Mein Sohn liebt Bücher. Jeden Monat leihen wir neue aus der Bibliothek aus – sein Bücherregal quillt regelmäßig über. Er mag es aber auch mindestens genauso gern, Trickfilme auf dem Tablet zu gucken oder mit der Nintendo Switch zu spielen.
Als Elternteil wandert man ständig auf diesem schmalen Grat: Man will die Leselust fördern, aber ohne noch mehr blaues Licht und Ablenkung ins Kinderzimmer zu holen.
Der Kindle Kids Colorsoft 2025 schlägt genau in diese Kerbe. Zum einen ist das E-Ink-Display viel augenschonender als der Bildschirm eines Handys oder Tablets, zeigt aber trotzdem Comics und Kinderbücher in Farbe an.
Zum anderen gibt es keine Ablenkungen: keinen Browser, keine Filme, keine Fotos. (Und das Problem des berstenden Bücherregals löst er ebenfalls.)
Ich habe das neue Modell fünf Wochen lang ausprobiert, um zu schauen, wie kindgerecht der Kindle Kids in der Colorsoft-Variante ist – und ob er sich auch für Erwachsene lohnt.
Der erste Eindruck
Im Lieferumfang des neuen Kindle Colorsoft Kids ist eine Schutzhülle, 1 Jahr Amazon Kids+
-Abo sowie eine 2-Jahre-Sorglos-Garantie enthalten, die für selbstverschuldete Schäden aufkommt.
Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig und mit einer Größe von 17,68 cm x 12,75 cm x 0,79 cm liegt er gut in der Hand, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern.
Lediglich das vergleichsweise hohe Gewicht von 214 Gramm (158 Gramm beim normalen Kindle) könnte bei jüngeren Kindern für Ermüdungserscheinungen sorgen. Bei uns lag das Gerät aber ohnehin auf dem Boden, einer Decke oder im Schoß.
Dafür macht der Kindle mit der mitgelieferten Hülle einen wertigen Eindruck, der auch mal einen Sturz vom Hochbett überleben dürfte.
Einrichtung und Amazon Kids+
Die Einrichtung war ein Kinderspiel. Da ich schon ein Amazon-Konto habe, war das Kinderprofil in wenigen Minuten erstellt. Was ich super fand: Man kann sofort auswählen, dass dem Kind nur kindgerechte Inhalte von Amazon Kids+ angezeigt werden.
Die Bücher lassen sich per Fingertipp einfach herunterladen. Alternativ könnt ihr im Dashboard zur (PIN-gesicherten) Eltern-Ansicht wechseln und dort auch den Shop durchstöbern, E-Books kaufen und diese bei Bedarf für das Kinderprofil freigeben.
Links: Auch Bücher, die nicht im Abo enthalten sind, lassen sich bei Bedarf auf das Kinderprofil übertragen. Rechts: Die farbigen Bildschirmschoner sind schön anzusehen.
In der Amazon Kids+ Bibliothek findet eigentlich jedes Kind etwas: Egal ob Die Schlümpfe
, Die drei ???
oder sogar Baustellen- und Polizei-Bücher, für die mein Kleiner brennt. Die Auswahl ist üppig und beinhaltet sogar Hörbücher, zum Beispiel von Peppa Wutz
– wobei wir bei Hörbüchern nach wie vor lieber aufs Tablet mit Apple Music zurückgreifen, das ich ohnehin bezahle.
Insgesamt ein starkes Paket, das nach dem kostenlosen Probejahr allerdings ins Geld geht. Wer Prime hat, kommt mit 5 Euro im Monat (oder 49 Euro jährlich) noch recht günstig weg, alle anderen zahlen 8 Euro.
Der Bildschirm
Kommen wir zum Elefanten im Raum: dem Farbdisplay. Wer hier die knalligen, leuchtenden Farben eines iPads erwartet, wird enttäuscht sein. Die Farben sind deutlich blasser, fast wie Pastelltöne auf Zeitungspapier.
Daran ändert auch der alternative Darstellungsmodus leuchtend
recht wenig. Aber: Die meisten Kinder dürften sich trotzdem an den farbigen Illustrationen erfreuen.
