Wer derzeit seinen Rechner aufrüsten möchte, erlebt an der Kasse einen Schock. Die Preise für Arbeitsspeicher (DRAM) sind auf einem Rekordhoch, teilweise werden Aufschläge von über 125 Prozent aufgerufen. Wie sich das auf die Preise von Laptops auswirkt, könnt ihr in meinem Artikel Razer zieht bei neuen Gaming-Notebook vorerst die Reißleine
nachlesen.
In vorherrschenden RAM-Krise klammerten sich viele Konsumenten an die Hoffnung, dass chinesische DRAM-Hersteller wie ChangXin Memory Technologies (CXMT) oder Yangtze Memory Technologies Co. (YMTC) den Markt mit günstigen DDR4- und DDR5-Modulen fluten und so das Monopol der etablierten Riesen Samsung, SK Hynix und Micron brechen könnten. Doch wie ein aktueller Bericht von Wccftech detailliert darlegt, ist dieser Optimismus unbegründet.
China ist noch nicht konkurrenzfähig
Das Hauptproblem liegt in der Fertigung. Während die Marktführer aus Südkorea und den USA modernste EUV-Lithografie (Extreme Ultraviolet) bei der DRAM-Herstellung nutzen, bleibt China dieser Zugang aufgrund von US-Sanktionen verwehrt. CXMT muss daher auf komplexe und teure Umwege (wie SAQP-Verfahren) ausweichen.
Wie Wccftech weiter berichtet, sind die Folgen gravierend: Die Speicher-Dies von CXMT sind bis zu 50 Prozent größer als vergleichbare Chips von SK Hynix. Das bedeutet, dass es weniger Chips pro Wafer gibt, was natürlich die Produktionskosten deutlich ansteigen lässt. Schon alleine aus diesem Grund ist es sehr unwahrscheinlich, dass chinesische DRAM-Hersteller den Markt mit billigem Arbeitsspeicher überschwemmen könnten.
Aber es gibt noch ein anderes Problem: Um überhaupt mit den Geschwindigkeiten der Konkurrenz mithalten zu können, muss CXMT seine Module mit höheren Spannungen betreiben, woraus eine stärkere Hitzeentwicklung resultiert. Speziell für Laptops würden sich entsprechende Speichermodule dann wohl eher weniger eignen.
Keine Preisbrecher in Sicht
Die Hoffnung, China würde den Markt über den Preis erobern, hat bereits einen Dämpfer erhalten. Entgegen weit verbreiteter Gerüchte hat CXMT bereits klargestellt, dass man nicht plane, die Konkurrenz preislich massiv zu unterbieten. Im Gegenteil: Jüngste Berichte deuten eher darauf hin, dass sich die chinesischen Preise bereits dem (hohen) Niveau der koreanischen Anbieter angleichen.
Regulierung bremst den Fortschritt
Selbst wenn China die technologische Lücke schließen und die Produktion hochfahren könnte, bliebe die geopolitische Hürde. YMTC steht bereits auf der Entity List
der USA, und auch CXMT wird von den US-Behörden genau beobachtet.
Für große Hersteller wie Apple, Dell oder HP ist das Risiko zu groß: Wer Komponenten verbaut, die jederzeit unter Sanktionen fallen könnten, setzt seine gesamte Lieferkette aufs Spiel. Zudem fehlt den chinesischen Herstellern die jahrzehntelange Erfahrung in der Validierung und Fehlerbehebung, die für den Einsatz in High-End-Consumer-Produkten unerlässlich ist.
Geduld bleibt die einzige Strategie
Die Analyse von Wccftech macht deutlich: Die Rettung des RAM-Marktes wird nicht aus China kommen, zumindest nicht in absehbarer Zeit. Die Kombination aus ineffizienter Fertigung ohne EUV-Tools, fehlenden Preisvorteilen und massiven politischen Barrieren sorgt dafür, dass CXMT und Co. vorerst lokale Nischenanbieter bleiben.
Für den Endverbraucher bedeutet das, dass die Preise für DDR5 weiterhin hoch bleiben und der Blick auf die Preissuchmaschinen auch in den kommenden Monaten wenig Freude bereiten wird. Der Traum vom günstigen China-RAM
ist vorerst ausgeträumt.
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