»Tschüss, Klimaanlage und Ventilatoren«: Was ist wirklich dran am »neuen Trend«, der unsere Häuser kühlen und Energie sparen soll?

Ein in Frankreich viel beachteter Artikel beschäftigt sich mit einer vergleichsweise neuen und noch eher seltenen Form der Klimatisierung von Räumen. Aber Ventilatoren und Klimaanlagen haben noch lange nicht ausgedient.

Gerade im Sommer eine besonders drängende Frage: Was kühlt Räume am besten ab, wenn es heiß ist? (Bild: (stock.adobe.com - AntonioDiaz, GameStar Tech) Gerade im Sommer eine besonders drängende Frage: Was kühlt Räume am besten ab, wenn es heiß ist? (Bild: (stock.adobe.com - AntonioDiaz, GameStar Tech)

Bei Google Discover in Frankreich sorgte eine Schlagzeile zu einer vermeintlichen Ablösung von Klimaanlagen und Ventilatoren für große Aufmerksamkeit.

Der Artikel dahinter geht auf eine interessante und noch eher seltene Form der Abkühlung von Räumen ein, die auch das Erwärmen ermöglicht: die sogenannten Strahlungsdeckensysteme beziehungsweise Klimadecken.

Wir besprechen auch in Anbetracht der letzten Hitzewelle, was genau dahintersteckt und wieso die Zeit von Ventilatoren und Klimaanlagen doch nicht vorbei ist.

Hinweis: Wir haben eine Information zum Umgang mit Kondenswasser im Text ergänzt (danke für die Anregung dazu in den Kommentaren) und Datum und Uhrzeit des Artikels aktualisiert.


Auch interessant: Klassische Kühllösung trifft besonderes Extra:

Video starten 0:41 Dieser Ventilator aus Japan hat ein besonderes Extra, aber dafür kostet er auch viel Geld


Wie funktionieren Klimadecken?

  • Das Grundprinzip: Durch Rohre an der Decke fließt kühles (oder warmes) Wasser. Dieses Wasser kann entweder die vorhandene Wärme aufnehmen und abführen und so zur Kühlung beitragen (ähnlich, wie ihr es von Wasserkühlungen in PCs kennt) oder den Raum erwärmen (vergleichbar mit dem Funktionsprinzip klassischer Heizungen).
  • Die Vorteile: hohe Energieeffizienz, geräuschloser Betrieb ohne Zugluft, potenziell unauffällige Installation durch die Integration in die Decke, hygienisch (kein Aufwirbeln von Staub, Pollen oder Keimen)
  • Die Nachteile: recht aufwendige und teure Installation, gewisse Trägheit des Systems (es dauert also eine gewisse Zeit, bis die Abkühlung des Raums eintrifft), nicht die höchste Kühlleistung insgesamt.

So ein System ist also nichts, das man mal eben so nachrüsten kann, zumal das kalte (oder warme) Wasser ja auch irgendwo herkommen muss.

Kanntet ihr Klimadecken beziehungsweise Strahlendeckensysteme bereits? Nehmt gerne an der folgenden Umfrage dazu teil:

Kosten und Lösungen im Kurzüberblick

Mit Blick auf die Kosten für das Material und den Einbau ist zwischen ungefähr 150 bis 300 Euro pro Quadratmeter zu rechnen. Der genaue Preis hängt unter anderem von den Bedingungen vor Ort und von der Wahl des Systems ab.

  • Trockenbausystem: Die Rohre werden über Gipsplatten an einer Unterkonstruktion montiert. Für das Nachrüsten geeignet.
  • Nassputzsystem: Die Rohre werden direkt an der Rohdecke befestigt und eingeputzt. Primär für Neubauten geeignet.

Um mögliche Probleme mit Kondenswasser in den Griff zu bekommen, setzen moderne Varianten dabei auf einen Taupunktfühler und eine entsprechende Regelung der Anlage. Generell hilft dagegen, die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch werden zu lassen und das Wasser nicht (zu) kalt.

Wo Klimadecken bislang hauptsächlich genutzt werden

Hierzulande kommen solche Systeme noch primär in größeren Gebäuden wie Büros, Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen zum Einsatz.

Im privaten Bereich finden sie sich bislang am ehesten in hochwertigen Neubauten oder bei Sanierungen mit einem Fokus auf effiziente Kühl- und Heizsysteme.

Ein Vorteil dabei: Klimadecken können ergänzend zu anderen, weiter verbreiteten Lösungen eingesetzt werden. Inwieweit das jeweils sinnvoll ist, beurteilt am besten ein Fachmann direkt vor Ort.

Fazit zu Klimadecken

Insgesamt stellen Klimadecken damit ein durchaus interessantes Konzept zur Kühlung (und Erwärmung) von Räumen dar. Das gilt sowohl aufgrund ihrer hohen Energieeffizienz als auch wegen des angenehmen und kühlen Raumklimas, das sie unter den richtigen Bedingungen schaffen können.

Ein Ersatz für Klimaanlagen und Ventilatoren auf breiter Front sind sie aber allein aufgrund des vergleichsweise großen logistischen und finanziellen Aufwands beim Einbau vorerst nicht.

zu den Kommentaren (38)

Kommentare(37)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.