Die Ausleuchtung ist schön gleichmäßig, was beim Lesen im Dunkeln sehr angenehm ist. Man kann die Helligkeit sowie die Farbtemperatur anpassen und letztere auch per Timer aktivieren, also etwa abends ab 20 Uhr warmes, gelbliches Licht einstellen. Automatisch passt sich der Bildschirm allerdings nicht an das Umgebungslicht an, was bei dem Preis schön gewesen wäre.
Ein Feature, das Amazon zudem bewirbt, ist das farbige Markieren von Textstellen. Das ist beim Colorsoft in vier Farben möglich: blau, orange, violett und gelb. Technisch funktioniert das gut und sieht hübsch aus. Aber Hand aufs Herz: Welches Kind macht das?
Für Schüler oder Erwachsene, die viele Markierungen in Sachbüchern vornehmen, mag das eine nützliche Funktion sein. Wesentlich nützlicher finde ich persönlich jedoch das Wörterbuch: Per Tipp auf ein Wort wird der Duden eingeblendet, sodass das Kind unbekannte Begriffe nachschlagen kann.
Das große Problem des Bildschirms ist allerdings seine Größe. Denn obschon Text weitestgehend scharf dargestellt wird, viele bunte Inhalte sind nicht für das 7-Zoll-Display optimiert. Wirklich viele.
Hier ein paar Beispiele:
Kleinere Pixy-Hefte oder quadratische Bücher werden zuweilen per Doppelseite im Querformat dargestellt, was den Text unleserlich klein schrumpfen lässt. Man kann zwar mit zwei Fingern heinzoomen, das ständige Wischen nervt auf Dauer aber.
Ohnehin sind alle Formen von Comics schwierig. Die lustigen Taschenbücher sind in ihrem Format gerade so noch lesbar, wobei ich mich nicht wohlfühlen würde, einem Kind diese Mini-Schrift länger als ein paar Minuten zuzumuten.
Einige Graphic Novels sind ebenfalls noch gut zu erkennen. Spätestens aber bei herkömmlichen Comics wie Asterix
oder Lucky Luke
ist Schluss – die sind in der Standardansicht ohne Lupe nicht erkennbar.
Um dieses Problem zu umgehen, bietet der Kindle einen Fenstermodus: Einzelne Comic-Fenster lassen sich per Doppeltipp im Vollbildmodus öffnen. Danach kann man durch die einzelnen Bilder wischen.
Da aber jeder Bildwechsel mit einem Technologie-bedingten, sichtbaren Flackern einhergeht, macht das auch nicht wirklich Spaß. Und er funktioniert auch nicht bei jedem Buch – bei den lustigen Taschenbüchern zum Beispiel nicht.
Amazon sollte hier ähnlich wie bei den HD-Tablets über eine 8- oder gar 10-Zoll-Variante für Kinder nachdenken, zumindest für kleine Kinder, die keine herkömmlichen Bücher lesen. Kinderbücher selbst sind ja auch oft viel größer.
Wie kindgerecht ist der Kindle Kids Colorsoft (2025)?
Zugriffsbeschränkung und Einstellungen: In diesem Punkt macht Amazon alles richtig. Der Zugang zu den Einstellungen oder dem offenen Internet ist per PIN gesichert, sodass die Kleinen vom größten Unfug ferngehalten werden.
Allerdings gibt es standardmäßig auch im Kinder-Menü Zugang zum Shop. Und obgleich die meisten Erwachsenen-Bücher herausgefiltert werden, ist das nicht bei allen der Fall. Die Tribute von Panem
oder der ein oder andere Sebastian-Fitzek-Thriller sollten meines Erachtens nicht vorgeschlagen werden.
Amazon bietet jedoch die Möglichkeit, den Shop komplett auszublenden. Sehr gut!
Besonders praktisch finde ich das Eltern-Dashboard: Ob über die App am Handy, im Browser am PC oder direkt am Kindle – ich kann Leseziele (wie etwa 30 Minuten pro Tag) festlegen, Schlafenszeiten einstellen (damit nicht heimlich unter der Bettdecke weitergelesen wird) und den Kindle sogar aus der Ferne pausieren (nur bei aktiver WLAN-Verbindung). Außerdem gibt es motivierende Abzeichen zum Sammeln, etwa für 30 Minuten gelesen
.
