Ich werde keinen Laptop mehr mit verlötetem Arbeitsspeicher kaufen und die Gründe dafür sind vielfältiger, als ihr denkt

Der Trend zu verlötetem RAM mag platzsparend sein, doch er entmündigt uns als Nutzer und hat negative Konsequenzen für die Umwelt.

Verlöteter RAM schränkt die mögliche Nutzungsdauer unnötig ein. (Quelle: gagadget.com) Verlöteter RAM schränkt die mögliche Nutzungsdauer unnötig ein. (Quelle: gagadget.com)

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als der Kauf eines Computers eine Investition in die Zukunft war? Man kaufte ein solides Basismodell und wenn die Software nach zwei oder drei Jahren nach mehr RAM verlangte, investierte man einfach ein paar Euro in einen neuen Riegel Arbeitsspeicher. 

Diese Zeiten sind leider schon lange vorbei, heute ist gefühlt alles, was älter als 12 Monate ist, bereits technisch veraltet. Dieses Problem wird von den großen Laptop-Herstellern auch bewusst immer weiter verschärft, indem wichtige Bauteile wie eben der Arbeitsspeicher, WLAN-Module und sogar die Speicherchips der SSD immer häufiger direkt auf das Mainboard gelötet werden. 

Der Trend zum verlöteten RAM hat sich dabei wie ein Virus in der Branche ausgebreitet.  Was uns als technologischer Fortschritt verkauft wird, um immer noch etwas dünnere Geräte bauen zu können, ist in Wahrheit nichts anderes als eine Entmündigung des Kunden. Man könnte es auch provokant einen Sieg der geplanten Obsoleszenz nennen. 

Wie dünn sollen Laptops noch werden?

Das Hauptargument der Hersteller ist dabei fast immer das gleiche: Design. Laptops müssen dünner, leichter und kompakter werden. Ja, verlöteter LPDDR-Speicher spart Millimeter und ist theoretisch auch energieeffizienter. Doch mal ganz im Ernst: Habt ihr jemals einen Laptop zurückgegeben, weil er 1,5 Millimeter zu dick war, aber dafür aufrüstbar blieb? 

Wenn der Speicher fest mit dem Mainboard verlötet ist, kontrolliert der Hersteller die Halbwertszeit eures Geräts. Wer heute spart und ein Modell mit 8 GB oder 16-GB-RAM kauft, kann nicht sicher sein, wie lange der Speicher ausreichen wird. In drei Jahren, wenn eure Software oder KI-Anwendungen mehr Ressourcen fressen, gibt es vielleicht keinen Ausweg mehr. Der teure Laptop taugt dann nur noch für den Müll und ihr könnt euch einen neuen kaufen. 

Bei Apple gibt es mit Ausnahme des Mac Pro (ab. 8.299 Euro) keinen Computer mehr, bei dem ihr RAM oder SSD selbst tauschen könnt. (Quelle: Apple) Bei Apple gibt es mit Ausnahme des Mac Pro (ab. 8.299 Euro) keinen Computer mehr, bei dem ihr RAM oder SSD selbst tauschen könnt. (Quelle: Apple)

Für die Hersteller ist das eine schöne Sache, sie verdienen natürlich deutlich mehr, wenn ihr in regelmäßigen Abständen ein neues Gerät kauft. Selbst in der aktuellen RAM-Krise wäre eine Aufrüstung von 8 oder 16 GB auf 32 GB noch günstiger als ein neuer Laptop. Wenn der Speicher aber verlötet wird, nehmen die Hersteller euch diese Möglichkeit. 

Ein ökonomisches und ökologisches Desaster

Besonders perfide ist die Preisgestaltung. Da der Kunde weiß, dass er später nicht mehr nachbessern kann, wird er gezwungen, bereits beim Kauf völlig überzogene Aufpreise für mehr Speicher zu zahlen. Wir reden hier oft von 200 bis 500 Euro für Speicher-Upgrades, die den Hersteller vor der RAM-Krise in der Produktion kaum mehr als 30 Euro gekostet haben. Speziell Apple ist hier ein unrühmliches Beispiel für völlig überzogene Upgrade-Preise. 

Mittlerweile bieten viele Hersteller Laptops an, bei denen der RAM nicht mehr vom Besitzer getauscht werden kann. (Quelle: Asus) Mittlerweile bieten viele Hersteller Laptops an, bei denen der RAM nicht mehr vom Besitzer getauscht werden kann. (Quelle: Asus)

Und was ist mit der viel gepriesenen Nachhaltigkeit? Die gleichen Unternehmen, die sich in ihren Keynotes mit grünen Logos und Recyclingquoten schmücken, produzieren Elektroschrott auf Ansage. Wenn bei einem Gerät mit verlötetem RAM ein einziger Speicherchip einen Defekt hat, ist das gesamte Mainboard, ein Fall für die Tonne. 

Eine Reparatur, die früher zehn Minuten dauerte und fast nichts kostete, wird so in der Regel zum wirtschaftlichen Totalschaden. Denn mal ehrlich, glaubt ihr wirklich, dass sich bei einem Hersteller noch ein Techniker hinstellt und händisch irgendwelche DRAM-Chips austauscht? 

Ihr habt die Wahl

Wir als Konsumenten haben eine mächtige Waffe und das ist unser Geldbeutel. Wer uns den Zugang zu der Hardware unserer eigenen Geräte verwehrt, sollte nicht unser Vertrauen und erst recht nicht unser Geld bekommen. 

Falls ihr für euren Laptop noch eine leistungsstarke Powerbank sucht, könnt ihr gerne mal einen Blick auf den folgenden Test werfen: Edel wie Apple und genug Saft für den Laptop: Die Anker Powerbank überzeugt im Test

Wenn ihr das nächste Mal vor dem Kauf eines neuen Notebooks steht, prüft unbedingt die Spezifikationen. Wenn dort im Zusammenhang mit Arbeitsspeicher Worte wie soldered oder onboard stehen, lasst das Gerät im Regal liegen. Nur so lernen die Hersteller, dass wir keine Wegwerf-Computer wollen, sondern Hardware, die mit uns wächst. Letztlich ist ein Computer ein Werkzeug und kein Wegwerf-Gadget. 

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