet, welche Arten von Triebwerken es gibt und wie sie funktionieren, schaut gerne in unseren großen Guide zu Raketentriebwerken.

Was bedeutet der erfolgreiche Erststart für die Raumfahrtindustrie?

Allein der erfolgreiche Start bedeutet bereits eines: Jeff Bezos hat mit Blue Origin zwar weiterhin nicht aufgeschlossen, aber doch einen großen Schritt hinter Musks’ SpaceX her getan. Bei mittelschweren Lasten könnten sie schon bald eine echte Konkurrenz darstellen, wie auch die oben verlinkten Insider darlegen.

Das Starship bleibt zwar vorerst unangefochten, doch Bezos ist mit seinem Unternehmen der weltweit stärkste Verfolger SpaceX.

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