Einer der größten uns bekannten Sterne gibt uns Rätsel auf: Droht eine gewaltige Supernova oder beobachten wir den Tanz zweier Giganten?

Mit dem 2000-fachen Radius unserer Sonne gilt er als Gigant unter den Sternen, doch WOH G64 umgibt ein Rätsel – denn nach neuen Messungen scheint er dramatisch zu schrumpfen.

Für das Universum findet die erwartete Supernova von WOH G64 quasi am nächsten Wochenende statt. Tausende Jahre sind fast nichts, die Sternexplosion wird derweil gewaltig ausfallen – wir zeigen sie euch schonmal als Simulation. Für das Universum findet die erwartete Supernova von WOH G64 quasi am nächsten Wochenende statt. Tausende Jahre sind fast nichts, die Sternexplosion wird derweil gewaltig ausfallen – wir zeigen sie euch schonmal als Simulation.

Update am 4.3.2026: Wir haben den Artikel um neue Details ergänzt. Denn es herrscht reger Diskurs über die wahre Natur dieses Riesensternes.

Wo ist der Stern hin? Das müssen sich die Forscher gefragt haben, als sie durch ihre Teleskope nach WOH G64 Ausschau hielten. Denn das Monstrum mit einem 2.000-fachen Umfang unserer Sonne war in ihren Daten nicht mehr wiederzuerkennen. 160.000 Lichtjahre entfernt in unserer Begleitgalaxie Große Magellansche Wolke hat sich augenscheinlich Dramatisches zugetragen: Einer der größten uns bekannten Sterne ist auf die Hälfte zusammengefallen.

Wir erklären euch, was hinter dem Mysterium stecken könnte und zeigen per Video, wie eine wahrlich explosive Auflösung des Rätsels aussähe.

Die Heimatgalaxie von WOH G64 steuert übrigens derweil unvermeidbar auf uns zu. Sie wird in relativ naher Zukunft mit der Milchstraße kollidieren, doch dadurch vielleicht einen weit gewaltigeren Crash verhindern.

Häutung eines Giganten

Wir beobachten den Riesenstern WOH G64 schon länger. Erste Daten stammen vom Ende des vergangenen Jahrhunderts, die neuest-verfügbaren von Dezember 2024. Schon lange gilt als sicher: Hier wirft ein Gigant seine Schalen ab, wie es durchaus erwartbar ist für diese Sternentypen, wenn sie sich ihrem Existenzende nähern – eine Supernova steht an.

Links ein Bild, das von dem Stern mittels zusammengeschalteten Bodenteleskope aufgenommen worden ist. Rechts seht ihr die Umsetzung der Aufnahme durch die Hand eines Künstlers, wie es aussehen könnte. Die Schleier ist die fortgeschleuderte Materie.
(Bildquelle: ESOK. Ohnaka et al., L. Calçada) Links ein Bild, das von dem Stern mittels zusammengeschalteten Bodenteleskope aufgenommen worden ist. Rechts seht ihr die Umsetzung der Aufnahme durch die Hand eines Künstlers, wie es aussehen könnte. Die Schleier ist die fortgeschleuderte Materie. (Bildquelle: ESO/K. Ohnaka et al., L. Calçada)

Doch eine neue Studie zeigt, dass der Riese zwar weiterhin gewaltig, aber in den vergangenen zehn Jahren auf rund die Hälfte geschrumpft ist – nur noch etwa der 800-fache Radius. Seine Masse ist ebenfalls drastisch gesunken, da sich allein in einem Lichtjahr um ihn herum beinahe das Zehnfache der Materie findet, aus dem unsere Sonne besteht. In seiner Jugend brachte WOH G64 wohl bis zu 40 Sonnenmassen auf die Waage.

Dieser beobachtete extreme Verlust an Plasma könnte nahelegen, dass sich der Stern mit großen Schritten seinem Ende nähert. Mitunter vergehen nur noch wenige Tausend Jahre, bis die dann verbliebene Materie von immer noch mehreren Sonnenmassen in einer Supernova stark erhitzt weggeblasen wird.

