Was auf den ersten Blick nur wie eine ungewöhnliche Felsformation aussehen mag, könnte tatsächlich Zeugnis einer panischen Flucht von Meeresschildkröten sein. Sie hat wohl vor etwa 80 Millionen Jahren stattgefunden.
Das vermuten zumindest Wissenschaftler in Bezug auf einen zufällig von Kletterern gemachten Fund am Monte Cònero (via livescience.com). Er befindet sich an der Ostküste Italiens und ist etwa 140 Kilometer von San Marino entfernt.
- Die Kletterer erkannten die Felsen auch deshalb als etwas Besonderes, weil es in der Region bereits vor einigen Jahren einen aufmerksamkeitserregenden Fund ähnlicher Spuren gegeben hat.
- Aus diesem Grund nahmen sie Kontakt zu dem Geologischen Observatorium Coldigioco auf (GOC), das die Felsformation unter anderem mithilfe von Drohnen genauer untersucht hat.
- In einer kürzlich veröffentlichten Studie präsentieren die Wissenschaftler des GOC ihre Forschungsergebnisse. Demnach könnte es sich um Spuren einer massenhaften Flucht von Meeresschildkröten vor einem Erdbeben handeln.
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Im Dienste der Wissenschaft: Massenhaft schwarze Bälle werden in ein Wasserreservoir geschüttet
Heute Berg, früher Meeresgrund
Vor Millionen von Jahren war der Untergrund vor Ort nicht auf einem Berg zu finden, sondern auf dem Meeresboden.
- Durch die Kräfte der Verschiebung der Erdplatten kam es zu einer Aufspaltung des Bodens und er wurde immer weiter nach oben gedrückt.
- Untersuchungen von Gesteinsproben lassen die Forscher schlussfolgern, dass der Kalkstein aus einer Unterwasser-Schlammlawine stammt, ausgelöst durch ein Erdbeben zur Kreidezeit vor ungefähr 79 Millionen Jahren.
- Die Rillen auf dem Boden identifizieren sie als Spuren von Meeresschildkröten. Sie könnten damals in großer Zahl Nahrung gesucht haben und mussten möglicherweise plötzlich vor dem Erdbeben fliehen.
Zu der Frage, wie diese Spuren bis heute erhalten geblieben sein können, heißt es bei LiveScience folgendermaßen:
Normalerweise würden alle Spuren von Tieren durch Strömungen am Meeresboden und „Würmer, Muscheln und andere benthische Organismen“ verwischt, erklärte Montanari [Direktor des Geologischen Observatoriums Coldgioco, Anm. d. Red.]. „Sie pflegen den Meeresboden quasi“, bemerkte er. Doch ein Erdbeben löste innerhalb weniger Minuten nach Entstehung der Spuren eine Unterwasserlawine aus und konservierte sie so, sagte er.
Schildkröten oder keine Schildkröten, das ist hier die Frage
Laut LiveSciene waren zur damaligen Zeit nur wenige Tiere unter Wasser groß genug, um Spuren dieser Art hinterlassen zu können. Dazu zählen auch die besagten Meeresschildkröten.
An der Theorie der Meeresschildkröten gibt es aber auch Zweifel, geäußert von Michael Benton, Professor für Wirbeltierpaläontologie an der Universität Bristol in Großbritannien.
- Der Grund: Die Spuren sehen seiner Einschätzung nach wie Stampfbewegungen aus, bei denen beide Vorderbeine gleichzeitig in den Boden eindringen, um sich anschließend davon abzustoßen. Das passt laut Benton nicht zur Fortbewegung von Meeresschildkröten.
- Die italienischen Geologen räumen ein, dass weitere Untersuchungen des Fundorts durch Fossilienexperten wünschenswert sind, um die Herkunft der Fluchtspuren möglichst zweifelsfrei bestimmen zu können.
- Sicher ist aus ihrer Sicht geologisch aber, dass es sich um Spuren einer durch ein Erdbeben ausgelösten Unterwasserlawine handelt.
Um einen ganz anderen Fund geht es im oben verlinkten Artikel. Er hat garantiert nichts mit Schildkröten zu tun, dafür aber mit einem Storch.
Sowohl dieser als auch der oben verlinkte Artikel sind Teil unseres Wissenschaftsbereichs bei GameStar Tech. Dabei schauen wir gelegentlich über den klassischen Technik-Tellerrand hinaus und widmen uns interessanten Themen und Funden aus verschiedenen Forschungsbereichen.

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