Mein Tipp gegen die Hitze ist speziell und wirkt paradox: Darum sitze ich im Keller lieber bei 24 Grad als bei 22

Ein Gerät in meinem Heimkino sorgt im Sommer für ein echtes Aha-Erlebnis. Warum bloße Temperaturwerte oft nicht die ganze Wahrheit sagen.

Ein Raumluftentfeuchter bringt oft mehr, als man ihm zutraut. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf; GameStar Tech) Ein Raumluftentfeuchter bringt oft mehr, als man ihm zutraut. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf; GameStar Tech)

In meinem Keller steht ein Gerät, das ich ursprünglich nicht für mich gekauft habe.

Es sollte meine Technik schützen.

Denn dort unten befindet sich mein Heimkino. Projektor, Lautsprecher und Elektronik sollte man nicht dauerhaft einer zu hohen Luftfeuchtigkeit aussetzen.

An der Leinwand wird irgendwann sogar sichtbar, dass ihr das Raumklima nicht gefällt. Denn wenn der Luftentfeuchter im Sommer längere Zeit nicht läuft, steigt die relative Feuchtigkeit im Keller auf bis zu 70 Prozent.

Dann wellt sich die Leinwand an manchen Stellen.

Sie wird nicht völlig unbrauchbar. Aber ihre Oberfläche ist dann nicht mehr so glatt, wie sie es eigentlich sein sollte. Und das stört mich.

Mein Ziel war deshalb einfach: Die Luftfeuchtigkeit sollte nicht dauerhaft über 60 Prozent liegen.

Der Entfeuchter erledigt diese Aufgabe zuverlässig.

Dass er zugleich einer meiner liebsten Hitzetipps werden würde, war nicht vorgesehen.

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Im Keller sind 24 Grad nicht immer kühl

Ein Keller gilt als kühler Ort. Bei 22, 23 oder 24 Grad ist er das im Vergleich zu aufgeheizten Wohnungen oft auch.

Trotzdem kann er sich unangenehm anfühlen.

Die Luft ist schwer, der Stoff des Sofas leicht klamm. Nach einer Weile merkt man die Wärme deutlicher, als es die Zahl auf dem Thermometer erwarten lässt.

Läuft der Entfeuchter einige Zeit, verändert sich das.

Die Temperatur sinkt nicht. Sie kann sogar leicht steigen. Doch der Raum fühlt sich trockener und kühler an.

Das klingt zunächst widersprüchlich, schließlich ist ein Luftentfeuchter keine Klimaanlage. Er transportiert keine Wärme aus dem Keller, sondern erzeugt im Betrieb sogar selbst welche.

Trotzdem sitze ich lieber bei 24 Grad und 45 Prozent Luftfeuchtigkeit in meinem Heimkino als bei 22 Grad und fast 70 Prozent.

Ginge ich rein nach dem Thermometer, fiele meine Entscheidung wohl anders aus.

Hitze ist mehr als eine Zahl

Unser Körper kennt vier Wege zur Kühlung: Wärmeabstrahlung, Verdunstungskälte, Konvektion und direkten Kontakt mit kühleren Oberflächen oder Flüssigkeiten.

Gebildeter Schweiß kühlt allerdings nicht, weil er feucht ist, sondern weil er beim Verdunsten der Haut Energie entzieht – die benötigte Energie nennt man in der Fachsprache Verdampfungsenthalpie.

Ist die Luft bereits sehr feucht, funktioniert das schlechter. Der Schweiß bleibt länger auf dem Körper, wird klebrig, sammelt sich in der Kleidung und erfüllt seine eigentliche Funktion als Klimaanlage nur eingeschränkt.

Die Konsequenz: Man schwitzt nur noch mehr und kühlt noch weniger ab.

Deshalb können sich dieselben 24, 27 oder 30 Grad sehr unterschiedlich anfühlen. Die bloße Temperatur ist nur ein Teil dessen, was wir als Hitze wahrnehmen. Hinzu kommen neben der Luftfeuchtigkeit: Luftbewegung, körperliche Aktivität und die Wärme, die Wände, Böden und Möbel abstrahlen.

Mein Keller wird durch den Entfeuchter aber nicht kälter – eher im Gegenteil.

Er wird nur zu einem Ort, an dem der Körper mit der vorhandenen Wärme besser zurechtkommt.

Eine Klimaanlage arbeitet anders

Die meisten Raumluftentfeuchter funktionieren ähnlich wie eine Klimaanlage.

Sie ziehen feuchte Raumluft an und führen sie über eine kalte Oberfläche. Dort kondensiert ein Teil des Wasserdampfs, tropft als Wasser in einen Behälter oder fließt durch einen Schlauch ab.

Anschließend gelangt die trockenere Luft wieder in den Raum.

Der entscheidende Unterschied zur Klimaanlage liegt darin, was mit der Abwärme geschieht.

Bei einer fest installierten Klimaanlage befindet sich der warme Teil des Systems außerhalb der Wohnung – bei einer mobilen wird die erwärmte Luft über einen Schlauch nach außen geführt.

Beim Luftentfeuchter sind beide Seiten des Kältekreislaufs im selben Raum, nichts wird abtransportiert. Dazu kommt die Energie, die Kompressor und Ventilator abstrahlen.