Wir haben festgestellt, dass der Stern in den vergangenen zehn Jahren eine erhebliche Veränderung erfahren hat, was uns die seltene Gelegenheit bietet, das Leben eines Sterns in Echtzeit zu beobachten.

- Gerd Weigelt, Professor für Astronomie am Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn

Schon im Vorfeld galt der Stern als heißer Kandidat für die nächste von der Erde aus beobachtbare Sternexplosionen – die neuen Daten könnten den Verdacht erhärten.

Das folgende Video zeigt euch WOH G64 vor und nach seiner Schrumpfung. Zudem lassen wir den Stern in einer Supernova explodieren.

Video starten 2:13 Wir zerstören das Sonnensystem und entfesseln eine gigantische Supernova in Universe Sandbox

Unsere Sonne vermag nicht, solch ein Inferno aus ihrem Innersten zu entfachen, doch Sonnenstürme können uns vielleicht und auf alle Fälle unsere Technik gefährden – zum Glück haben wir diese Monster von Sonnenstürmen als Zivilisation verpasst.

Tausend Jahre ist nicht gerade bald... Das stimmt. Für uns als Menschen sind selbst wenige Jahre Zeitspannen, die wir als ausgedehnt erleben. Aber für Sterne ist ein Jahrtausend quasi nichts. Die typische Lebensspanne großer Sterne wie WOH G64 beträgt weniger als 50 Millionen Jahre.

Unsere Sonne wird, da sie kleiner ist, sogar noch etwa sechs Milliarden Jahre Wasserstoff zu Helium fusionieren, ehe sie sich rund um ihren 11 Milliardsten Geburtstag beginnt vehement aufzublähen. Einige Zeit später wird aus dem Roten Riesen ein weißer Zwergstern als Überrest. Um ihn wabert dann noch für einige Zeit ein sogenannter planetarer Nebel – die letzten Reste der Hülle unserer Sonne.

Die Erde treibt da aber schon lange als gerösteter Gesteinsbrocken durch die Schwärze. In etwa einer Milliarde Jahre von heute wird sich die Abstrahlung der Sonne bereits so weit intensiviert haben, dass hier kein Leben mehr ausharren kann (via Uni-Osnabrück).

Doch ein Phönix? Der wissenschaftliche Diskurs

Allerdings besteht eine Chance, dass die Supernova auch vorerst noch ausbleibt. Die beobachteten Veränderungen (Abkühlung, Helligkeitsabfall, Spektrumsänderungen) mögen auch von etwas ganz anderem herrühren. Eine weitere Studie argumentiert nämlich mit einem vermuteten, ebenfalls massiven Begleitstern heißerer Klasse.

Die Autoren sprechen vom Phönix-Effekt. Der Stern wirke wie wieder auferstanden aus der vermeintlichen Asche seines augenscheinlich beobachteten Sterbeprozesses. Daher könnten entweder unsere Messwerte durch die Interaktion des Duos miteinander verfälscht worden sein. Oder wir studierten, ohne es bisher zu erkennen, wie der Begleiter die Atmosphäre dehnt und streckt.

Der Tanz der Giganten bläht die dem Begleiter zugewandte Seite auf. Hierdurch treten heißere Schichten hervor, die sonst verdeckt bleiben und das täuscht quasi eine wie vor Supernovae typische Aufheizung des Sternes vor.

So liegt eventuell doch kein echter evolutionärer Übergang vor – WOH G64 bliebe demnach noch eine längere Existenz als ursprünglich angenommen.

Spannend für die Wissenschaft ist die Situation allemal, denn die Lebenszyklen solcher Riesensterne gelten noch immer als Forschungsfeld mit allerlei offenen Fragen. Ihre finale Lebensphase dauert trotz der im wahrsten Sinne des Wortes astronomischen Zeitspannen gefühlt nur einen Wimpernschlag an. Wir lernen mit jedem Blick ins Universum zu einem von ihnen dazu – weshalb wir das ferne Sternsystem genau im Blick behalten werden.

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