Wir haben schon Tausende Planeten in fremden Sonnensystemen entdeckt, doch wir kennen bisher keinen ihrer Monde: Unser ist alltäglich, doch kennen wir bisher keinen einzigen sogenannten Exomond. Ein Forscher stand nun kurz davor, Geschichte zu schreiben und diese Lücke zu füllen: David Kipping.
Im Detail folgen wir zwar der Suche des Professors, mir geht es an dieser Stelle jedoch um sein triumphales Scheitern.
Wenn Mathematik die Hoffnung niederringt
Obschon alle Zeichen auf Erfolg standen, musste er eingestehen, mit leeren Händen dazustehen. Er weiß trotz beinahe 16-jähriger Vorarbeit nicht, ob sich wirklich um Kepler-167e ein Exomond befindet. Es entfaltete sich ein Drama der Daten und Algorithmen – und zu guter Letzt obsiegte der Zweifel über alles andere.
Um das einzuordnen, müssen wir uns bildlich vorstellen, wie die Astronomie arbeitet. Einen Großteil der Arbeit leisten Forscher gebeugt über Graphen, Diagramme und Zahlenkolonnen. Sie sind es, aus denen Kipping und seine Kollegen Entdeckungen ablesen. Jene für Laien rätselhaften und für Experten erzählenden Linien entstehen aber erst durch Aufarbeitung von gewaltigen Mengen an rohen Messdaten. Daten, die einzig eines widerspiegeln: mehr oder weniger eingefangenes Licht unterschiedlicher Wellenlängen.
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Wir zerlegen in Universe Sandbox 2 den Mond - physikalisch annähernd korrekt
Damit sich diese Sammlung an losen Werten in Graphen verwandelt, kommen Algorithmen zum Einsatz. Denn der gesuchte Schatz verbirgt sich hinter einem Vorhang aus Rauschen – immerhin liegen etliche Lichtjahre zwischen uns und dort. Im Fall von Kepler-167e rund 1.100 Lichtjahre.
Exakt bei diesem Schritt bewiesen Kipping und sein Team wissenschaftliche Güte und menschliche Klasse. Trotz ihrer Bemühungen, Zweifel auszuräumen, konnte sie kein mathematischer Kniff ausreichend überzeugen, hier mehr als nur einen Sonnenfleck zu erspähen. Indes hätten sie genügend Indizien gehabt, um den Erfolg für sich zu beanspruchen, wie Kipping betont. Der erste Exomond bleibt deshalb eine Möglichkeit, ist aber keine Gewissheit – und er sucht auch nach 16 Jahren weiter. Die nächste Chance wartet in wenigen Jahren, da soll die Sensation gelingen.
Vorbildliches Verhalten
Es tut mir persönlich Leid für David Kipping. Ich hätte ihm und auch uns allen diesen Jahrhundertfund gewünscht. Aber in dem Misserfolg steckt ein für die Menschheit maßgeblicher Triumph.
Wie leicht es gewesen wäre, die Daten entsprechend zu interpretieren, erläutert er selbst im YouTube-Video. Schlagzeilen, Bekanntheit und Forschungsgelder wären ihm wohl sicher gewesen und er wäre womöglich als Entdecker des ersten Mondes außerhalb unseres Sonnensystems in die Geschichte eingegangen. Zur Vorsicht mahnende oder sonst wie kritische Stimmen gingen wahrscheinlich in der allgemeinen Begeisterung unter.
Link zum YouTube-Inhalt
Sein Verhalten im Angesicht des vermeintlichen Scheiterns ist beispielhaft für das Ethos einer funktionierenden Wissenschaft: Transparenz herstellen und Integrität wahren. Ein erwartetes, ja vielleicht sogar sein Berufsleben lang ersehntes Ergebnis nicht zu erhalten, ist keine Schande. Es stellt den Forschenden ungefragt vor eine Prüfung.
David Kipping und sein Team haben sie bestanden, wie auch die meisten anderen Forscher, die die Standards bewahren. Nur bekommen wir es im Falle von Kipping so gut wie selten an einem handfesten Beispiel erklärt und demonstriert. Wir irren uns halt stolpernd empor – manchmal mit Verdruss.
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