Thermisch ist ein Entfeuchter also eher eine kleine Heizung.

In meinem Heimkino kann die Temperatur während seines Betriebs daher ein wenig steigen. Gleichzeitig sinkt jedoch die Luftfeuchtigkeit. Und das wirkt sich auf mein Empfinden deutlich stärker aus als ein minimaler Temperaturanstieg.

Die Luft wird also nicht kälter.

Aber sie verliert etwas von dem, was die Wärme so aufdringlich macht.

Der Tank zeigt, was im Raum steckte

Die Prozentanzeige eines sogenannten Hygrometers ist dabei nicht vollkommen selbsterklärend.

Relative Luftfeuchtigkeit hängt von der Temperatur ab. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Wird ein Raum erwärmt, kann der angezeigte Prozentwert deshalb bereits sinken, obwohl überhaupt kein Wasser entfernt wurde.

Beim Luftentfeuchter lässt sich der Unterschied allerdings im Tank sehen.

Nach einigen Stunden befindet sich dort Wasser, das zuvor in der Raumluft, in Textilien, Möbeln oder Wänden steckte. Die Maschine verändert also nicht nur eine abstrakte Zahl, sondern holt tatsächlich Feuchtigkeit aus dem Raum – und das können je nach Raumvolumen schnell ein paar Liter sein.

In meinem Fall bemerke ich das auch an der Leinwand. Bleibt die Luft über längere Zeit zu feucht, wellt sich ihre Oberfläche. Sinkt die Feuchtigkeit wieder in einen vernünftigen Bereich und das Raumklima stabilisiert sich, glättet das auch die Leinwand.

Das Gerät schützt damit nicht nur Elektronik, sondern alles, was auf Feuchtigkeit reagiert.

Ein zusätzlicher Effekt spielt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle: Bei 24 Grad und 45 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt deutlich niedriger als bei 22 Grad und 70 Prozent – bei 11,5 statt 16,3 Grad.

Das bedeutet: Ist die Luft trockener, schlägt sich Feuchtigkeit erst bei niedrigeren Oberflächentemperaturen an Geräten nieder.

Nicht jeder heiße Raum braucht einen Entfeuchter

Als allgemeines Mittel gegen Sommerhitze taugt ein Raumluftentfeuchter jedoch nicht.

Wer bei 30 Grad bereits trockene Raumluft hat, würde damit vor allem unnötig Strom verbrauchen, Lärm erzeugen und zusätzliche Wärme produzieren.

Ist das der Fall, rate ich eher zu aktivem Sonnenschutz, nächtlichem Lüften, ausgeschalteten Wärmequellen, Ventilatoren oder direkt zur Klimaanlage.

Der Entfeuchter hilft wirklich nur dort, wo das Problem nicht die Temperatur allein ist: In Kellern, Souterrainwohnungen, nach Gewittern, beim Trocknen von Wäsche oder in Räumen mit wenig Luftaustausch.

Ein Hygrometer schafft schnell Klarheit. Liegt die relative Luftfeuchtigkeit dauerhaft über 60 Prozent, geht es nicht mehr nur um Komfort und Elektronik. Auch Möbel, Textilien und im ungünstigen Fall sogar die Bausubstanz können darunter leiden.

Umgekehrt sollte die Luft aber auch nicht so trocken wie möglich sein. Für meinen Keller reicht ein Zielkorridor, der die Feuchtigkeit zuverlässig kontrolliert. Ich will aus meinem Heimkino schließlich keine Wüste machen.

Viele Geräte besitzen dafür einen Hygrostaten. Ist der gewählte Wert erreicht, pausiert der Kompressor. Bei mir sind das 45 Prozent. Bei 55 Prozent springt er wieder an.


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Das Thermometer hat nicht unrecht

Natürlich ersetzt der Entfeuchter keine Klimaanlage.

Wenn ein Raum stark aufgeheizt ist und die Temperatur über Tage auch nachts einfach nicht ausreichend sinken will, muss die Wärme tatsächlich irgendwie nach außen abgeführt werden. Denn trockene Luft allein beseitigt keine gesundheitliche Hitzebelastung.

Und auch bereits angerichtete Feuchtigkeitsschäden löst ein derartiges Gerät nicht.

In meinem Keller erfüllt der Entfeuchter aber ohnehin eine bescheidenere Aufgabe.

Er hält die Feuchtigkeit in einem Bereich, den Technik, Leinwand und der Raum vertragen. Dass ich mich dort im Sommer wohler fühle, ist ein willkommener Nebeneffekt.

Allerdings ein deutlich spürbarer.

Wenn ich vergesse, über Nacht den Luftentfeuchter einzuschalten, am nächsten Tag das Heimkino betrete und die Luftfeuchtigkeit wieder in Richtung 70 Prozent gestiegen ist, fühlt sich der Raum trotz seiner 22, 23 oder 24 Grad nicht wirklich kühl an.

Nach einigen Stunden Entfeuchtung zeigt das Thermometer womöglich dieselbe Zahl oder etwas mehr, dennoch ist es nun wieder ein kühlerer Raum.

Nicht weil das Thermometer falsch misst, sondern weil es nie alles gemessen hat.


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