Ihr wollte eine neue CPU kaufen? Dann macht es nicht so wie ich

Redakteur Alex hat schon viel unnötige Hardware gekauft. Ein vorselektierter und geköpfter Intel Core i7 7820X ist da keine Ausnahme.

von Alexander Köpf,
09.11.2021 17:00 Uhr

Wer seinen PC selbst zusammenbaut oder sich intensiv mit dem Kauf eines Komplett-PCs auseinandersetzt, sieht sich irgendwann mit der Frage nach dem richtigen Prozessor konfrontiert. Dabei gilt es, die verschiedensten Kriterien zu beachten:

Will ich nur spielen oder nur arbeiten, beides vielleicht oder gar streamen? Wie viele Kerne sollen es sein und wie wichtig ist die Taktrate? Auch die Speicheranbindung kann im Einzelfall entscheiden: Dual- oder Quad-Channel?

Nur allzu schnell lassen sich dabei aus Eventualitäten und Ansprüchen teure High-End-CPUs ableiten und der Blick schweift vom Wesentlichen und vor allem vom Sinnvollen weit ab.

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Redakteur Alex hat schon viele PCs zusammengestellt und -gebaut. Immer dann, wenn es um seine eigene Kiste geht, wird er extrem unvernünftig und gibt viel mehr Geld aus, als sein müsste. Seinen Freuden und Kollegen, ebenso wie in den GameStar-Guides, gibt er hingegen kluge Tipps und geht sehr viel durchdachter vor. Warum er so unterschiedlich handelt, bleibt bis auf Weiteres ungeklärt.

Beim PC-Kauf gerate ich außer Kontrolle

Wann immer ich mir einen neuen Rechner zusammenstelle, gerate ich außer Kontrolle und am Ende wird es dann deutlich teurer, als es eigentlich sein müsste.

So geschehen mit dem Intel Core i7 7820X aus der Core-X-Reihe für Workstations. Nicht nur, dass das eine CPU ist, die sich in erster Linie an professionelle Anwender und nicht an Spieler, wie ich einer bin, richtet, ich hab sie mir auch noch bei einem namhaften deutschen Onlineshop vorselektiert, geköpft und mit Flüssigmetall versehen gekauft und deutlich über 800 Euro dafür bezahlt.

Intel Core i7 7820X

Der Intel Core i7 7820X aus der Skylake-X-Reihe wurde im zweiten Quartal 2017 vorgestellt. Er verfügt über acht Kerne und 16 Threads, taktet mit 3,6 bis maximal 4,5 GHz und basiert auf dem Sockel 2066. Er kostete zur Markteinführung rund 600 Euro.

Was bedeutet köpfen?

Mit köpfen ist das Entfernen des Hitzverteilers (Heatspreaders) gemeint. Dabei handelt es sich um ein Kühlblech (die bedruckte Außenhaut der CPU) bestehend aus Kupfer und/oder Aluminium mit guten Wärmeleiteigenschaften.

Mein Kollege Nils Raettig hat übrigens ein ganz ähnliches Problem. Auch er gibt völlig unnötig viel zu viel Geld für PCs aus. Warum das so ist, erklärt er euch am besten selbst:

Schlechte Angewohnheit kostet unnötig Geld   117     16

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Schlechte Angewohnheit kostet unnötig Geld

Warum habe ich das getan? Meine Überlegung war, dass ich zwecks besserer Performance eine CPU mit Quad-Channel-Unterstützung (die Bandbreite des Arbeitsspeichers kann damit vervierfacht werden) brauche. Gleichzeitig galten und gelten die Skylake-X-Prozessoren als Hitzköpfe. Das wiederum liegt neben der hohen Leistungsaufnahme unter anderem an der Verbindung zwischen dem Die (Chip) und dem Heatspreader. Intel setzte dort auf konventionelle, aber auch schlechter geeignete Wäremleitpaste, anstatt auf das bessere Lot.

Nun hätte ich den 7820X prinzipiell selbst köpfen und Flüssigmetall auftragen können. Auf dem Package der Skylake-X-Prozessoren befinden sich jedoch Kleinstbauteile, die beim Köpfen durch Rasierklinge und rohe Gewalt nur allzu leicht Schaden nehmen können. Um das zu verhindern, hätte es Spezialwerkzeug gebraucht, gleichzeitig wäre aber auch jeglicher Garantieanspruch verloren gegangen.

Die CPU bereits umgearbeitet zu kaufen, hat im Endeffekt genauso viel gekostet, plus: Ich hatte eine zweijährige Garantie. So weit war meine Kaufentscheidung also sogar sinnvoll - oder zumindest nicht so schlecht.

Wenn ich die CPU dann doch nur so eingesetzt hätte, wie sie angedacht war: Nämlich zum Übertakten. Nur übertakte ich in der Regel lediglich für einmalige, kurze Tests und belasse die CPU ansonsten im Werkszustand – oder undervolte.

Der 7820X ist leider nicht mein einziger Fehlkauf, wie die beiden folgenden Kolumnen aus der Reihe Macht es nicht so wie ich belegen:

Für 800 Euro hätte ich ein komplettes Bundle haben können

Um es einmal zusammenzufassen: Ich hab mir also einen extrem teuren Prozessor gekauft, der dank Flüssigmetall und Vorselektion speziell zum Overclocking gedacht ist, hab ihn aber nicht wirklich übertaktet. Für 800 Euro hätte ich mir stattdessen einen noch schwereren Skylake-X-Prozessor mit mehr Kernen kaufen können, oder aber einen Coffee Lake Core i7 8700K (6C/12T, 3,7/4,7 GHz, rund 380 Euro bei Markteinführung) mit höheren Taktraten samt Mainboard und Arbeitsspeicher. Mit Blick auf die für mich wichtige Performance beim Spielen hätte das so gut wie keinen Unterschied gemacht und der 8700K dank der höheren Taktrate im Einzelfall vielleicht sogar besser abgeschnitten.

Es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, dass ich mir zum 7820X gleich noch ein Asus Rog Rampage VI Apex gekauft hab – ein richtig teures Board (um die 600 Euro) mit allem Drum und Dran, vor allem für Extreme-Overclocker.

Was will ich euch damit sagen? PC-Komponenten kosten bisweilen richtig viel Geld. Gerade die Preise für Grafikkarten sind im Zuge der Corona-Pandemie und ihren Folgen sehr teuer geworden. Ihr könnt euch aber viel Geld sparen, wenn ihr genau darauf achtet, was es wirklich braucht und was nicht. Am besten ist es wohl, ihr macht es einfach nicht so wie ich.

Wie ihr mit Blick auf einen neuen Rechner eine möglichst gute Kaufentscheidung trefft, erfahrt ihr in unserem großen Guide zum Thema Selbstbau-PC:

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Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr immer vernünftig gekauft oder habt ihr auch die ein oder andere peinliche Geschichte auf Lager? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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