Benutzeroberfläche und Navigation: Hier bin ich allerdings zwiegespalten. Die Software ist im Grunde identisch mit der auf meinem Erwachsenen-Kindle – und das ist das Problem. Für den 11-jährigen Nachbarsjungen ist das okay, er hat sich zumindest in die rudimentären Einstellungen schnell eingefuchst und kann auch noch zwei, drei Touch-Gesten verinnerlichen.
Aber für jüngere Kinder ist die Bedienung zu komplex. Es fehlen selbsterklärende, große Icons oder eine vereinfachte Menüführung für Leseanfänger. Hier hätte ich mir eine echte Kids-UI
gewünscht, die das Kind auch ohne Hilfe bedienen kann. Für Kinder unter sechs Jahren würde ich den Kindle Kids Colorsoft daher nicht empfehlen.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis
Kommen wir zum Schluss zu einem Hauptkritikpunkt: dem Preis. Der Kindle Kids Colorsoft ist mit 280 Euro (UVP) ausgesprochen teuer. Zum Vergleich: Den normalen Kindle Paperwhite Kids gibt es oft für rund 100 Euro weniger. Und der normale Kindle Kids ist mit 130 Euro noch günstiger.
Das ist ein saftiger Aufpreis für etwas Farbe, vor allem wenn man bedenkt, dass Comics aufgrund der Displaygröße nur mittelmäßig Spaß machen. Wer hauptsächlich Bücher ohne Bilder liest, braucht über die einen Colorsoft-Kindle gar nicht erst nachzudenken.
Lohnt sich also der Kindle Kids Colorsoft? Das hängt stark von euren Lesebedürfnissen (oder denen eurer Kinder) ab. Schließlich können den Kindle dank Profilen mehrere Personen im Haushalt nutzen. Auch für Erwachsene ist er aufgrund der beiliegenden Schutzhülle und der Werbefreiheit definitiv einen Blick wert.
Andererseits lassen sich Bücher auch auf einem Tablet wie dem Kindle Kids Fire HD 10 schauen, das weniger kostet. Hier gibt's aber wiederum Ablenkungen, die den Nachwuchs zu mehr (ungesundem) Medienkonsum verleiten können.
Mein Fazit
- Sorglos-Garantie
- Amazon Kids+ Inhalte
- Ohne Browser / Ablenkungen
- Einstellbare Bildschirmzeit
- Motivierende Abzeichen
- UI für kleine Kinder zu komplex
- 7 Zoll zu klein für viele Inhalte
- Hoher Preis
Ist der Kindle Kids Colorsoft 2025 ein schlechtes Gerät? Nein, auf keinen Fall. Die Schrift ist ausreichend scharf, der Akku hält wochenlang und Farbinhalte kommen trotz Blässe gut zur Geltung. Aber ich bin dennoch zwiegespalten.
Amazon sollte dringend über einen größeren Kindle nachdenken oder Bilderbücher respektive Comics besser an das kleine Display anpassen. Denn aktuell trüben mir zu viele Kompromisse das Lesevergnügen genau solcher Inhalte.
Wenn euer Kind ausschließlich Romane und Taschenbücher liest, dann kauft gegebenenfalls den normalen Kindle Paperwhite Kids. Der Kontrast ist bei Schwarz-Weiß sogar noch einen Ticken besser und der Akku hält noch mal deutlich länger.
Der Colorsoft lohnt sich eigentlich nur für Kinder (ab 8 Jahren), die unbedingt Farbe wollen, etwa bei Kindergeschichten mit bunten Illustrationen. Jüngere Kinder, die eher noch Bilderbücher vorgelesen bekommen, sind mit echten Papierbüchern besser beraten.
Die Wahl ist nicht einfach und höchst individuell, zumal 280 Euro viel Geld sind. Andererseits sind die Kindle-Geräte auch regelmäßig im Angebot und halten Jahre durch. Und der Bildschirm ist definitiv besser für die Augen geeignet als ein Tablet.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.